Inflation für verschiedene Produkte Was jetzt richtig ins Geld geht – und wo Sie sogar sparen

7,4 Prozent: So hoch war die Inflation im April. Doch Energie und manche Lebensmittel verteuerten sich teils um ein Vielfaches davon – während anderes sogar billiger war als vor einem Jahr. Der Überblick in Grafiken.
Stände mit Obst in Berlin

Stände mit Obst in Berlin

Foto: F. Anthea Schaap / IMAGO

Wer eine Brille trägt, mag sich in den vergangenen Wochen beim Einkauf im Supermarkt gefragt haben, ob es nicht wieder Zeit für einen Besuch beim Optiker wäre. Doch leider sind zahlreiche Preisschilder an den Regalen keine optische Täuschung, sondern Ausdruck einer enormen Teuerung. Einer Teuerung, die die Inflationsrate von zuletzt 7,4 Prozent im April nur unzureichend abbildet.

»Tatsächlich sind viele der normalerweise günstigen Grundnahrungsmittel deutlich teurer geworden«, stellt der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien, auf Twitter fest . »Da kann schnell ein Plus beim Wocheneinkauf (auch und gerade bei Hartz-IV-Haushalten) von 20 % herauskommen, obwohl Nahrungsmittel insgesamt ›nur‹ um 8,6 % teurer sind als vor Jahresfrist.«

Der Blick auf die detaillierten Zahlen, die das Statistische Bundesamt an diesem Mittwoch für die Inflation im April veröffentlicht hat, bestätigt diesen Befund. Einiges – nicht nur Lebensmittel, sondern vor allem auch Energie – hat sich teilweise mit einer um ein Vielfaches höheren Rate verteuert als der gesamte Warenkorb, der der Messung zugrunde liegt. Anderes hingegen ist – teils durchaus überraschend – derzeit sogar günstiger als noch im April 2021. Paprika und Möhren etwa oder auch Kohl und sogar Schokolade. Das zeigt eine willkürliche Auswahl der Preisveränderungen bei verschiedenen Produkten:

Betrachtet man nicht nur die Preisentwicklung im Vergleich zum Vorjahr, sondern über einen längeren Zeitraum, wird deutlich: Bei bestimmten Lebensmitteln sind die derzeitig hohen Preise nicht einmal beispiellos. Butter etwa war auch im Herbst 2017 außergewöhnlich teuer. Damals kostete sie 85 Prozent mehr als im Jahresdurchschnitt 2015 – in diesem April waren es 92,6 Prozent mehr. Brötchen, Vollmilch und Schnittkäse sind hingegen jetzt noch einmal spürbar teurer als in der zwischenzeitlichen Hochpreisphase im Winter 2017/2018.

Etwas anders sieht das Bild bei den Preisen für Energie und Wasser im längerfristigen Vergleich aus. Insbesondere beim Heizöl, aber – auf weit niedrigerem Niveau – auch beim Erdgas sind die aktuellen Preise so außergewöhnlich wie sie sich anfühlen. 115,7 Prozent musste man im April für Heizöl mehr bezahlen als im Jahresschnitt 2015 – und konnte darüber eigentlich noch froh sein, denn im März lag der Preis gar 170 Prozent höher als 2015. Vergleichsweise stabil auf niedrigem Niveau ist die Teuerung hingegen beim Frischwasser, das nun zwölf Prozent mehr kostet als vor sieben Jahren.

Die enormen Anstiege bei den Energiepreisen schlagen sich selbstverständlich auch bei den Kosten für die Mobilität nieder. Sprit ist trotz des leichten Rückgangs im April immer noch 45,8 Prozent (Super) beziehungsweise 72,8 Prozent (Diesel) teurer als 2015. Im Gegensatz dazu sind die Preise für Einzel- und Tageskarten im öffentlichen Nahverkehr zwar stetig gestiegen, aber auch sehr langsam. Sie kosten nun 14,4 Prozent mehr als vor sieben Jahren.

Nicht alles wird – gerade auf lange Sicht – jedoch teurer. Elektrogeräte sind trotz der inzwischen seit Langem andauernden Lieferengpässe infolge der Coronapandemie und insbesondere des Chipmangels meist deutlich günstiger als noch 2015. Für Staubsauger gilt das allerdings nicht, sie kosten derzeit knapp drei Prozent mehr als damals. TV-Geräte hingegen sind nun um ein Drittel günstiger zu haben als vor sieben Jahren. Und selbst Mobiltelefone liegen trotz der deutlichen Verteuerung seit Anfang vergangenen Jahres immer noch auf einem um rund ein Viertel niedrigeren Preisniveau als 2015.

fdi