Rekordwert Inflation in der Eurozone steigt auf 4,9 Prozent

Noch nie seit Bestehen des gemeinsamen Währungsraums war die Teuerung so hoch: Die Inflation im Euroraum ist auf 4,9 Prozent geklettert. Ökonomen sehen dennoch Zeichen der Entspannung.
Hohe Energiepreise treiben die Inflation

Hohe Energiepreise treiben die Inflation

Foto: Carsten Koall / dpa

Es ist das bislang höchste Niveau seit Beginn der Erfassung im Jahr 1997: Die Verbraucherpreise in der Eurozone legten im Jahresvergleich um 4,9 Prozent zu, wie das europäische Statistikamt Eurostat nach einer ersten Schätzung mitteilte. Stärkster Preistreiber ist Energie.

Die Inflation liegt mehr als doppelt so hoch wie das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die mittelfristig eine Rate von 2,0 Prozent als optimalen Wert für die Wirtschaft anpeilt. Auch im Oktober hatte die Inflation mit 4,1 Prozent deutlich über dieser Zielmarke gelegen. Volkswirte hatten für November nur mit einer Rate von 4,5 Prozent gerechnet.

Energie war mit 27,4 Prozent der stärkste Preistreiber. Ohne Energie und unverarbeitete Lebensmittel läge die Inflation im November insgesamt nur bei 2,6 Prozent. Diese sogenannte Kernrate wird von vielen Ökonomen als verlässliches Inflationsmaß angesehen.

Unverarbeitete Lebensmittel verteuerten sich um 1,9 Prozent, Industriegüter ohne Energie um 2,4 Prozent. Dienstleistungen kosteten 2,7 Prozent mehr.

Die EZB bewertet die Entwicklung als vorübergehend und rechnet im kommenden Jahr mit rückläufigen Inflationsraten. Leitzinserhöhungen hat die EZB bisher nicht signalisiert.

Auch für Deutschland haben Statistiker einen Rekordwert bei der Inflation vermeldet. Im November hatten sich Waren und Dienstleistungen um 5,2 Prozent zum Vorjahresmonat verteuert. Das ist die höchste Teuerungsrate seit fast 30 Jahren, die vor allem auf höhere Energiepreise, coronabedingte Lieferengpässe und Sondereffekte wie die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung zurückgeht.

Notenbanker, Ökonomen und Finanzmärkte blicken derzeit genau auf die Entwicklung der Löhne. Sie suchen nach Hinweisen darauf, ob eine Spirale aus stark steigenden Verbraucherpreisen und Löhnen in Gang kommt, bei der sich die aktuell hohe Inflation verfestigen könnte.

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, verwies auf Zahlen der EZB, wonach die Tariflöhne im dritten Quartal 2021 so schwach gestiegen sind wie noch nie seit Gründung des gemeinsamen Währungsraumes. »Die gesamten Nominallöhne gingen sogar im Jahresvergleich zurück. Damit fehlt es an nötiger Substanz für eine Lohn-Preis-Spirale im kommenden Jahr«, schreibt Gitzel in einer Analyse.

Die Inflationsrate sollte deshalb das vorläufige Hoch erreicht haben. »In den kommenden Monaten, insbesondere im ersten Halbjahr 2022, sollte die Teuerung merklich fallen«, schreibt der Ökonom.

Auch in Deutschland zeigen Zahlen, dass die Verdienststeigerungen von Tarifbeschäftigten zuletzt mit der Inflation nicht Schritt halten konnten.

mmq/Reuters/dpa
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