Inflation Ver.di und Verbraucherschützer verlangen Ausgleich für steigende Preise

Energie wird teurer – und viele andere Produkte auch. Den Preisanstieg beim Gas werten Verbraucherschützer als »besorgniserregend«. Auch Ver.di fordert einen Lohnausgleich mit Blick auf die anstehende Tarifrunde.
Flamme auf einem Gasherd in Brandenburg (Archivbild)

Flamme auf einem Gasherd in Brandenburg (Archivbild)

Foto: Z1022 Patrick Pleul/ dpa

Angesichts der hohen Inflationsrate will die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di in den kommenden Tarifverhandlungen »deutlich spürbare Reallohnsteigerungen« erreichen. Diese seien notwendig, damit die Beschäftigten und ihre Familien den Preisanstieg auffangen könnten, sagte der Ver.di-Vorsitzende Frank Werneke dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

»Da die Preissprünge etwa für Lebensmittel, Energie und Benzin insbesondere Menschen mit geringeren und mittleren Einkommen betreffen, beinhalten unsere Tarifforderungen Mindestbeträge, die die Lohnsteigerungen für diese Beschäftigten überdurchschnittlich wirken lassen«, so Werneke weiter.

Die Verbraucherpreise in Deutschland stiegen im September verglichen mit dem Vorjahresmonat um 4,1 Prozent. Gründe dafür waren vor allem höhere Energiekosten und die nach einer Senkung wieder angehobene Mehrwertsteuer. Durch eine sogenannte Lohn-Preis-Spirale können sich Inflation und Lohnforderungen gegenseitig verstärken.

Der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans warnte vor Panikmache. Vor einem Jahr seien die Energiepreise durch Corona sehr stark gesunken, jetzt wirke der Anstieg umso stärker. Das löse »zusammen mit der ausgelaufenen Mehrwertsteuersenkung verständlicherweise eine große Verunsicherung aus, auch wenn die durchschnittliche Preissteigerung wesentlich geringer ist«, sagte Walter-Borjans dem RND. Dennoch nehme er die Sorgen vor allem über steigende Gaspreise sehr ernst.

Diese nahmen Verbraucherschützer zum Anlass, mehr Hilfe für einkommensschwache Haushalte zu fordern. »Steigende Preise sollte man abfedern, indem das Wohngeld für Haushalte mit niedrigem Einkommen aufgestockt wird«, sagte Thomas Engelke vom Dachverband Verbraucherzentrale Bundesverband der »Welt«. »Im Fall von Haushalten, die kein Wohngeld bekommen, muss die Regierung alles tun, dass bei ausbleibenden Zahlungen keine Gassperren verhängt werden und die Menschen im Kalten sitzen.«

Der Preisanstieg beim Gas sei »besorgniserregend«, sagte Engelke. »Die Großhandelspreise für Gas haben sich in den vergangenen zwölf Monaten verdreifacht. Es ist auch für Privatkunden im kommenden Jahr mit weiteren, deutlichen Preissteigerungen zu rechnen.« Besorgniserregend sei auch die mangelnde Versorgungssicherheit.

»Inwiefern gestiegene Großhandelspreise bei den Endkunden ankommen, ist noch nicht klar«, sagte die energiepolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Julia Verlinden, der Zeitung. Die Bundesregierung müsse jetzt bei den Versorgern klären, welche Preisentwicklung ab Januar 2022 zu erwarten seien. »Auf dieser Grundlage kann die Politik schauen, wo es unzumutbare Härten gibt und wo Unterstützung nötig ist.«

FDP sieht »politisches Versagen«

Nach Expertenangaben sind die deutschen Gasspeicher derzeit zu 70 Prozent gefüllt – üblich sind vor Beginn der Heizperiode 90 Prozent. Der Energieexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Johann Saathoff, beruhigte: »Um Versorgungsengpässe in der Zukunft müssen wir uns keine Sorgen machen. Die Europäische Union ist mit großen Importpipelines verbunden, die die Versorgung gewährleisten.« Zudem gebe es eine Vielzahl an Flüssiggas-Terminals, die Erdgas aus der ganzen Welt importieren könnten.

Allerdings zeigen die derzeitigen Lagerbestände laut der FDP eine grundsätzliche Schwachstelle der Gasversorgung in Deutschland. Dass die Speicher nicht rechtzeitig gefüllt worden seien, sei »politisches Versagen«, sagte der energiepolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Martin Neumann, der »Welt«. »Wir brauchen klare Strukturen, wer seitens des Staats dafür zuständig ist und über die Versorgungssicherheit wacht.«

dab/dpa/AFP
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