Novemberprognose Bundesbank erwartet sechs Prozent Inflation

Die deutsche Wirtschaft leidet unter Materialengpässen und der dramatischen Coronalage. Die Bundesbank blickt pessimistisch in die Zukunft – und sagt für Verbraucher weiter steigende Preise voraus.
An der Zapfsäule (Symbolbild): Die Spritpreise sind derzeit ein wichtiger Faktor für die Teuerung

An der Zapfsäule (Symbolbild): Die Spritpreise sind derzeit ein wichtiger Faktor für die Teuerung

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Die Inflationsrate ist in Deutschland so hoch wie seit Jahrzehnten nicht und die Verbraucherpreise dürften nach Einschätzung der Bundesbank weiter kräftig zulegen. Die Zentralbank rechnet in ihrem aktuellen Monatsbericht  mit einem Anstieg auf knapp sechs Prozent noch im November – und damit, dass es der Wirtschaft insgesamt wieder schlechter geht.

Die Bundesbank bezieht sich bei ihrer Inflationsprognose auf einen erwarteten Sprung des harmonisierten Verbraucherpreisindexes, den die EZB für ihre Geldpolitik heranzieht. Vergleichbare Teuerungsraten hatte das Statistische Bundesamt zuletzt 1992 nach dem nur für deutsche Zwecke gemessenen Verbraucherpreisindex ermittelt. Im Oktober dieses Jahres hatten vor allem gestiegene Energiepreise die Inflation getrieben.

Einen Teil des Anstiegs der Verbraucherpreise führt die Bundesbank auf Sondereffekte wie die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer in Deutschland wegen der Coronakrise von Sommer 2020 an zurück. Seit Beginn dieses Jahres gelten wieder die alten Steuersätze.

Der Sondereffekt aus der Mehrwertsteuer entfällt von Januar 2022 an. »Dann sollte die Inflationsrate spürbar zurückgehen, obwohl die kräftig gestiegenen Marktnotierungen für Erdgas vermutlich zum Großteil erst nach dem Jahreswechsel an die Verbraucher weitergegeben werden«, schreibt die Notenbank.

Durchschnittlicher Konsum je Haushalt und Monat fällt auf 2507 Euro

Die Experten rechnen noch damit, dass die Teuerungsrate in den folgenden Monaten des kommenden Jahres nach und nach abnimmt. »Sie könnte aber noch für längere Zeit deutlich über drei Prozent bleiben.« Zuvor hatte auch die Chefin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde gewarnt, dass die Inflation in Europa länger andauern könnte als gedacht.

Angesichts dieser Lage blickt die Bundesbank kritisch auf Pläne der Ampelpartner, den Mindestlohn gegen Ende des Jahres 2022 auf zwölf Euro je Stunde zu erhöhen. Dies hätte »nicht zu vernachlässigende Ausstrahlungseffekte« auf die darüber liegenden Lohngruppen, erläuterte die Bundesbank. »Auch hierdurch dürfte sich der Lohndruck künftig verstärken.« Dahinter steht die Sorge vor einer Spirale aus steigenden Preisen und steigenden Löhnen, für die Ökonomen bislang noch keine Anzeichen sehen.

Die wirtschaftlichen Verwerfungen aufgrund der Coronapandemie wie Lieferengpässe sowie die vielerorts steigenden Infektionszahlen lasten nach Einschätzung der Bundesbank zum Jahresende stärker auf der Wirtschaft als gedacht. »Die wirtschaftliche Erholung wird voraussichtlich zunächst eine Verschnaufpause einlegen«, schrieb die Notenbank. Das Bruttoinlandsprodukt könnte im vierten Quartal stagnieren.

Im Sommer war Europas größte Volkswirtschaft nach vorläufigen Daten noch um 1,8 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal gewachsen. Dazu hatte vor allem die Konsumlust der Verbraucher beigetragen. Nach Einschätzung der Bundesbank ist der Wachstumsschub, der nach dem Ende vieler Corona-Beschränkungen vom Dienstleistungssektor ausging, zunächst aber wohl weitgehend ausgelaufen.

Einige Coronamaßnahmen wurden angesichts steigender Infektionszahlen zudem wieder verschärft. Zugleich dürfte die Industrie auch im vierten Quartal unter Lieferengpässen leiden und damit das gesamtwirtschaftliche Wachstum dämpfen. Ein positiver Wachstumsimpuls geht nach Einschätzung der Notenbank vom Baugewerbe aus.

Im Coronajahr 2020 waren die monatlichen Konsumausgaben der privaten Haushalte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken auf durchschnittlich 2507 Euro. Shutdowns und Begrenzungen der Personenzahl zum Beispiel in Freizeit- und Dienstleistungseinrichtungen führten demnach zu einem Rückgang.

Insgesamt sieht die Bundesbank im gesamten Winterhalbjahr Risiken durch ein verstärktes Pandemiegeschehen. »Nach derzeitigem Stand dürften die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen aber weniger gravierend ausfallen als in früheren Pandemiewellen.«

apr/dpa
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