Kredite für Häuser und Wohnungen So finanzieren die Deutschen ihre Immobilien

110.000 Euro nahmen die Deutschen 2016 im Schnitt für den Kauf oder Bau einer Immobilie auf - deutlich mehr als noch zwei Jahre zuvor. Das geht aus einer Umfrage der Bundesbank und der Finanzaufsicht BaFin hervor.

Neubaugebiet (Archivbild)
DPA

Neubaugebiet (Archivbild)


Häuser und Wohnungen sind begehrt wie selten zuvor in Deutschland. Um rund 50 Prozent sind die Preise laut Bundesbank zwischen 2010 und 2016 gestiegen. Und auch das Kreditvolumen hat seitdem in jedem Jahr kontinuierlich zugenommen. Hauptgrund sind die historisch niedrigen Zinsen.

Die Bundesbank und die Finanzaufsicht BaFin wollten wissen, wie die Finanzinstitute mit diesen Niedrigzinsen klarkommen - und hat dazu insgesamt 1555 kleine und mittelgroße Banken und Sparkassen befragt. Aus den Ergebnissen lässt sich auch ablesen, wie sich die Immobilienfinanzierung seit der letzten Umfrage 2014 verändert hat. (Klicken Sie auf die jeweiligen Schaltflächen der Grafik, um die Konditionen zu sehen.)

So lag die durchschnittliche Größe eines Immobilienkredits 2016 mit 110.000 Euro fast 20 Prozent höher als zwei Jahre zuvor - darin spiegeln sich die gestiegenen Immobilienpreise. Zugleich ist der Zinssatz von 2,4 Prozent auf 1,7 Prozent gesunken. Verändert hat sich auch die Dauer der Zinsbindung: Von knapp acht auf knapp neun Jahre. Die Deutschen sichern sich also die Niedrigzinsen für einen zunehmend längeren Zeitraum.

Die Daten geben nicht alle in Deutschland vergebenen Immobilienkredite wider, weil große Banken von der Umfrage ausgenommen waren. Dadurch dürften gerade in Großstädten, wo die Immobilienpreise besonders hoch sind, viele Finanzierungen nicht erfasst worden sein. Außerdem wurden auch solche Kredite berücksichtigt, die nicht zum Kauf, sondern nur zur Modernisierung einer Immobilie verwendet wurden.

Was die Kreditwürdigkeit der Kunden angeht, sehen die Banken trotz des Booms keine Anzeichen für eine Verschlechterung. Allerdings seien die sogenannten Beleihungsausläufe zwischen 2014 und 2016 bei 36 Prozent der befragten Institute gestiegen. Darunter versteht man das Verhältnis von Darlehenssumme zum Beleihungswert des Hauses oder der Wohnung. Mit anderen Worten: Die Kredite werden im Vergleich zum Immobilienwert, der als Sicherheit dient, immer größer.

Die Finanzaufseher verstehen das zumindest als Warnzeichen: "Wir sehen aktuell keine Immobilienpreisblase, die uns Sorgen bereiten müsste", sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. "Wohl aber lautet das Gebot, wachsam zu sein." Die Banken und Sparkassen seien "tendenziell bereit, höhere Risiken einzugehen".

