Nach Mietendeckel-Aus Berliner Mietspiegel steigt um 1,1 Prozent

Nachdem das Bundesverfassungsgericht den Mietendeckel in der Hauptstadt gekippt hat, wird Wohnen für viele Berlinerinnen und Berliner teurer. Der neue Mietspiegel liegt bei bis zu 13 Euro je Quadratmeter.
Hochhäuser in der Leipziger Straße: Wohnen wird teurer

Hochhäuser in der Leipziger Straße: Wohnen wird teurer

Foto: Christoph Söder / picture-alliance / dpa

Der Berliner Mietendeckel ist Geschichte. Für die 1,4 Millionen Berliner Wohnungen gilt nun wieder ein Mietspiegel. Verglichen mit der letzten Ausgabe von 2019 liegen die Werte durchschnittlich 1,1 Prozent höher. Die Durchschnittsmiete beträgt demnach 6,79 Euro kalt je Quadratmeter, sieben Cent mehr als vor zwei Jahren.

Dem Zahlenwerk wurden diesmal keine Marktdaten, sondern der bundesweite Verbraucherpreisindex zugrunde gelegt. »Das Land nutzt durch die Veröffentlichung eines qualifizierten Mietspiegels konsequent den im Bundesrecht bestehenden Spielraum, um Mieterhöhungsmöglichkeiten zu begrenzen«, sagte Senator Sebastian Scheel (Linke).

Der Mietendeckel, mit dem der Senat die Mieten eingefroren hatte, war im April durch das Bundesverfassungsgericht für nichtig erklärt worden. Im Mietspiegel können Vermieter und Mieter nachsehen, welche Kaltmiete höchstens zulässig ist. Formell anerkannt haben den neuen Mietspiegel nur die Mieterverbände. Die Vermieter haben aber beratend mitgewirkt.

Mietervertreter erwarten viele Streitigkeiten vor Gericht

Vermieter können eine Mieterhöhung alternativ auch mit einem Gutachten oder drei vergleichbaren Wohnungen begründen. Immer wieder greifen Eigentümer den Mietspiegel gerichtlich an. »Wir rechnen mit vielen Mieterhöhungen, mit denen die Mietspiegelwerte überschritten werden sollen, und zahlreichen gerichtlichen Auseinandersetzungen«, teilte der Berliner Mieterverein mit.

»Wir gehen davon aus, dass unsere rund 140 Berliner Mitgliedsunternehmen sich wie gewohnt an ihn halten«, erklärte dagegen der Verband Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen. Auch Berlins größter privater Vermieter, die Deutsche Wohnen, bekannte sich dazu. »Um der aktuellen Situation mit Blick auf die Coronapandemie und dem Urteil zum Mietendeckel Rechnung zu tragen, haben wir uns zudem entschieden, im laufenden Jahr keine Mieterhöhungen umzusetzen«, kündigte Vorstandsmitglied Lars Urbansky an.

Der Mietspiegel gilt nicht für Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Reihenhäusern. Ausgenommen sind auch Wohnungen, die seit 2018 bezugsfertig wurden, Sozialwohnungen sowie Unterkünfte mit WC außerhalb der Wohnung.

Die Spanne der ortsüblichen Vergleichsmiete im neuen Mietspiegel reicht je nach Lage, Größe und Ausstattung von 5,51 Euro je Quadratmeter für einfache, mittelgroße Wohnungen in Nachkriegsbauten bis hin zu 13,03 Euro in jüngeren Häusern. In Neuverträgen darf die Miete nach dem bundesweiten Gesetz zur Mietpreisbremse höchstens zehn Prozent darüber liegen.

Im Durchschnitt 158 Interessenten in einer Woche bei Bestandswohnungen

Im ersten Vierteljahr verlangten Berliner Vermieter nach einer Auswertung des Portals Immobilienscout24 durchschnittlich 13,76 Euro für Neubauwohnungen, im Bestand waren es 10,01 Euro. Die Nachfrage ist groß: Beim Angebot einer Bestandswohnung meldeten sich durchschnittlich 158 Interessenten pro Woche, im Neubau waren es 29.

Seit dem Mietendeckel-Urteil werden wieder etwas mehr Berliner Wohnungen inseriert. Ob das den Wohnungsmarkt etwas entspanne, lasse sich aber noch nicht sagen, teilte das Unternehmen mit.

Und noch eine Tendenz zeichnet sich ab: Seit der Mietendeckel weg ist, verlangen Vermieter mehr. Durchschnittlich etwa 90 Cent oder sieben Prozent seien es pro Quadratmeter, so Immobilienscout24. Das Portal wertete nur seine eigenen Inserate aus. Nicht berücksichtigt sind etwa Wohnungen, die vor allem große Vermieter und Makler über ihre Wartelisten direkt vergeben oder die anderswo annonciert wurden.

mic/dpa