Reallohn-Minus Inflation frisst Lohnwachstum auf

Die erheblichen Preissprünge treffen viele Bürger hart: 2021 sind die Reallöhne in Deutschland deshalb das zweite Jahr in Folge gesunken. Und 2022 droht noch mehr Ungemach.
Derzeit absoluter Preistreiber: Kraftstoffe

Derzeit absoluter Preistreiber: Kraftstoffe

Foto: IMAGO/Rupert Oberhäuser

Viele Firmen suchen in Deutschland händeringend Mitarbeiter – und können sie kaum finden. Vielerorts schlägt sich das bereits bei den Tarifabschlüssen nieder, die Arbeitnehmer können kräftigere Lohnerhöhungen durchsetzen als früher. Und dennoch ist die Kaufkraft der Bürger 2021 gesunken.

Die hohe Inflation von im Schnitt gut 3,1 Prozent hat im vergangenen Jahr den – eigentlich ansehnlichen – Anstieg der Löhne komplett aufgezehrt. Die Nominallöhne stiegen 2021 um knapp 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte und damit seine vorläufigen Angaben von Mitte Februar bestätigte. Unter dem Strich sanken die Reallöhne damit um 0,1 Prozent (die vollständige Auswertung des Statistischen Bundesamts finden Sie hier ).

Der Rückgang der Reallöhne ist bereits der zweite in Folge. Im ersten Coronakrisenjahr 2020 trug laut Statistischem Bundesamt vor allem der vermehrte Einsatz von Kurzarbeit zur negativen Entwicklung bei. Der Reallohnrückgang lag bei 1,1 Prozent.

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2022 könnte noch schlimmer werden

Im zweiten Coronakrisenjahr 2021 wurde – bedingt durch die zunehmende Lockerung der Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie – weniger Kurzarbeit in Anspruch genommen. Die bezahlte Wochenarbeitszeit normalisierte sich wieder, das führte zu höheren Bruttomonatsverdiensten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die hohe Inflation allerdings, die im vergangenen Jahr den höchsten Stand seit 1993 erreichte, fraß den Zuwachs wieder auf.

In diesem Jahr könnte nun ein weiterer Reallohnverlust bevorstehen, da die Inflationsrate zuletzt weiter anstieg und im Februar 5,1 Prozent erreichte, angetrieben vor allem durch die hohen Energiepreise. Verschärft wird die Situation aktuell durch die Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine. Wirtschaftsforscherinnen und -forscher hoben ihre Inflationsprognosen für 2022 deshalb zuletzt deutlich an – so hatte etwa am Mittwoch das Münchner ifo-Institut eine Spanne 5,1 bis 6,1 Prozent prognostiziert; im Dezember waren noch 3,3 Prozent erwartet worden.

beb/dpa
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