stk



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Seite 1
muellerthomas 30.08.2017
1.
"So lag die durchschnittliche Größe eines Immobilienkredits 2016 mit 110.000 Euro fast 20 Prozent höher als zwei Jahre zuvor - darin spiegeln sich die gestiegenen Immobilienpreise. Verändert hat sich auch die Dauer der Zinsbindung: Von knapp 8 auf knapp 9 Jahre. Die Deutschen sichern sich also die Niedrigzinsen für einen zunehmend längeren Zeitraum." Ne, so eifnach lassen sich diese Durchschnittszahlen vermutlich nicht interpretieren. Das sind ja nicht nur Kredite für Neubauten/Bestandskäufe, sondern auch Refinanzierungen bei. Die gestiegene Zinsbindung könnte auch einfach auf mehr neue Kredite mit einer üblichweise langen Zinsbindung zurückzuführen sein, während Refinanzierungen teils nur noch für 5 Jahre abgeschlossen werden. Das Gleiche gilt für das Volumen. Das mag auch die höheren Preise widerspiegeln, zum Teil aber auch einfach die vermehrte Aufnahme von Krediten für Neubauten und damit den geringeren Anteil an Refinanzierungen.
midastouch 30.08.2017
2.
Zitat von muellerthomas"So lag die durchschnittliche Größe eines Immobilienkredits 2016 mit 110.000 Euro fast 20 Prozent höher als zwei Jahre zuvor - darin spiegeln sich die gestiegenen Immobilienpreise. Verändert hat sich auch die Dauer der Zinsbindung: Von knapp 8 auf knapp 9 Jahre. Die Deutschen sichern sich also die Niedrigzinsen für einen zunehmend längeren Zeitraum." Ne, so eifnach lassen sich diese Durchschnittszahlen vermutlich nicht interpretieren. Das sind ja nicht nur Kredite für Neubauten/Bestandskäufe, sondern auch Refinanzierungen bei. Die gestiegene Zinsbindung könnte auch einfach auf mehr neue Kredite mit einer üblichweise langen Zinsbindung zurückzuführen sein, während Refinanzierungen teils nur noch für 5 Jahre abgeschlossen werden. Das Gleiche gilt für das Volumen. Das mag auch die höheren Preise widerspiegeln, zum Teil aber auch einfach die vermehrte Aufnahme von Krediten für Neubauten und damit den geringeren Anteil an Refinanzierungen.
Sehe ich auch so. 110.000€ im Schnitt erscheint mir doch arg wenig, wenn man davon ausgeht, dass die meisten Leute wohl die von den Banken proklamierten 20% Eigenkapital mitbringen. Die Immobilien, die mit einem Durchschnittsdarlehen von 110.000€ finanziert würden, würden dann durchschnittlich nur knapp 140.000€ kosten (mal der Vereinfachung halber alle Kaufnebenkosten weggelassen). Welche Immobilien sollen dass denn sein?
muellerthomas 30.08.2017
3.
Zitat von midastouchSehe ich auch so. 110.000€ im Schnitt erscheint mir doch arg wenig, wenn man davon ausgeht, dass die meisten Leute wohl die von den Banken proklamierten 20% Eigenkapital mitbringen. Die Immobilien, die mit einem Durchschnittsdarlehen von 110.000€ finanziert würden, würden dann durchschnittlich nur knapp 140.000€ kosten (mal der Vereinfachung halber alle Kaufnebenkosten weggelassen). Welche Immobilien sollen dass denn sein?
In vielen Regionen bekommt man dafür sogar Eigentumswohnungen für Singles, Paare oder auch für Familien mit einem Kind, aber wenn das der Durchschnitt ist, müssten ja entsprechend viele Darlehen noch darunter liegen. Und dabei muss berücksichtigt werden, dass es uner 50.000 eher schwierig werden dürfte, ein Immobiliendarlehen zu erhalten. Die Zahlen lassen mich vermuten, dass ein Großteil der Kredite Refinanzierungen darstellen. Und selbst dann kommen mit die Zahlen erstaunlich niedrig vor.
cosifantutte 30.08.2017
4. So ist das mit den Durchschnittswerten
110000 pro Darlehen heisst in der Realität: Mindestens die Hälfte der Käufer finanziert nicht oder kaum, die andere Hälfte hat garantiert mehr als 200.000 Euro am Bein.
jowitt 30.08.2017
5. @midastouch
Zitat von midastouchSehe ich auch so. 110.000€ im Schnitt erscheint mir doch arg wenig, wenn man davon ausgeht, dass die meisten Leute wohl die von den Banken proklamierten 20% Eigenkapital mitbringen. Die Immobilien, die mit einem Durchschnittsdarlehen von 110.000€ finanziert würden, würden dann durchschnittlich nur knapp 140.000€ kosten (mal der Vereinfachung halber alle Kaufnebenkosten weggelassen). Welche Immobilien sollen dass denn sein?
Nun, das ist nunmal so mit einem "Durchschnitt". In mittelgroßen Städten erhalten sie ne kleine Eigentumswohnung bereits für unter 70.000 €. Das ist auch eine Immobilie.
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