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Verrenten statt vererben Wie Sie Ihr Haus zu Geld machen und trotzdem weiter bewohnen können

"Eat your brick", iss deine Ziegelsteine, nennen die Amerikaner und Briten die Immobilienverrentung. Nun setzt sich das Modell auch in Deutschland durch.
aus DER SPIEGEL 3/2020
Rentnerin W.: "Alles ging ruckzuck"

Rentnerin W.: "Alles ging ruckzuck"

Foto: Florian Generotzky/ DER SPIEGEL

Um die Aussicht aus ihrer Vierzimmerwohnung in der Münchner Perfallstraße wird Alexandra W. oft beneidet. Zur einen Seite blickt die 74-Jährige auf das Prinzregentenbad neben dem prächtigen Theater, zur anderen schaut sie über das weitläufige Gelände des Krankenhauses Rechts der Isar. Klar, dass die Dame unbedingt in ihrer Eigentumswohnung bleiben wollte, als sie vor einigen Jahren in den Ruhestand ging.

Doch die Rente der ehemaligen Einzelhandelskauffrau passte nicht recht zu ihrem Lebensstil. "Ich reise einfach so gern", sagt sie. Alexandra W. befand sich im klassischen Seniorendilemma: Sie bewohnt eine wertvolle Eigenimmobilie, hat aber zu wenig Geld flüssig, um sich ein vergnügliches Leben zu machen. Ein Umzug in eine kleinere Wohnung war auch kein gangbarer Weg bei den exorbitant hohen Münchner Immobilienpreisen. Das Problem schien unlösbar. Bis die Rentnerin vor zwei Jahren auf einen Zeitungsartikel über die Firma Degiv Gesellschaft für Immobilienverrentung stieß. Das 2015 gegründete Start-up hilft Senioren, die eigenen vier Wände zu versilbern, ohne sie verlassen zu müssen, so verspricht es die Werbung. W. rief an. "Danach ging alles ruckzuck", sagt sie.

Der Makler der Degiv schleuste an einem Besichtigungstermin ein halbes Dutzend Interessenten durch die 100 Quadratmeter große Vierzimmerwohnung. Den Zuschlag erhielt ein italienischer Patentanwalt. Lediglich 400.000 Euro bezahlte er für die als doppelt so wertvoll eingeschätzte Immobilie aus den späten Sechzigerjahren. Für den Schnäppchenpreis nimmt er in Kauf, dass die bisherige Eigentümerin die Wohnung bis an ihr Lebensende nutzen und sie sogar weitervermieten kann, wenn sie in ein Pflegeheim muss. Erst nach ihrem Tod hat der Käufer freies Zugriffsrecht.

Den Verkaufserlös hat die alte Dame in Form einer Sofortrente angelegt – abzüglich rund 3,6 Prozent des Kaufpreises, den die Degiv für die Vermittlung kassierte. Sie lässt sich monatlich 2200 Euro auszahlen, zusätzlich zu ihrer gesetzlichen Rente. Nun kann sie reisen, bis das Geld aufgebraucht ist, und wohnt trotzdem weiter wie bisher. Stirbt sie, ist die Immobilie weg. Aber was soll's? Sie hat keine Erben.

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