"Immunstärkende Wirkung" Danone ändert Actimel-Werbung

Danone zieht mehrere Anträge bei der europäischen Aufsichtsbehörde zurück, mit denen es die angeblich gesundheitsfördernde Eigenschaft des Produkts Actimel bestätigen lassen wollte. In einigen Ländern ändert der Konzern bereits seine Werbung - ein Zusammenhang bestehe aber nicht.
Verbraucheraktion gegen Danone (März 2009): Werbung in Europa "anpassen"

Verbraucheraktion gegen Danone (März 2009): Werbung in Europa "anpassen"

Foto: Andreas Gebert/ picture-alliance/ dpa

Paris - Für Danone ist es ein empfindlicher Rückschlag: Der weltgrößte Joghurthersteller will seine beiden Verkaufsschlager Actimel und Activia nicht mehr überall so bewerben wie bisher.

Der französische Konzern zog bei der europäischen Aufsichtsbehörde seine Anträge zurück, mit denen die angeblich gesundheitsfördernden Eigenschaften der beiden Produkte bestätigt werden sollten. Er behielt sich zwar vor, den offiziellen Stempel zu einem späteren Zeitpunkt einzuholen. In Frankreich und Großbritannien verzichtet das Unternehmen jedoch bereits darauf, die angeblich verdauungsfördernde und immunstärkende Wirkung anzupreisen.

Konkret stoppte Danone in Frankreich und Großbritannien Anzeigen und Spots zu den Gesundheitsaspekten. Auf den Produkten selbst blieben die Aufdrucke erhalten. Finanzvorstand Pierre-André Térisse teilte am Donnerstag mit, der Konzern werde seine Werbung in Europa weiter "anpassen".

Danone Deutschland hingegen ändert seine Werbung laut einem Sprecher nicht. "Was wir sagen, können wir beweisen, und wir stehen dazu", sagte ein Unternehmenssprecher. "Wir ändern in Deutschland die Werbung nicht."

Der Sprecher wies außerdem darauf hin, dass die Art und Weise der Werbung schon immer von Kultur zu Kultur unterschiedlich gewesen sei. "Auch in Österreich werben wir anders als in Deutschland." Der Sprecher betonte außerdem, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem zurückgezogenen Antrag bei der europäischen Aufsichtsbehörde und der geänderten Werbung in Frankreich und Großbritannien gebe.

In der Branche waren zuletzt Zweifel aufgekommen

Danone begründete seinen Schritt am Donnerstag damit, dass unklar sei, welche Unterlagen die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zur Prüfung der beworbenen Eigenschaften brauche. Die beiden Produkte brachten dem Konzern im vergangenen Jahr 3,7 Milliarden Euro ein und damit ein Viertel des weltweiten Umsatzes.

Zuletzt waren in der Branche Zweifel darüber aufgekommen, ob sich die angepriesenen Eigenschaften bei einer Prüfung durch die EFSA tatsächlich belegen ließen. Die Behörde prüft auf Basis eines Gesetzes aus dem Jahr 2006 Tausende solcher Produktbeschreibungen auf deren tatsächliches wissenschaftliches Fundament. Die Erkenntnisse werden schließlich von der EU-Kommission verwendet, die dann eine Entscheidung trifft. Im Juli hatte die EFSA bestätigt, dass der Danacol-Joghurt von Danone hilft, den Cholesterinspiegel zu senken.

Würden Actimel und Activia bei der Bewertung durchfallen, könnte das Experten zufolge verheerende Folgen für das Image von Danone sowie die Verkäufe haben. Viel werde auch von der Berichterstattung in den Medien darüber abhängen, sagte Oddo-Securities-Analyst Pierre Tegner.

Finanzchef Terisse sagte, ein neuerlicher Antrag bei der EFSA hänge davon ab, ob die Behörde ihre Anforderungen bei Gesprächen am 1. Juni kläre. Der Zulassungsprozess ist bislang alles andere als geradlinig verlaufen. Schon im April 2009 hatte das Unternehmen einmal seinen Antrag für die beiden Joghurts zurückgezogen. Auch damals gab es Unklarheiten über erforderliche Unterlagen. Neue Anträge hatte Danone dann Ende 2009 und Anfang 2010 eingereicht.

Britische Werbeaufsicht stoppte Actimel-Fernsehspot

Das Unternehmen wirbt damit, dass eine "nur in Actimel enthaltene" Joghurtkultur bei täglichem Verzehr - sowie "im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung und einer gesunden Lebensweise" - helfe, die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers "zu stärken".

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hatte vor einem Jahr kritisiert, dass die Werbung von Danone "ein großes probiotisches Märchen" sei. Der Trinkjoghurt stärke das Immunsystem nur ähnlich gut wie ein herkömmlicher Naturjoghurt, sei aber viermal so teuer und enthalte doppelt so viel Zucker.

Danone hatte daraufhin erklärt, es sei in über 30 wissenschaftlichen Studien belegt, dass das Produkt die Abwehrkräfte aktiviere; nicht nur das hauseigene Forschungszentrum in Paris, auch unabhängige Forschungsinstitute hätten diese Studien erstellt. Dies bestritten die Verbraucherschützer auch nicht. Danone suggeriere dem Verbraucher jedoch, dass Actimel "als einziges Produkt" die Abwehrkräfte stärke.

In Großbritannien hatte die Werbeaufsicht im Oktober mehrere Werbespots für Actimel im Fernsehen gestoppt, weil die Behauptungen des Lebensmittelkonzerns zur gesundheitsfördernden Wirkung nicht erwiesen seien.

wal/Reuters/AFP
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