Immobilienstudie Wie sich die Coronakrise auf den Wohnungsmarkt auswirkt

Die Immobilienbranche ist verunsichert. Besichtigungen sind nur eingeschränkt möglich, Mietstundungen drohen. Jetzt zeigen Daten, wie Wohnungsangebote und -preise auf die Coronakrise reagieren.
Wohnhäuser in München: "Sehr deutliches Absinken der Annoncen"

Wohnhäuser in München: "Sehr deutliches Absinken der Annoncen"

Foto: Ralph Peters/ imago images

Die Coronakrise lähmt die deutsche Wirtschaft. Viele Betriebe bleiben geschlossen, Umsätze brechen weg, die Verschuldung schießt in die Höhe.

Auch die Immobilienbranche ist betroffen. Vermieter und Makler können Wohnungen nicht wie gewohnt vermitteln, Massenbesichtigungen fallen weg. Mietern darf wegen ausbleibender Mietzahlungen zwischen April und Juni nicht gekündigt werden. 

Das Forschungsunternehmen F+B hat in seinem neuen Wohn-Index, der die Miet- und Preisentwicklungen auf dem deutschen Immobilienmarkt misst, untersucht, wie sich die Coronakrise auf den Wohnimmobilienmarkt auswirkt. Dazu hat F+B nach eigenen Angaben "alles verfügbare Datenmaterial über Neuangebote, deren Volumina, Preise und Mieten taggenau recherchiert, plausibilisiert und nach Kalenderwochen aufbereitet". 

Betrachtet wurde ein Zeitraum von sieben Wochen, beginnend bei Kalenderwoche zehn (2. März bis 8. März) bis Kalenderwoche 16 (13. April bis 19. April). Zur Vereinfachung wurden die Entwicklungen ab der zehnten Kalenderwoche indexiert. 

Im Fokus der Untersuchung standen zwei Fragen: 

  • Verringert sich das Angebotsvolumen wegen der erschwerten Bedingungen beim Abschluss von Kauf- und Mietverträgen? 

  • Wie entwickelt sich das Preisniveau bei Miet- und Eigentumswohnungen? 

Das Angebot an Wohnungen sinkt

Bei den Mietwohnungen sieht F+B ein "sehr deutliches Absinken der Annoncen" ab der zwölften Kalenderwoche, also der Woche des Lockdowns Mitte März. So fiel die Zahl der neu angebotenen Mietwohnungen in der Lockdown-Woche um 35 Prozent im Vergleich zum Monatsbeginn. In Kalenderwoche 15 waren es fast 40 Prozent weniger. Laut F+B "möglicherweise eine psychologisch irrationale Reaktion verunsicherter Vermieter, die eine schnelle Zahlungsunfähigkeit arbeitslos gewordener oder kurzarbeitender Mietinteressenten befürchteten". Mit der Debatte über erste Lockerungen stieg die Anzahl Annoncen in Kalenderwoche 16 allerdings wieder an. 

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den zum Kauf angebotenen Eigentumswohnungen, wenngleich der Ausschlag hier weniger stark war. Mitte März verringerte sich die Zahl der Angebote um etwas mehr als 15 Prozent, in der Kalenderwoche 15 waren es etwas mehr als 30 Prozent weniger als fünf Wochen zuvor. Auch hier stieg die Zahl nach Ostern wieder an.

Das Preisniveau bleibt stabil

Im Gegensatz zum Angebotsvolumen schwankte das Preisniveau nur gering. So bewegten sich die Mieten im bundesweiten Durchschnitt lediglich im Promillebereich. F+B schließt daraus: "Vermieter verzichten eher auf die sofortige Vermietung, als unverzüglich einer kommenden negativen Wirtschaftsentwicklung vorauseilend die Miethöhe zu reduzieren."

Auch bei den Eigentumswohnungen waren die Schwankungen gering. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis im betrachteten Zeitraum lag zwischen 3616 Euro bis 3849 Euro. Billiger, so scheint es, werden die Wohnungen zumindest bisher in der Krise nicht. Ob das auch auf Dauer gilt, bleibt abzuwarten.

"Die Immobilien- und insbesondere die Wohnungswirtschaft funktionieren nicht nach Art der Aktienmärkte, wo äußerst kurzfristige Reaktionen auf weltpolitische und ökonomische Entwicklungen abzulesen sind", sagt F+B-Geschäftsführer Bernd Leutner. Wohnungsmärkte seien eher träge und reagierten zeitverzögert.

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