Inflation 2011 Teure Energie treibt Verbraucherpreise in die Höhe

Heizöl, Benzin und Gas sind 2011 deutlich teurer geworden. Weil Energiekonzerne die Preise erhöhten, ist die Inflation auf den höchsten Wert seit drei Jahren gestiegen - sie zog um 2,3 Prozent an.

Heizöllieferung: Viele Arbeitnehmer mussten Reallohnverluste hinnehmen
DPA

Heizöllieferung: Viele Arbeitnehmer mussten Reallohnverluste hinnehmen


Wiesbaden - Die schwächelnde Konjunktur hat für Verbraucher auch eine gute Seite: Produkte des täglichen Bedarfs verteuern sich derzeit nicht mehr so stark wie bei hohem Wirtschaftswachstum. Im Dezember kosteten Waren und Dienstleistungen laut Statistischem Bundesamt im Schnitt 2,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat - im November hatte die Inflation noch bei 2,4 Prozent gelegen.

Insgesamt betrug die Inflationsrate 2011 genau 2,3 Prozent, das war mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr, als die Preise im Schnitt um 1,1 Prozent gestiegen waren. Vor allem Preiserhöhungen der Energiekonzerne seien für die relativ starke Inflation verantwortlich gewesen, erklärten Statistiker.

Für das kommende Jahr rechnen Ökonomen mit einer schwächeren Teuerung. Die Bundesbank geht von einer Inflationsrate von 1,8 Prozent aus. "Seit Mitte 2011 zeigt sich, dass der Inflationsdruck nachlässt - vor allem deswegen, weil die Phase des sehr hohen Wirtschaftswachstums vorbei ist", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Wenn der aktuelle Konflikt um die wichtigste Ölhandelsroute der Welt allerdings eskaliert, könnte der Ölpreis explodieren und die Inflation trotz der schwachen konjunkturellen Lage weit höher ausfallen als bislang erwartet, erklärt Krämer: "Sollte Iran tatsächlich die Straße von Hormus dichtmachen, haben wir bei den Teuerungsraten ruckzuck eine Drei vor dem Komma."

Die Löhne sind in diesem Jahr trotz niedriger Arbeitslosigkeit nur leicht gestiegen. Das bedeutet, dass die Inflation bei vielen Arbeitnehmern im dritten Quartal die steigenden Einkommen übertraf - etwa in der öffentlichen Verwaltung, bei Banken und Versicherungen, im Gastgewerbe und beim Handel. In diesen Branchen konnten die Beschäftigten unterm Strich also weniger Waren und Dienstleistungen von ihrem Geld kaufen als im Vorjahr.

fdi/Reuters/dpa



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joychen 29.12.2011
1. Nicht mehr bezahlbar
Die Steigerung der Energiepreise ist für den Normalverbraucher bald nicht mehr bezahlbar. Ich bin nicht gegen eine Energiewende. Aber dieses Hauruckverfahren wird dazu führen, dass die Unruhe in der Bevölkerung wächst. Vor allem der Mittelstand wird immer stärker belastet.
ralfbb 29.12.2011
2. hola
mit der kommenden strom und gaspreiserhoehung im naechsten jahr duerfte dann erstmal so richtig "freude" bei vielen aufkommen!
marc0815 30.12.2011
3. nur die Energiepreise
dieses Märchen erzählt man seit 10 Jahren der Euroeinführung. Wie schafft man es die Infaltionsrate so grandios niedrig auf 1-3% zu rechnen? Jeder der vor und nach Euro-Einführung in den letzten zehn JAhren einkaufen war, kann sich selbst ausrechnen wie hoch die Infaltion wirklich ist. Und im Einkaufskorb ist keine Energie! Kennt jemand den Warenkorb für die Infaltionsberechnung, kann jmd mal einen link posten, ich würde mir den gern mal anschauen.
SpitzensteuersatzZahler 30.12.2011
4. Erst lesen, dann posten
Zitat von marc0815dieses Märchen erzählt man seit 10 Jahren der Euroeinführung. Wie schafft man es die Infaltionsrate so grandios niedrig auf 1-3% zu rechnen? Jeder der vor und nach Euro-Einführung in den letzten zehn JAhren einkaufen war, kann sich selbst ausrechnen wie hoch die Infaltion wirklich ist. Und im Einkaufskorb ist keine Energie! Kennt jemand den Warenkorb für die Infaltionsberechnung, kann jmd mal einen link posten, ich würde mir den gern mal anschauen.
Sehr wohl ist im offiziellen Warenkorb zur Inflationsberechnung Energie enthalten. Sie fließt zu 59,82 Promille ein. Über die Höhe kann man sich natürlich streiten. Bei einem Verdienst von z. B. 1200 Euro macht dann der Energieanteil nur gute 70 Euro aus. Ich kenne keinen mit etwa diesem Verdienst, der von 70 Euro Strom und Heizmedien bezahlen kann. Den Warenkorb mit all seinen Kuriositäten können Sie hier beziehen: www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Preise/Verbraucherpreise/WarenkorbWaegungsschema/Waegungsschema,property=file.pdf Ich habe ihn gestern mal komplett durchgeschaut und es ist vieles drin, aber m. E. falsch proportioniert. Man sollte vielleicht verschiedene Warenkörbe zusammenstellen. Das Prekariat konsumiert ja immerhin auch komplett anders als die oberen 10%.
marc0815 30.12.2011
5. erst denken dann antworten!
Zitat von SpitzensteuersatzZahlerSehr wohl ist im offiziellen Warenkorb zur Inflationsberechnung Energie enthalten. Sie fließt zu 59,82 Promille ein. Über die Höhe kann man sich natürlich streiten. Bei einem Verdienst von z. B. 1200 Euro macht dann der Energieanteil nur gute 70 Euro aus. Ich kenne keinen mit etwa diesem Verdienst, der von 70 Euro Strom und Heizmedien bezahlen kann. Den Warenkorb mit all seinen Kuriositäten können Sie hier beziehen: www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Preise/Verbraucherpreise/WarenkorbWaegungsschema/Waegungsschema,property=file.pdf Ich habe ihn gestern mal komplett durchgeschaut und es ist vieles drin, aber m. E. falsch proportioniert. Man sollte vielleicht verschiedene Warenkörbe zusammenstellen. Das Prekariat konsumiert ja immerhin auch komplett anders als die oberen 10%.
danke erstmal für den Link! Mit "Einkaufskorb" meinte ich den Einkaufskorb im Supermarkt und nicht den offiziellen "Warenkorb", an dem jeder Verbraucher für sich ablesen kann, wieviel vor 10 Jahren für 50 DM drin war uns wieviel heute für 25 Euro drin sind. Der Kaufkraftverlust ist deutlich größer als die offiziellen Inflationsraten. Energiekostensteigerung sind in diesem "Einkaufskorb" noch garnicht enthalten. Bereinigt man die offizielle Inflationsrate um den Energiekostenanstieg, käme ungefähr heraus, dass garnichts teurer wird. Das spiegelt leider die Realität überhaupt nicht wieder.
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