Maßnahme gegen Preisanstieg USA und weitere Länder zapfen Ölreserven an

In einer konzertierten Aktion haben die USA, China, Indien und weitere Länder Ölreserven freigegeben. Noch vor der offiziellen Verkündung fielen bereits die Preise.
Ölpumpen in Texas

Ölpumpen in Texas

Foto: Tony Gutierrez / AP

Spekuliert wurde seit Tagen, nun ist es öffentlich: Die USA zapfen ihre Ölreserven an. Das bestätigte das Präsidialamt in Washington. 50 Millionen Fässer (ein Fass = 159 Liter) würden zur Verfügung gestellt. Damit soll der starke Preisanstieg abgemildert werden. Der Schritt erfolge in Absprache mit ähnlichen Maßnahmen in China, Indien, Südkorea, Japan und Großbritannien.

Die US-Regierung hatte in den vergangenen Wochen mit diesen Ländern Gespräche über eine konzertierte Aktion geführt. Das Förderkartell Opec und verbündete Produzenten wie Russland haben wiederholte Forderungen der USA zurückgewiesen, ihre Ölförderung schneller auszuweiten, um dem deutlichen Preisanstieg entgegenzutreten.

US-Präsident Joe Biden steht unter anderem wegen gestiegener Preise an den Zapfsäulen und der hohen Inflation unter Druck. Seine Zustimmungswerte in Umfragen sind gesunken.

Seit Tagen hatten Marktteilnehmer über eine abgestimmte Freigabe nationaler Ölreserven spekuliert. Bereits vor der offiziellen Bekanntgabe hatten die Ölpreise nachgegeben.

Am Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 79,27 US-Dollar. Das waren 43 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 75 Cent auf 75,98 Dollar.

Vorräte in Deutschland werden nicht angefasst

Deutschland hat keine Pläne, Vorräte auf den Markt zu geben. Denn die hiesigen Vorräte sind für ernste Versorgungsstörungen gedacht. Genauere Definitionen sind im Erdöl-Bevorratungsgesetz verankert. Danach sind Freigaben unter anderem zulässig zur Verhütung unmittelbar drohender oder zur Behebung eingehender Störungen, Abwehr eines beträchtlichen und plötzlichen Rückgangs der Lieferungen von Erdöl sowie zur Erfüllung von Pflichten der Internationalen Energieagentur (IEA).

Hohe Benzinpreise fallen nicht darunter. »Eine Freigabe darf jedoch nicht das primäre Ziel haben, Preise zu beeinflussen«, heißt es vom Bundeswirtschaftsministerium.

In Deutschland wurden bislang dreimal Ölreserven freigegeben. Hintergrund waren jedes Mal Beschlüsse der Internationalen Energieagentur: Anlässe waren der Golfkrieg 1990/91, die von den Hurrikans »Katrina« und »Rita« 2005 angerichteten Schäden in den USA sowie der Ausfall libyscher Ölexporte im Jahr 2011.

Deutschland hat seit 1966 Mineralölfirmen zum Aufbau einer Reserve verpflichtet. Diese soll das Land für 90 Tage mit Mineralöl und verwandten Produkten versorgen können. Gelagert sind sie vorwiegend in Kavernen in Norddeutschland. Neben Rohöl handelt es sich etwa Flugbenzin, Benzin, Diesel oder Heizöl. Die Kosten werden über eine Umlage auf die Verbraucher finanziert, die etwa 0,3 Cent pro Liter Benzin entspricht.

mmq/Reuters/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.