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05. Januar 2015, 14:08 Uhr

Sinkende Ölpreise

Inflation auf niedrigstem Stand seit fünf Jahren

Die Verbraucherpreise in Deutschland steigen im Schnitt kaum noch, die Inflationsrate lag im Dezember bei 0,2 Prozent - so niedrig wie zuletzt in der Wirtschaftskrise 2009. Hauptgrund ist der Fall des Ölpreises.

Wiesbaden/Berlin - Der dramatisch gefallene Ölpreis lässt die Inflation in Deutschland nahe null sinken. Wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte, lag die Teuerungsrate im Dezember nur noch bei 0,2 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit Oktober 2009, als die Verbraucherpreise im Jahresvergleich überhaupt nicht mehr stiegen. Im November hatte die Teuerungsrate noch bei 0,6 Prozent gelegen.

Auch auf das gesamte Jahr gesehen erreichte die Inflation einen Fünf-Jahres-Tiefstand: 2014 stiegen die Verbraucherpreise um 0,9 Prozent. Im Jahr 2009 lag der entsprechende Wert bei 0,3 Prozent.

In einigen Bundesländern stagnierten die Preise im Dezember im Jahresvergleich regelrecht. In Nordrhein-Westfalen etwa lag die Inflationsrate bei gerade mal 0,1 Prozent.

Hauptgrund für die schwache Preisentwicklung ist der dramatisch gesunkene Ölpreis. Er ist in den vergangen sechs Monaten um rund die Hälfte auf den tiefsten Stand seit Anfang 2009 gefallen. Das schlägt auch auf die Verbraucherpreise durch, weil Heizöl und Benzin deutlich billiger geworden sind.

Für die Europäische Zentralbank (EZB) ist die niedrige Inflation ein Warnsignal. Sie strebt eigentlich stabile Preise an, was für die Notenbanker eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent bedeutet. Diese Marke ist allerdings in weite Ferne gerückt.

Kauft die EZB nun Staatsanleihen?

Die EZB versucht bereits seit längerem gegenzusteuern: Ultraniedrige Zinsen, langfristige Billigkredite an die Banken und der Aufkauf von gebündelten Unternehmenskrediten sollen die Kreditvergabe in Schwung bringen und so die Wirtschaft beleben. Dann, so die Hoffnung, würden automatisch auch die Preise wieder stärker steigen.

Doch bisher zeigen die Maßnahmen kaum Wirkung. EZB-Chef Mario Draghi und sein Chefvolkswirt Peter Praet haben deshalb bereits angedeutet, bald womöglich auch Staatsanleihen am Markt aufzukaufen - ein umstrittenes Vorhaben, gegen das sich vor allem die deutschen Vertreter im EZB-Rat wehren. Sie vermuten darin eine verdeckte Finanzierung von Krisenstaaten.

Entscheidend könnte sein, wie sich die Inflation in der gesamten Eurozone entwickelt. Neue Daten zum Dezember sind für diesen Mittwoch angekündigt. Weil die Preise in einigen Staaten wie Spanien oder Griechenland zuletzt sogar gefallen sind, dürfte die Inflation im Euroraum insgesamt noch niedriger liegen als in Deutschland. "Es ist gut möglich, dass die Inflationsrate im Euroraum unter null rutscht", sagt Ökonom Holger Sandte von der Nordea Bank. "Damit stiege die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die EZB am 22. Januar den Ankauf von Staatsanleihen ankündigt."

Ähnlich sieht das Analystin Jennifer McKeown von Capital Economics. "Erstmals seit Oktober 2009 könnte die Inflationsrate im Euroraum negativ sein", sagte die Expertin. Diese Entwicklung würde es für die EZB nahezu unvermeidlich machen, auf ihrer ersten Zinssitzung im neuen Jahr am 22. Januar den Kauf von Staatsanleihen zu beschließen.

stk/Reuters

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