Jobstatistik Männer mauern, Frauen frisieren

Es klingt nach Klischee, ist aber 2010 immer noch Realität in Deutschland. Auf dem Bau gibt es kaum Frauen, im Kindergarten arbeiten kaum Männer. Eine neue Statistik legt offen, welche Jobs am weiblichsten und welche besonders männlich sind.
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Grafik: Job-Favoriten von Frauen und Männern

Foto: Corbis

Hamburg - Die männlichste Männerdomäne auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist die der Maurer. Nur 0,2 Prozent Frauen haben im vergangenen Jahr in diesem Beruf gearbeitet. Im Klartext: Jeder 500. Beschäftigte auf dem Bau ist weiblich.

Auf den weiteren Spitzenplatzierungen der Männerberufe: allesamt Handwerkerjobs. Schreiner, Metzger, Bäcker.

Unter Erziehern, in der Kosmetikbranche und in der Krankenpflege dominieren dagegen die Frauen. Ihr Anteil liegt bei mehr als 90 Prozent. Auch bei den Gebäudereinigern ist nur jeder neunte Beschäftigte männlich.

Das Statistische Bundesamt hat auf der Basis des Mikrozensus ausgewertet, wie sich die deutschen Berufe in den vergangenen 20 Jahren nach Männern und Frauen entwickelt haben. Fazit: Seit 1991 hat sich kaum etwas getan. Zwar arbeiteten im Jahr 2009 deutlich mehr Frauen - ihr Anteil an den Erwerbstätigen stieg um 4,2 Prozentpunkte auf 45,8 Prozent. Doch die Berufswahl unterscheidet sich nach wie vor enorm, trotz aller Debatten über Gleichberechtigung und Initiativen wie dem "Girls Day".

Im vergangenen Jahr waren 49 Prozent der Männer und 36 Prozent der Frauen in Berufen tätig, die zu mehr als 80 Prozent von Menschen des eigenen Geschlechts ausgeübt wurden. Im Jahr 2000 war es nur geringfügig anders - 52 Prozent der Männer und 34 Prozent der Frauen.

Außer im Handwerk und der Landwirtschaft überwiegt der Anteil der Männer bei Unternehmensleitung- und beratung. In diese Sparte zählen Statistiker unter anderem Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Controller. Bei Unternehmern und Geschäftsführern beträgt der Männeranteil rund 75 Prozent.

Mehr Ärztinnen und Rechtsanwältinnen

Dass die berufliche Gleichberechtigung stockt, begründen die Statistiker mit unterschiedlichen Neigungen durch traditionelle Rollenvorstellungen. Allerdings dürfte auch eine Rolle spielen, dass Frauen es in manchen Jobs nach wie vor schwerer haben als Männer.

Bei den klassischen Frauendomänen Erzieherin, Krankenpflegerin und Friseurin dürfte neben dem Image des Jobs auch die schlechte Bezahlung ein Grund dafür sein, dass sich Männer gegen diese Berufe entscheiden. In weiblich dominierten Berufen gibt es den Statistikern zufolge häufiger niedrige Einkommen, Teilzeit- und 400-Euro-Jobs.

Während Männer in den vergangenen zehn Jahren nur selten typische Frauenberufe angestrebt haben, hat sich der Anteil weiblicher Beschäftigter in einigen Männerdomänen etwas erhöht. Das gilt vor allem für Akademiker: Der Anteil der Rechtsanwältinnen stieg im Vergleich zum Jahr 2000 um neun Prozentpunkte auf 39 Prozent. Bei den Ärzten gab es ebenfalls eine moderate Entwicklung - mit mittlerweile 47 Prozent nähern sich die Medizinerinnen einer ausgeglichenen Verteilung.

cte