Hohe Energiepreise EU-Kommission erwartet für 2022 Rekordinflation

Wegen der extrem gestiegenen Preise für Gas, Öl und Sprit rechnet die EU-Kommission bei der Teuerung mit einem historischen Höchstwert. In diesem Jahr könnte die Inflation im Euroraum demnach bei 7,6 Prozent liegen.
Zapfpistolen an Tankstelle in Hamburg

Zapfpistolen an Tankstelle in Hamburg

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Die durch den Ukrainekrieg enorm verschärfte Energiekrise dürfte in diesem Jahr zu einem Inflationsrekord im Euroraum führen. Die EU-Kommission rechnet für 2022 mit einer Teuerungsrate von durchschnittlich 7,6 Prozent. Das geht aus der Sommer-Konjunkturprognose der Brüsseler Behörde hervor. Bei ihrer Frühlingsprognose im Mai war die Kommission noch von 6,1 Prozent Inflation für die Länder des gemeinsamen Währungsraums ausgegangen.

In der gesamten EU – also einschließlich der Mitgliedstaaten ohne den Euro als Währung – wird in diesem Jahr eine Preissteigerung von 8,3 Prozent erwartet. Im Frühjahr hatte die Kommission noch mit 6,8 Prozent gerechnet. Im kommenden Jahr soll sich die Inflation der Prognose zufolge etwa halbieren, auf durchschnittlich vier Prozent im Euroraum und 4,6 Prozent in der EU.

Pessimistische Aussichten

Beim Wirtschaftswachstum geht die EU-Kommission nach wie vor davon aus, dass die EU-Wirtschaft 2022 um 2,7 Prozent wachsen wird. Im Euroraum werden 2,6 Prozent Wachstum erwartet – etwas weniger verglichen mit den im Mai vorhergesagten 2,7 Prozent. Für das kommende Jahr korrigierte die Kommission ihre Vorhersagen allerdings deutlich nach unten. Sie geht von 1,5 Prozent Wachstum in der gesamten EU und 1,4 Prozent im Euroraum aus. Im Mai sprachen die Ökonomen noch von 2,3 Prozent sowohl in der EU als auch in der Eurozone. Grund für die pessimistischeren Aussichten ist unter anderem die angespannte Lage an den Energiemärkten.

Tatsächlich decken sich die Prognosen mit den Erwartungen zahlreicher Volkswirte weltweit. Ökonomen rund um den Globus erwarten bis in die Mitte dieses Jahrzehnts eine hohe Inflation. Im laufenden Jahr rechnen 663 vom Münchner Ifo-Institut und dem Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik befragte Volkswirte im Schnitt mit einer Teuerungsrate von 7,7 Prozent. Für 2023 und 2026 liegen die Schätzungen bei weltweit durchschnittlich 6,2 beziehungsweise 4,5 Prozent, wie das Ifo-Institut mitteilte. »Die Inflation ist weltweit gekommen, um zu bleiben«, sagte Ökonom Niklas Potrafke.

Die Inflation in Europa ist dabei im internationalen Vergleich eher maßvoll. Eine besonders starke Teuerung von mehr als 20 Prozent erwarten die befragten Volkswirte in Südamerika, Nord- und Ostafrika sowie West- und Zentralasien. Im weltweiten Vergleich seien die Inflationserwartungen in Nord- und Mittelamerika sowie weiten Teilen Europas mit unter zehn Prozent niedrig. Die zwei Institute befragen für ihren vierteljährlichen »Economic Experts Survey« Volkswirte in mehr als 100 Ländern.

fdi/dpa
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