"Kerner" TV-Sendung deckt Bargeld-Klau bei Post auf

Brisantes Testergebnis: Die Redaktion der Sat.1-Sendung "Kerner" verschickte 40 Briefe und Pakete mit Bargeld - bei knapp einem Drittel der Empfänger kamen die Scheine jedoch nicht an. Die Post nennt die Verlustquote "irrwitzig", verspricht aber Aufklärung.
Weihnachtspost: Beliebter Anlass für Bargeld-Sendungen - doch Vorsicht scheint geboten

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Foto: Malte Christians/ dpa

Hamburg - Geburtstage, bestandene Prüfungen, Jubiläen: Es gibt viele Anlässe für Geldgeschenke. Und oft werden die Euro-Scheine in Briefen oder Paketen auf den Weg geschickt. Das scheint nach Recherchen der TV-Show "Kerner" keine gute Idee zu sein - bei 40 Testsendungen per Post kam das Geld in fast einem Drittel der Fälle nicht beim Empfänger an. Einige Pakete wurden offenbar gezielt geöffnet, durchwühlt und wieder zugeklebt, das Bargeld fehlte am Ende. Die Post bezweifelt die hohe Quote der mutmaßlichen Diebstähle, will den Vorgängen jedoch schonungslos nachgehen.

Über mehrere Tage verschickten Reporter der Sat.1-Sendung "Kerner", die von SPIEGEL TV produziert wird, nach Angaben der Redaktion mehr als drei Dutzend Briefe und Pakete mit Geld quer durch Deutschland. Zur Tarnung legte die Redaktion zusätzlich zum Bargeld Geschenke und Glückwunschkarten in die Pakete. Das Ergebnis: In fast jeder dritten Testsendung verschwand das Geld.

Die "Kerner"-Redaktion zitiert einen Empfänger einer Testsendung: "Am Paket sind zwei verschiedene Tesafilme dran. Einmal Kreppband, einmal normaler Tesafilm. Die sollten doch Geld mitschicken, aber im Paket war nichts außer dem Buch und der Karte. Wenn man zur Post geht, dort etwas abgibt, vertraut man dem blind. Aber nun ist es wirklich so, dass etwas wegkommt."

Die Deutsche Post reagiert zurückhaltend auf die Vorwürfe. Man habe den Vorgängen nicht nachgehen können, da die "Kerner"-Redaktion die konkreten Daten der Testsendungen noch nicht übermittelt habe, sagt Post-Sprecher Dirk Klasen. Daher seien die Vorwürfe schwer nachzuvollziehen. In jedem Fall hält Klasen die Diebstahlquote von 30 Prozent für "irrwitzig" und verweist auf die Zahl von 66 Millionen Brief- und 2,6 Millionen Paketsendungen täglich: "Es gäbe einen Volksaufstand, wenn davon ein Drittel nicht ankäme."

Trotzdem bedaure die Post jeden einzelnen Fall, in dem Wertgegenstände oder Bargeld auf dem Transport verschwänden. Post-Sprecher Klasen verspricht "rückhaltlose Aufklärung": "Wir haben Kollegen, die sich mit solchen Fällen befassen. Die Zusammenarbeit mit der Polizei ist eng - wir bringen solche Fälle ohne jede Ausnahme zur Anzeige."

Die Kunden warnt Klasen allerdings grundsätzlich davor, Bargeld per Brief zu verschicken. Bereits seit Jahrzehnten sei Bargeld von den Beförderungsbedingungen für Briefe ausgeschlossen - im Gegensatz zu Paketen seien diese nicht lückenlos nachzuverfolgen und zudem nicht versichert.


"Kerner", Sat.1, 22:15 Uhr

fdi
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