Preissprünge Warum die Inflation Wohlhabende derzeit (etwas) stärker trifft

Es wirkt paradox: Die anziehenden Preise treffen laut Ifo-Institut gar nicht ärmere Schichten besonders stark – sondern eher Gutverdiener. Ein Grund dafür hat mit dem liebsten Kind der Deutschen zu tun.
Einkaufsstraße in Frankfurt am Main

Einkaufsstraße in Frankfurt am Main

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Die größten Verlierer der Inflation sind die Armen, so lautet eine auch dieser Tage  verbreitete Einschätzung. Allein: So eindeutig lässt sich das gar nicht sagen. Zumindest nicht angesichts des aktuellen Corona-Preisschubs. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse des Ifo-Instituts in München.

Demnach ist es momentan sogar genau andersherum: Besonders gut verdienende Haushalte in Deutschland verlieren im Schnitt durch das Anziehen der Teuerung mehr, als das bei Bürgern mit geringen Einkommen der Fall ist. Laut Ifo-Berechnungen lag die Inflation für Nettoeinkommen über 5000 Euro pro Monat im Oktober bei 4,8 Prozent (hier geht’s zur kompletten Auswertung ).

Bei Haushalten mit weniger als 1300 Euro netto hingegen waren es nur 4 Prozent. Der Durchschnitt insgesamt betrug 4,5 Prozent. »Der Grund ist die Zusammensetzung des Warenkorbs«, sagt Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Genauer gesagt: Wohlhabende geben ihr Geld im Schnitt für andere Güter und Dienstleistungen aus – und genau diese sind zuletzt deutlich teurer geworden.

Inflation weltweit auf dem Vormarsch

So wenden wohlhabendere Haushalte einen deutlich größeren Anteil ihrer verfügbaren Mittel für die Anschaffung von Autos und für Benzin oder Diesel aus. Beide Posten waren zuletzt echte Preistreiber. Der Effekt lässt sich auch in Euro ausdrücken: Würden deutsche Haushalte derzeit die genau gleichen Güter und Dienstleistungen wie im Jahr 2019 nachfragen, müssten die Ärmsten dafür im Schnitt 19 Euro mehr berappen, Einkommen mit 5000 Euro netto hingegen 111 Euro mehr.

Die Inflation ist weltweit im Zuge der Erholung nach der Corona-Rezession deutlich gestiegen. In Deutschland wird der Effekt auch dadurch verstärkt, dass vor einem Jahr die Preise durch die zeitlich befristete Mehrwertsteuer besonders niedrig waren. Hinzu kommen drastische Preissprünge an den Rohstoffmärkten: Heizöl ist mehr als 70 Prozent teurer geworden, Kraftstoffe 28 Prozent.

beb
Mehr lesen über