Inflation und Russlandkrise Konsumklima stürzt auf Rekordtief

Wegen der steigenden Preise und des Krieges in der Ukraine halten viele Bürger ihr Geld zusammen: Der GfK-Konsumklimaindex ist auf den tiefsten Wert gefallen, der jemals gemessen wurde.
Verbraucher beim Einkauf (in Aschaffenburg): Begnügen sich aktuell eher mit dem Nötigsten

Verbraucher beim Einkauf (in Aschaffenburg): Begnügen sich aktuell eher mit dem Nötigsten

Foto: Andreas Arnold / dpa

Es ist ein sperriger Begriff: Konsumklima. Dahinter verbirgt sich eine Schätzung, wie es um die Zuversicht von Verbrauchern in einer Volkswirtschaft bestellt ist. Oder besser gesagt, um den wirtschaftlich relevanten Teil ihrer Zuversicht: Blicken sie so optimistisch in die Zukunft, dass sie sich auch größere Anschaffungen zutrauen? Oder fürchten sie magere Zeiten und halten ihr Geld zusammen?

Gemessen wird diese Verbraucherstimmung in Deutschland von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Und diese hat derzeit nichts Gutes zu berichten. Das von ihr gemessene Konsumklima in Deutschland ist auf ein Rekordtief gefallen: Der Wert für Juli belief sich auf minus 27,4 Punkte, das waren noch einmal 1,2 Punkte weniger als im ebenfalls bereits schlechten Vormonat Juni.

»Der anhaltende Krieg in der Ukraine sowie unterbrochene Lieferketten lassen vor allem die Energie- und Lebensmittelpreise explodieren und führen dazu, dass sich das Konsumklima so trüb wie noch nie zeigt«, sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl (hier geht es zum GfK-Bericht ). Das Institut misst das Konsumklima seit 1991, hat seither aber noch nie einen so schlechten Wert registriert wie aktuell.

Halten die Bürger ihre Ersparnisse sicherheitshalber zurück?

Vor allem die um knapp acht Prozent erhöhten Lebenshaltungskosten drückten auf die Stimmung, sagte er. Die Kaufkraft schmelze dahin. Die Hoffnung, dass die in der Pandemie angehäuften Ersparnisse in Anschaffungen umgesetzt würden, werde sich vermutlich nicht erfüllen. »Wenn für Energie und Lebensmittel von den privaten Haushalten deutlich mehr gezahlt werden muss, stehen entsprechend weniger finanzielle Mittel, vor allem für größere Anschaffungen, zur Verfügung«, heißt es in einer Mitteilung der GfK. Dadurch werde die Binnenkonjunktur auch in den kommenden Monaten leiden.

Bürkl forderte die Europäische Zentralbank zu einer maßvollen Geldpolitik auf. Die Inflation müsse zurückgedrängt werden. Allerdings dürfe auch die Konjunktur nicht durch zu große Zinssprünge abgewürgt werden.

beb/Reuters
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