Stark gestiegene Verbraucherpreise Inflation im Euroraum auf höchstem Stand seit fast zehn Jahren

Die Preise im Euroraum steigen derzeit so schnell wie seit Jahren nicht mehr. Erstmals seit Ende 2011 liegt die Teuerungsrate bei drei Prozent.
Im vergangenen Jahr waren Güter günstiger, eine Nebenwirkung der Coronakrise (Symbolbild)

Im vergangenen Jahr waren Güter günstiger, eine Nebenwirkung der Coronakrise (Symbolbild)

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Die Inflation im Euroraum ist im August weiter gestiegen – und hat den höchsten Stand seit fast zehn Jahren erreicht. Die Verbraucherpreise seien gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent gestiegen, teilte das Statistikamt Eurostat mit. Das ist der höchste Wert seit Ende 2011.

Im Juli hatte die Rate 2,2 Prozent betragen. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg auf 2,7 Prozent gerechnet.

Besonders stark verteuerte sich im August erneut Energie, die 15,4 Prozent teurer war als ein Jahr zuvor. Industriegüter verteuerten sich um 2,7 Prozent, Lebens- und Genussmittel kosteten 2,0 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dienstleistungen waren 1,1 Prozent teurer.

Inflation in Deutschland so stark wie seit 1993 nicht mehr

Die Kernteuerung ohne Energie und Lebensmittel zog ebenfalls deutlich an. Sie erhöhte sich von 0,7 auf 1,6 Prozent. Die Kerninflation gilt vielen Ökonomen als zuverlässigere Messgröße für die Teuerung, da sie in der Regel weniger stark schwankt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt eine Inflation von zwei Prozent an. Diese Rate wird gegenwärtig klar überschritten. Allerdings will die EZB nicht gegensteuern, weil sie den Inflationsanstieg als temporär erachtet. Sie verweist auf zahlreiche Sondereffekte, die überwiegend auf die Coronakrise zurückgehen.

Im vergangenen Jahr waren viele Güter extrem günstig – eine Nebenwirkung der Coronakrise. Um den Konsum anzukurbeln, hatte die Bundesregierung zudem die Mehrwertsteuer befristet vom 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020 gesenkt.

Seit Januar 2021 gelten wieder die regulären Mehrwertsteuersätze, Waren und Dienstleistungen werden also tendenziell wieder teuer. Der Vorjahresvergleich überzeichnet aber die tatsächliche Preisdynamik. Diese Effekte dürften in den kommenden Monaten auslaufen.

In Deutschland ist die Inflation im August auf den höchsten Stand seit fast 28 Jahren geklettert. Waren und Dienstleistungen waren im August durchschnittlich 3,9 Prozent teurer als im Vorjahresmonat, teilte das Statistische Bundesamt am Montag zu seiner ersten Schätzung mit. Einen stärkeren Preisauftrieb gab es zuletzt in der Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung – im Dezember 1993 mit damals 4,3 Prozent.

hej/dpa
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