Inflation Bundesregierung und Bürger erwarten steigende Preise

Das Leben wird teurer – davon gehen laut einer Umfrage die meisten Bürger aus. Das Wirtschaftsministerium hält vorübergehend Inflationsraten um drei Prozent für möglich.
Einkaufswagen in Berlin: Die meisten Verbraucher orientieren sich an Preisen im Supermarkt

Einkaufswagen in Berlin: Die meisten Verbraucher orientieren sich an Preisen im Supermarkt

Foto: Fabian Sommer / dpa

Die Bundesregierung rechnet mit einem weiteren Anziehen der Inflation in Deutschland. »In der zweiten Jahreshälfte ist aufgrund eines Basiseffektes wegen der temporären Senkung der Umsatzsteuersätze ein Jahr zuvor sogar mit Raten um die drei Prozent zu rechnen«, heißt es im Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums.

Auch die große Mehrheit der Sparer in Deutschland stellt sich auf weiter steigende Preise ein. 89 Prozent gehen davon aus, dass die Preise in der zweiten Jahreshälfte anziehen werden. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage unter 500 Finanzentscheidern in privaten Haushalten im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment hervor.

Zwar glaubt die Mehrzahl (66 Prozent), dass sich dies nur leicht bemerkbar macht. »Der Anteil derer, der mit stark steigenden Preisen rechnet, erreicht mit 23 Prozent jedoch im Vergleich zu den Vorjahren ein neues Maximum«, heißt es in dem Bericht.

»Das Ende der Coronapandemie ist in Sicht, die damit einhergehenden Lockerungen beflügeln die Konjunktur und sorgen für erhöhten Preisdruck«, sagte der Geschäftsführer bei Union Investment, Giovanni Gay. »Diese Sondereffekte dürften 2022 allerdings wieder nachlassen. Wir erwarten, dass die Inflationsrate dann auf ein moderates Niveau sinken wird.«

Bei ihrer Einschätzung orientieren sich die meisten Befragten an dem, was sie für ihre regelmäßigen Einkäufe im Supermarkt zahlen (83 Prozent). Jeweils etwa zwei Drittel machen ihre Meinung auch an den Immobilien- und Mietpreisen (68 Prozent) sowie den Benzinpreisen (66 Prozent) fest. Mehr als die Hälfte entnimmt ihr Bild zur Preisentwicklung der Berichterstattung in den Medien. 37 Prozent ziehen die Entwicklung ihres eigenen Guthabens zurate.

Im Mai war die Teuerungsrate auf 2,5 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit annähernd zehn Jahren. Der Grund waren vor allem höhere Energiepreise. Nach Auslaufen der Sondereffekte sollte sich der Preisdruck aber laut Wirtschaftsministerium zu Beginn des kommenden Jahres wieder deutlich verringern. »Eine nachhaltige Erhöhung der Teuerungsrate ist aus heutiger Sicht nicht zu erwarten, denn aktuell sind keine Anzeichen einer Lohn-Preis-Spirale zu beobachten, die zu dauerhaft hoher Inflation führen kann.«

dab/Reuters