Preisanstieg Inflation trifft Familien besonders heftig

Die Belastung durch höhere Energiepreise trifft Familien mit Kindern laut einer Studie doppelt so stark wie Alleinstehende, vor allem weil sie anders konsumieren. Auch Geringverdiener leiden besonders unter Inflation.
Aufnahme aus einer Kindertagesstätte in München

Aufnahme aus einer Kindertagesstätte in München

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Die Welle der Preissteigerungen trifft Menschen in Deutschland unterschiedlich stark und hat das Potenzial, die Gesellschaft weiter zu spalten. Die hohe Inflationsrate belastet demzufolge Familien mit geringem Einkommen ganz besonders. Alleinlebende mit hohen Einkünften sind dagegen weniger betroffen.

Das geht aus Untersuchungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Hintergrund ist, dass bei ärmeren Familien die stark verteuerten Güter Energie und Nahrung einen besonders großen Teil der Haushaltsausgaben ausmachen.

Preissprünge bei Energie für Familien doppelt so heftig

Die IMK-Forscherinnen und -Forscher nahmen die für verschiedene Haushaltstypen jeweils repräsentativen Warenkörbe unter die Lupe. Dabei zeigte sich, dass der Warenkorb, der für Familien mit niedrigem Einkommen typisch ist, im Mai 8,9 Prozent teurer war als im Vorjahresmonat. Bei Alleinlebenden mit hohen Einkommen betrug die Steigerung lediglich 6,5 Prozent. Andere Haushaltstypen bewegten sich zwischen diesen Extremen. Die allgemeine Inflationsrate lag im Mai bei 7,9 Prozent.

Im Schnitt waren allein lebende Menschen unterdurchschnittlich von der Teuerung betroffen. Dagegen wurden auch Alleinerziehende und Familien mit zwei Kindern und mittleren Einkommen etwas überdurchschnittlich belastet.

Die stärksten Preistreiber, nämlich Haushaltsenergie, Kraftstoffe und zunehmend auch Lebensmittel machten bei Familien mit zwei Kindern und niedrigem Einkommen 6,6 Prozentpunkte der haushaltsspezifischen Inflationsrate von 8,9 Prozent aus, hieß es. Bei Alleinstehenden mit hohem Einkommen entfielen darauf hingegen nur 3,5 Prozentpunkte von insgesamt 6,5 Prozent haushaltsspezifischer Teuerung.

»Der Preisanstieg bei Wohnenergie belastet Haushalte mit geringeren Einkommen überproportional und auch die Verteuerung der Nahrungsmittel schlägt sich stärker nieder«, erklärten IMK-Direktor Sebastian Dullien und IMK-Inflationsexpertin Silke Tober. Dieser Trend könne sich in den kommenden Monaten weiter verschärfen, da bisher noch nicht alle Preissteigerungen von Haushaltsenergie im Großhandel an die Privathaushalte weitergegeben wurden.

Grundsätzlich hätten Haushalte mit niedrigem Einkommen ein besonderes Problem mit starker Teuerung – denn die Alltagsgüter, die sie vor allem kauften, seien kaum zu ersetzen, erklärten Dullien und Tober weiter. Zudem hätten diese Haushalte kaum Spielräume, ihr Konsumniveau durch Rückgriff auf Erspartes aufrechtzuerhalten.

Die Schere zwischen Gering- und Gutverdienern geht dabei laut der Studie immer weiter auseinander: Der Abstand von 2,4 Prozentpunkten zwischen ärmeren Familien und wohlhabenden Alleinlebenden bei der Haushalts-spezifischen Inflationsrate fiel im Mai laut IMK »deutlich größer« aus als in den Vormonaten. Im Vergleich zum Februar verdreifachte sich der Abstand sogar.

beb/afp
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