Gestiegene Einkaufspreise Kaffee wird teurer

Der deutsche Kaffee-Marktführer Tchibo erhöht zum 14. Juni die Preise, andere Röster dürften folgen. Das liegt an schlechten Ernteprognosen aus Brasilien – und der wirtschaftlichen Erholung in der Coronakrise.
Der Preis für Kaffee könnte um bis zu einen Euro pro Pfund steigen

Der Preis für Kaffee könnte um bis zu einen Euro pro Pfund steigen

Foto: Soeren Stache/ picture alliance / dpa

Kaffee ist das liebste Getränk der Deutschen, pro Kopf werden hierzulande 168 Liter im Jahr getrunken. Nach jahrelang eher stabilen oder sogar sinkenden Preisen wird der Kaffee nun aber teurer. Verantwortlich sind vor allem schlechte Ernteprognosen des weltweit größten Kaffeeerzeugers Brasilien. Sie treiben seit Monaten die Einkaufspreise für Rohkaffee in die Höhe, zum Beispiel bei Arabica-Bohnen ist der Preis derzeit auf einem Vierjahreshoch.

Der führende deutsche Kaffeeröster Tchibo reagierte, zum 14. Juni sollen die Verkaufspreise je nach Sorte und Herkunftsland zwischen 50 und 100 Cent je Pfund steigen. Der Kaffeeröster hatte die Preise zuletzt zum Jahresbeginn 2017 erhöht, danach aber wegen gesunkener Einkaufspreise mehrfach gesenkt. »Die Preise für Rohkaffees sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Dies gilt insbesondere für hochwertige Arabica-Qualitäten«, lautet die aktuelle Begründung für die Preiserhöhungen.

Als Marktführer verkauft Tchibo seine Produkte über eigene Filialen und Depots unmittelbar an Endverbraucher und kann deshalb auch die Endpreise festlegen. Dadurch gilt Tchibo als einer der wichtigsten Signalgeber für die Verkaufspreise für Kaffee. Andere Kaffeeröster liefern ihre Produkte an den Lebensmitteleinzelhandel, der seinerseits die Endpreise festlegt. Als wichtiger Taktgeber gilt hier Aldi, der Discounter betreibt eigene Röstereien.

Konkurrenz erhöht Kaffeepreis ebenfalls

Auch die Konkurrenz von Tchibo gleicht die Preise für Kaffee an. »Wir haben aufgrund gestiegener Gesamtkosten im Kaffeeeinkauf unsere Fabrikabgabepreise ebenfalls erhöht«, teilte ein Sprecher von Jacobs Douwe Egberts (JDE) auf Anfrage mit.

Die Internationale Kaffeeorganisation ICO berichtete zuletzt in ihrem April-Marktbericht von einer Preisrally inmitten eines erwarteten Produktionsrückgangs. Als zusätzlichen Preistreiber macht die ICO Zeichen für eine wirtschaftliche Erholung nach dem Corona-Rezessionsjahr 2020 aus, die sich auf die Entwicklung des Kaffeeverbrauchs auswirke. Der aus mehreren Sorten zusammengesetzte ICO-Preisindex stieg allein im April um 1,4 Prozent auf durchschnittlich 122,3 US-Cent je Pfund (454 Gramm) – ein Plus von 12 Prozent gegenüber April 2020.

Der Kaffeekonsum in Deutschland liegt sogar noch vor dem von Mineralwasser und Bier und steigt tendenziell. Zwar wurde zuletzt in der Coronapandemie nicht mehr so viel Kaffee außer Haus in Coffeeshops, Cafés oder Bäckereien getrunken. Diesen Effekt haben die Verbraucher in Deutschland aber zu Hause ausgeglichen. Der deutsche Kaffeeverband berichtete unlängst von einem elfprozentigen Plus beim Kaffeekonsum daheim, während der Konsum außerhalb der eigenen vier Wände um 23 Prozent eingebrochen sei.

hba/dpa
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