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Deutsche Eier, dringend gesucht

Foto: Holger Hollemann/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Import-Flut Deutsche Eier, dringend gesucht

Bunt, rund, lecker: Jetzt stehen Ostereier wieder überall auf dem Frühstückstisch. Doch nur jedes zweite Ei ist made in Germany. Grund ist das Verbot der Käfighaltung in Deutschland - der europäische Hühnermarkt ändert sich radikal.
Von Julia Kimmerle

Berlin - Um über das deutsche Ei zu sprechen, ist Ostern ein guter Zeitpunkt. Pünktlich vor den Feiertagen fand der Präsident des Bauernverbands Gerd Sonnleitner denn auch starke Worte: Der Rückgang der heimischen Eierproduktion sei "dramatisch". Nur rund die Hälfte der verzehrten Eier stamme noch aus Deutschland. Der Rest: Importware.

Zahlen, die der Branchendienst MEG bestätigt: Bei den sogenannten "Konsumeiern", also Eiern in der Schale, ging der Anteil der heimischen Produktion im vergangenen Jahr auf 58,8 Prozent zurück, 2000 lag er noch bei 75 Prozent.

Mit einem mangelnden Appetit auf Eier hat das nichts zu tun, im Gegenteil. Laut Europäischer Marketing Agentur (EMA) legte der Pro-Kopf-Verbrauch von Hühnereiern im vergangenen Jahr zu: 211 Stück verzehrte jeder Deutsche im Schnitt, drei mehr als im Jahr davor. Eigentlich müssten sich die Bauern also freuen.

Doch das können nicht alle. Das Verbot von Legebatterien führte zu dramatischen Produktionseinbußen. Der Landesbauernverband Niedersachsen geht davon aus, dass 2009 nur knapp zehn Milliarden Eier produziert wurden, rund 934 Millionen weniger als im Vorjahreszeitraum. In den Tagen vor Ostern musste sich der Einzelhandel daher mit Eiern aus dem Ausland eindecken.

"Wir sind unterversorgt mit Eiern"

"Durch die neue Hennenhaltungsverordnung wurden viele kleinere Betriebe zum Aufgeben gezwungen - das sind Marktanteile, die nicht mehr zu ersetzen sind", klagt Bernd Diekmann, der Vorsitzende des Bundesverbands Deutsches Ei e.V. "Wir sind unterversorgt mit Eiern aus deutscher Produktion."

Das Statistische Bundesamt registrierte Ende 2009 nur noch 1111 Betriebe, die mehr als 3000 Hennen hielten, gut sechs Prozent weniger als im Jahr zuvor. Und das, obwohl es für die Umstellung staatliche Unterstützung gab. Alleine in Brandenburg wurden der Umbau von Ställen und die technische Umrüstung mit 80 Millionen Euro unterstützt.

In Deutschland begrüßten Tierschützer die neue Gesetzgebung. Dabei führt das Batterieverbot - eine vorgezogene EU-Regelung - zu seltsamen Verhältnissen in Europa.

Zwar haben es Freilandhennen in Deutschland nun tatsächlich besser. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel haben sie bei gutem Wetter vier Quadratmeter Auslauffläche zur Verfügung. Für Hühner in Bodenhaltung müssen die Ställe so gebaut sein, dass die Sonne auch wirklich auf alles Federvieh scheint. Und selbst Käfighühner leben in Deutschland mittlerweile komfortabler. Statt der Käfige nach EU-Norm gibt es hierzulande die "Kleingruppenhaltung". 40 bis 60 Tiere leben dabei zusammen, haben abgedunkelte Nester zur Eiablage, einen Einstreubereich und erhöhte Sitzstangen.

Das Problem: Keine hundert Kilometer weiter, hinter der holländischen Grenze sieht man die Dinge etwas anders. Im Gegensatz zu Deutschland hält sich Holland an den Terminplan der EU, und der sieht vor, die Batteriehaltung erst 2012 abzuschaffen. Was die Hühner dort mit Sicherheit nicht so glücklich macht wie ihre Besitzer. Denn als größter Eierproduzent Europas profitieren derzeit vor allem niederländische Geflügelhalter von der deutschen Regelung - Einzelhandel und Supermarktketten deckten sich vor allem in Holland ein, um die deutschen Produktionsausfälle zu kompensieren: "Die Niederländer lachen sich ins Fäustchen - und werden die Batteriehaltung bis zum letzten Tag durchziehen", sagt Bernd Diekmann.

"Nur wenige Vorteile für das Huhn"

Tierschützer interpretieren die wirtschaftlichen Folgen des Batterieverbots anders: "Die Legehennenhalter hätten schon in den vergangenen Jahren an der steigenden Nachfrage nach Eiern aus Freiland- und Biohaltung erkennen müssen, dass eine Umstellung unausweichlich kommt. Doch diese Signale wurden nicht wahrgenommen - und jetzt wundern sich die Halter, wenn sie Marktanteile verlieren", sagt die BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning.

In der Tat stieg die Nachfrage nach Bio-Eiern in den vergangenen Jahren kontinuierlich, der größte Biosupermarkt in Deutschland, Alnatura, geht von jährlichen Zuwachsraten um die 20 Prozent aus. Gleichzeitig nahm die Zahl der Betriebe mit ökologischer Erzeugung im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt um 24,4 Prozent zu. Die Zeiten, in denen einem Huhn weniger als die Fläche eines Aktendeckels zur Verfügung stand, sind in Deutschland damit wohl vorbei.

Und auch europaweit tut sich etwas. So könnte das EU-Parlament noch in diesem Jahr einer Verordnung zustimmen, der zufolge Backwaren und Nudeln ebenfalls gekennzeichnet werden müssen, die mit Legebatterie-Eiern zubereitet wurden. "Dann haben die Kunden die Wahl, sich gegen Käfighaltung zu entscheiden", sagt Benning. "Und Käfighalter könnten sich schon einmal auf einen weiteren Verlust von Marktanteilen einstellen."