Schlechte Ernte Kartoffelpreise steigen um mehr als die Hälfte

Wegen der Dürre ist die Kartoffelernte in diesem Jahr deutlich schlechter ausgefallen. Das bekommen Verbraucher im Supermarkt zu spüren: Kartoffeln werden teurer - und haben häufiger kleine Makel.

Kartoffelernte in Baden-Württemberg
DPA

Kartoffelernte in Baden-Württemberg


Die Kartoffelpreise für Verbraucher sind infolge der Dürre um mehr als die Hälfte gestiegen. Derzeit müsse der Kunde im Supermarkt für Kartoffeln in Kleinverpackungen rund 84 Cent pro Kilogramm zahlen, während der Kilo-Preis vor einem Jahr bei 55 Cent gelegen habe. Dies berichtete Christoph Hambloch, Analyst des Agrarmarkt-Informationsdienstes (AMI) in Bonn. Zu weiteren Preissteigerungen könne es im Frühjahr kommen.

Verbraucher müssten sich auch auf ein verstärktes Angebot von optisch nicht ganz einwandfreien Kartoffeln einstellen, die in Jahren mit einer besseren Ernte von den Betrieben aussortiert worden wären. Angesichts der aktuellen Knappheit fänden sich derzeit mehr Knollen mit dunklen Flecken oder Schorfpusteln in den Supermarktregalen.

Keine Engpässe zu befürchten

Bereits im September hatte es Warnungen vor steigenden Preisen gegeben, damals lief die Haupternte noch. Trotz eines Ernterückgangs um 1,5 bis 2,0 Millionen Tonnen in diesem Jahr sind laut AMI aber keine Versorgungsengpässe zu befürchten. Nach dem guten Jahr 2017 könnten viele Betriebe noch auf Überschüsse zurückgreifen. Hinzu kämen verringerte Kartoffelexporte und verstärkte Importe, die vor allem bei Frühkartoffeln im kommenden Jahr zu erwarten seien.

Kartoffelbauern, die trotz der Dürre eine nennenswerte Ernte eingefahren hätten, könnten derzeit von deutlich höheren Preisen profitieren. So hätten sich die Erzeugerpreise von 10 Euro je 100 Kilogramm auf 25 bis 26 Euro weit mehr als verdoppelt.

Zu Problemen könne es bei Landwirten kommen, die ihre Ernte bereits vorab zu festen Preisen vermarktet hätten, sagte Hambloch. Auch bei Weiterverarbeitern wie Schälbetrieben sei die Situation vor allem im Osten Deutschlands teilweise dramatisch.

Im Video: Kartoffeln - Das Geheimnis von Sieglinde, Linda und Co.

SPIEGEL TV

dab/dpa



insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
july1969 19.11.2018
1.
Wäre ok, wenn man nach den üblichen Regeln der Märkte geht. Weniger Angebot, gleiche oder steigende Nachfrage = höherer Preis. Meine Frage dazu wäre nur: Sind die hunderten Millionen die die Bauern aus öffentlichen Kassen für ihre Ernteausfälle erhalten haben eingepreist oder gehen die, zusätzlich zu den Preisanpassungen, On Top in die Kassen der Bauern?
isar56 19.11.2018
2.
Zitat von july1969Wäre ok, wenn man nach den üblichen Regeln der Märkte geht. Weniger Angebot, gleiche oder steigende Nachfrage = höherer Preis. Meine Frage dazu wäre nur: Sind die hunderten Millionen die die Bauern aus öffentlichen Kassen für ihre Ernteausfälle erhalten haben eingepreist oder gehen die, zusätzlich zu den Preisanpassungen, On Top in die Kassen der Bauern?
Das ist eine gute und berechtigte Frage. Außerdem erzählte mir ein Bio-Landwirt, dass er selten so eine gute Ernte einfuhr, wie in diesem Sommer/Herbst. Der baut allerdings nicht über zig Quadratkilometer ausschließlich Mais oder Kartoffeln an.
Andreas1979 19.11.2018
3. an July1969
Ist es besser, die Zuschüsse aus Brüssel für Landwirte zu streichen? Ich denke nicht. Was würde passieren wenn doch? Als erstes würden die meisten Biobauern die Segel streichen, dann der der konventionelle Landwirt und übrig blieben die gewollte industrielle Landwirtschaft mit ganz viel Pestiziden, die auf Gentechnisch veränderten Planten gespritzt werden um eine enorme Effizienz aus den Flächen zu holen. Das nächste wäre, dass wir landwirtschaftliche Flächen aus anderen Ländern noch stärker beanspruchen als jetzt schon, da nicht mehr nur Soja, Mais, Kakao und Kaffee importiert wird sondern Weizen, Kartoffeln usw. denn auf den heutigen Lebensstandard will auch keiner verzichten. Das bedeutet, Südamerikaner haben noch weniger Flächen für die eigene Bevölkerung zur Verfügung.
Fricklerzzz 19.11.2018
4. Ich kaufe Kartoffeln nur beim Bauern oder Grosshändler
Ich dachte auch der Preis würde steigen, aber im Grosshandel macht sich das nicht so bemerkbar. Ich habe mir 30 KG Dicke Kartoffeln (Durchmesser ~ 8-12 cm ) für ~60 Cent/KG gekauft. im Supermarkt sind die Kartoffeln schlecht und teuer, da kaufe ich schon lange nicht mehr.
xc20 19.11.2018
5. Dürrehilfe
Zitat von july1969Wäre ok, wenn man nach den üblichen Regeln der Märkte geht. Weniger Angebot, gleiche oder steigende Nachfrage = höherer Preis. Meine Frage dazu wäre nur: Sind die hunderten Millionen die die Bauern aus öffentlichen Kassen für ihre Ernteausfälle erhalten haben eingepreist oder gehen die, zusätzlich zu den Preisanpassungen, On Top in die Kassen der Bauern?
Vielleicht sollten sie sich zu diesem Thema nochmal genauer informieren. Denn von den zugesagten Hilfen sind bis heute nahezu keine ausgezahlt worden und werden es in Zukunft auch nicht (ohnehin frühestens ab März '19). Die bürokratischen und finanziellen Hürden sind so hoch angelegt, dass jeder vernünftige Landwirt lieber auf einen zusätzlichen Überbrückungskredit zurückgreifen wird, als auf solche Hilfen zu setzten. So gelten zB. nicht die Finanzen des Betriebes als ausschlaggebend, sondern (auch bei Gesellschaften) das Privatvermögen fließt ebenfalls mit ein. Wer den Betrieb also nicht ohnehin schon vor der Dürre an die Wand gefahren hat, der wird auch jetzt keine Hilfen bekommen. Zudem sind besonders für Milchviehhalter die Verluste durch die Dürre kaum nachweisbar, da nur die wenigsten über entsprechende Wiegeeinrichtungen für ihre Gras-/Maisernten auf ihren Betrieben verfügen und somit alle zu veranschlagenden Werte von den Behörden und Ministerien geschätzt werden würden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.