Gefühlte Teuerung bei null Prozent Deutsche spüren keine Inflation mehr

Angst vor Teuerung ist in Deutschland eigentlich ein Dauerthema. Doch erstmals seit fünf Jahren nehmen die Bürger keine steigenden Preise mehr wahr - die gefühlte Inflation ist auf null Prozent gesunken.

Supermarkt-Szene: Verbraucher spüren keine Preissteigerung mehr
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Supermarkt-Szene: Verbraucher spüren keine Preissteigerung mehr


Berlin - Sie ist zwar auf einem extrem niedrigen Stand, doch laut Statistikern gibt es in Deutschland noch Inflation. An den Verbrauchern allerdings gehe der Mini-Preisauftrieb inzwischen fast gänzlich vorbei, berichtet die Großbank Unicredit. Die von ihr ermittelte gefühlte Inflation rutschte im November auf 0,0 Prozent ab, während die offiziellen Daten des Statistischen Bundesamtes einen Anstieg um 0,6 Prozent ausweisen.

Dass die Preise in der Wahrnehmung der Verbraucher in Deutschland nicht mehr steigen, gab es laut Unicredit zuletzt während der Finanzkrise vor fünf Jahren. Für die aktuelle Entwicklung seien vor allem sinkende Energiepreise verantwortlich. "Dahinter steckt der kräftige Einbruch der Ölpreise, in dessen Gefolge sich Kraftstoffe deutlich verbilligt haben", sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von Unicredit Chart zeigen, Andreas Rees.

Da Öl im Dezember nochmals deutlich günstiger geworden ist, dürfte die gefühlte Inflation am Jahresende sogar im negativen Bereich landen und auch Anfang 2015 dort bleiben. "Das hat es seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr gegeben", sagte Rees. In den Jahren nach der Finanzkrise hatten stetig steigende Energie- und Lebensmittelpreise die gefühlte Inflation zeitweise auf fünf Prozent getrieben.

Der Unterschied zwischen gefühlter Inflation und amtlicher Teuerungsrate kommt zustande, weil Unicredit die Waren und Dienstleistungen nach Kaufhäufigkeit gewichtet. Benzin und mehr noch Obst, Gemüse sowie andere Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke gehören zum täglichen Einkauf. Dadurch fallen Verbrauchern die Preisveränderungen hier viel stärker auf als bei selten gekauften Gütern wie Spülmaschinen oder Computern.

In die Unicredit-Berechnung fließen die Kraftstoffpreise mit zehn Prozent und Nahrungsmittel mit 27 Prozent ein, in die amtliche Statistik nur mit rund vier Prozent beziehungsweise gut zehn Prozent. Auch Nahrungsmittel dämpfen die Inflation derzeit: Sie kosteten im November im Schnitt genauso viel wie ein Jahr zuvor.

mmq/Reuters



insgesamt 96 Beiträge
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bonngoldbaer 15.12.2014
1. Keine Ahnung
Ich weiß nicht, was andere Leute fühlen. ich brauche mir nur die Speisekarte in der Kantine anzusehen, um zu bemerken, dass die Inflation sehr real ist.
Progressor 15.12.2014
2. Was will man uns damit sagen?
Über die amtliche Inflationsstatistik kann man ein Ei wie nur was schlagen. Da man aber die Inflationsrate braucht um das (reale) BIP zu berechnen, kann man das auch vergessen. Insofern ist es immer witzig, wenn die Ökonomen das BIP auf zehntel Prozent genau für das nächste Jahr vorhersagen. Diese Genauigkeit kann man nicht mal im Nachhinein erreichen.
auf_dem_Holzweg? 15.12.2014
3. sagen wir es mal so...
die deutliche Überteuerung ALLER Produkte in Europa kommt nun langsam zum Stillstand. Das ist freie Marktwirtschaft und sollte nun nicht beweint werden. Ein paar Jahre Preisstabilität und wir sind auf einem weltweit ausgeglichenen Preisniveau. Gut so, auch wenn Merkel, Co und Banken das fürchten. Weg ist der Profit der einzelnen - aber es ist gut für alle und damit für die Gemeinschaft. Es gibt keinen Grund, warum Textiliten, Sportartikel und besonders Technoligie sowohl in komplett Asien als auch komplett USA bis zu 50% billiger sind - bei gleicher Qualität, ja bei den gleichen Produkten desselben Herstellers! Und das seit Jahrzehnten! Wenn wir nun mal ein paar Jahre zwar keine Zinsen für unser Geld bekommen, dafür aber keine Preissteigerung von bis zu 5 (teilweise ja 100% in einem Jahr - wir erinnern uns an die Euro-Einführung zum Thema Benzin) hinnehmen müssen dann haben wir Verbraucher doch gewonnen. Die künstlich hochgetriebenen Europa-Preise sind bald Geschichte und damit wird der Euro vielleicht auch zum ersten Mal wettbewerbsfähig - falls er sich solange hält.
Amadís 15.12.2014
4.
Aja, nachdem die offizielle Inflationsrate schon so hingewurstelt wird, dass sich keiner aufregt, wird jetzt die 'gefühlte Inflationsrate', die der realen Inflation sehr viel näher kommt als offizielle Zahlen, auch noch zurechtgemauschelt.
eulenspiegel1979 15.12.2014
5. Woher nur ...
kommen immer diese dubiosen Erhebungen und Statistiken? Nur weil das Benzin ausnahmsweise man wieder günstiger geworden ist, fühle ich mich nicht weniger gemolken. Was ich an einer Stelle spare (Benzin), muss ich an anderer Stelle draufzahlen (steigende Sozialversicherungsbeiträge). Meine gefühlte Inflation ist unverändert hoch und das nicht erst seit gestern, sondern seitdem ich eigenes Geld verdiene - mittlerweile also seit 20 Jahren.
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