Jura kurios Wem gehört eigentlich ein Toter?

Umsonst ist nur der Tod - von wegen! Juristen haben längst alle Phasen des Lebens geregelt, auch die letzte. Aber wem gehört eigentlich der Körper einer verstorbenen Person? Den Erben? Und wie ist es bei einer Leiche wie Ötzi? Die Antwort ist schwieriger, als man denkt.
Unfallleiche: Gehört der tote Körper den Erben? Oder dem Staat?

Unfallleiche: Gehört der tote Körper den Erben? Oder dem Staat?

Foto: dapd

Den Erben

Falsch. Lesen Sie hier, mehr zum Thema.

Es kommt darauf an, wie lange ein verstorbener Mensch schon tot ist

Richtig. Ein kürzlich Verstorbener gehört niemandem, da eine Leiche keine Sache ist. Sind die Persönlichkeitsrechte hingegen schon verblasst, kann Eigentum erworben werden. Lesen Sie hier, was sich hinter diesem Juristensprech verbirgt.

Niemandem

Nicht ganz richtig, denn Moorleichen oder Tote wie "Ötzi" können durchaus Eigentum begründen. Lesen Sie hier, was sich hinter dieser Formulierung verbirgt.

Dem Staat

Falsch. Lesen Sie hier, wann eine Leiche wem gehört.

Die Erklärung

Bereits im ersten Semester lernen Jurastudenten, wem eine Leiche gehört und ob man durch die Wegnahme einer Leiche zum Dieb werden kann. Oft wird dieses Beispiel bemüht, um zu erläutern, wie praxisfern die juristische Ausbildung ist. Denn nach erfolgreichem Abschluss weiß der Student zwar, ob man eine Leiche stehlen kann, hat aber regelmäßig keine Ahnung von wirtschaftlich wichtigen Fragen, etwa den Voraussetzungen einer Unternehmensgründung. Da muss sich die Universität schon fragen lassen: Wie viele Leichen werden jährlich gestohlen und wie viele Unternehmen gegründet?

Gleichwohl: Ganz so fernliegend ist die Frage nach dem Eigentum am menschlichen Körper dann doch nicht. Denn sie entscheidet beispielsweise, ob wir unsere eigenen Organe spenden dürfen oder wem die Gletschermumie "Ötzi" aus der Jungsteinzeit gehört.

Die Leibeigenschaft und die Sklaverei sind abgeschafft. Der Körper eines lebenden Menschen ist keine Sache und steht daher auch in niemandes Eigentum. Anders ist das bei Körperteilen, die vom Körper getrennt sind. Sie sind Sachen, wenn sie endgültig abgetrennt und nicht als Eigenspende (zum Beispiel Eigenblutspende vor einer Operation) verwendet werden. Abgeschnittene Haare, gezogene Zähne oder Organe zur Fremdspende sind also Sachen, an denen Eigentum erworben werden kann. Sie gehören der Person, von der sie stammen.

Man könnte daher denken, dass ein zur Bestattung vorgesehener Leichnam auch eine Sache ist, deren Eigentum an die Erben übergeht. Um dieses etwas pietätlose und unerwünschte Ergebnis zu vermeiden, geht man davon aus, dass das Persönlichkeitsrecht des Verstorbenen auch nach dem Tode noch fortwirkt. Es wird aber immer schwächer, bis es vollkommen verblasst. Erst wenn es mit der Zeit erloschen ist, kann man Eigentum an dem Leichnam erlangen. Man kann also an zu Lehrzwecken präparierten Skeletten, an Mumien, an Moorleichen aus der Eisenzeit, und nicht zuletzt auch an "Ötzi" Eigentum begründen und es übertragen.

Das Gleiche gilt für die plastinierten Leichname, die im Rahmen der Ausstellung "Körperwelten" gezeigt werden.

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