Vergleichsportale So finden Sie die günstigste Kfz-Versicherung

Kfz-Versicherer kündigen die Partnerschaft mit Vergleichsportalen wie Check24. Was das für Verbraucher bedeutet und wie Sie sich im Tarifdschungel zurechtfinden - der Überblick.

Verkaufsangebot bei einem Autohändler
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Verkaufsangebot bei einem Autohändler

Eine Kolumne von


Jedes Jahr im Herbst ist Wechselsaison: Über zwei Millionen Autofahrer versuchen dann, ein paar Hundert Euro einzusparen, indem sie die Kfz-Versicherung wechseln. Vergleichsportale und Versicherer fahren dann zwei Monate lang Anzeigen- und Werbekampagnen hoch, um neue Kunden anzulocken. Ende November ist der letzte Kündigungstermin für die meisten laufenden Verträge. Und der jährliche Spuk vorbei.

Viele der Wechsler nutzen für die Suche inzwischen Vergleichsportale: Allen voran Check24 und Verivox, aber auch weniger bekannte wie autoversicherung.de und ino24. Deren Versprechen: In kurzer Zeit den besten Preis am Markt zu ermitteln. In der Tat vergleichen diese auf einen Schlag Dutzende Tarife miteinander und weisen den jeweils günstigsten aus - ohne solche Portale eine Sisyphusarbeit. Den besten Preis finden die Nutzer allerdings längst nicht immer, weil wichtige Versicherer fehlen.

Kunden nutzen die Portale trotzdem gern. Statt zehn Stunden auf die Suche nach einem guten und preiswerten Versicherer zu verwenden reicht eine. Die Versicherer mit günstigen Preisen nutzen die Portale als ausgelagerte PR-Abteilung und bekommen zum Teil ein Drittel ihrer Neukundschaft über Check24 und Co. Verivox macht nach eigenen Angaben fast zwei Drittel seines Kfz-Geschäfts mit Direktversicherern.

Jene Versicherer, die von Kunden verlassen werden, sind dagegen nicht so gut auf die Portale zu sprechen. So mancher Manager schimpft hinter vorgehaltener Hand über ein raues Geschäftsgebahren insbesondere bei Check24. R+V24, der Online-Autoversicherer der Genossenschaftsgruppe verzichtet seit Sommer auf die Zusammenarbeit mit Check24.

Die ersten Versicherer verlassen die Vergleichsportale

Zwei Direktversicherer haben noch weitergehende Konsequenzen gezogen - und den Portalen ganz den Rücken gekehrt. Dabei handelt es sich um die Huk24, die Online-Tochter des Huk-Konzerns, mit 1,8 Millionen Autos und mehr als drei Millionen Fahrzeugen die Nummer eins unter den Direktversicherern sowie die Hannoversche Direkt, mit 60.000 Haftpflicht-Verträgen ein eher kleiner Anbieter. Die Hannoversche ist derzeit zwar noch auf Ino24 zu finden, aber auch diese Zusammenarbeit ist bereits gekündigt und läuft aus. Dabei haben die Portale die Hannoversche durchaus freundlich behandelt. Bei Check24 heißt es noch immer auf der Webseite über die Hannoversche, bei Tests belege sie "kontinuierlich beste Platzierungen."

Dennoch versuchen die beiden Versicherungsanbieter nun, Kunden mit besonders günstigen Angeboten zu überzeugen, dass der Weg zu einem Portal unnötig ist.

Die Portale sind gut, aber nicht vollkommen

Um es vorweg zu sagen: Der Weg zum Portal ist nicht überflüssig, obwohl die Angebote der beiden Direktversicherer wirklich gut und günstig sind.

Wir haben bei Finanztip 32 Musterfälle durchgetestet und dabei festgestellt, dass zum Beispiel der Direktversicherer Hannoversche tatsächlich neun Mal den besten Preis anbot. In den anderen Fällen war er aber zum Teil deutlich teurer - einmal sogar 64 Prozent teurer. Im Schnitt ergab sich eine Abweichung von 18 Prozent zum jeweils billigsten Anbieter.

Zum Vergleich: Beim Portal Verivox haben wir zwar nur bei sechs von 32 Musterfällen den günstigsten Preis gefunden, die durchschnittliche Abweichung zum günstigsten Preis lag aber nur bei sechs Prozent und der schlimmste Ausreißer lag mit dem Preis nur 19 Prozent über dem günstigsten Preis aus unserer Untersuchung. Ähnliche Zahlen, fast genauso gut, fanden wir bei Check24.

Wann steigt der nächste Versicherer aus?

Für die Branche wird es spannend, ob weitere preiswerte Anbieter den Portalen die Partnerschaft aufkündigen. Dazu braucht es eine starke Marke, eine tiefe Tasche und aggressive Preise. Auch die Online-Tochter der Allianz, Allsecur, ist in den vergangenen Monaten mit besonders günstigen Preisen auf den Portalen aufgefallen. "Wenn Vergleichsportale weiter an der Preisschraube drehen und fortfahren, mehr und mehr den Kontakt zum Kunden zu besetzen, dürften mehr Unternehmen über einen Strategiewechsel nachdenken", sagt Huk-Sprecher Thomas von Mallinckrodt. Daniel Friedheim, Sprecher von Check24, will dagegen keinen Trend erkennen: Autoversicherungen gehörten nicht zum Kerngeschäft der Hannoverschen, sie konzentriere sich doch sehr auf Risikolebensversicherungen.

Für die Kunden ist die neue Lage eine Herausforderung: Wie sollen sie in der dann wieder unübersichtlich werdenden Angebotslandschaft tatsächlich den besten Tarif für sich finden?

Kunden sollten auch bei guten Direktversicherern nachschauen

Stand heute gibt es eine relativ einfache Empfehlung. Nutze einen der beiden günstigen Direktversicherer und eines der Portale. In der Kombination liegt man bei den besten Angeboten nur noch drei Prozent über dem jeweils absolut günstigsten Anbieter. Auch die Anzahl und Größe der Ausreißer nimmt ab. Die Kombination von Verivox und Hannoverscher ergab in unserer Untersuchung sogar eine maximale Abweichung nach oben von nur noch zehn Prozent.

Spannend wird, welche Ergebnisse der neue Kampf bei den Marktanteilen produziert. Davon, wie sich die Marktanteile bei Huk24 und Hannoversche entwickeln, wird abhängen, ob sich weitere preisaggressive Anbieter wie Allsecur von den Portalen zurückziehen. Aus Sicht der Versicherer ist das verständlich. Für den Kunden wäre das eher schlecht - jedenfalls solange nicht ein Versicherer wirklich durchgängig sehr günstige Preise anbietet.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.


insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
M. Michaelis 08.10.2016
1.
In Zukunft werden online immer mehr individualiserte Angebote gemacht werden, dann sind Vergleiche kaum noch möglich.
Nice2know 08.10.2016
2. Danke!
Vielen Dank, Herr Tenhagen! Kennen Sie den unabhängigen Vergleich www.nafiauto.de? Ich hole mir dort gerne meine Angebote und habe das Gefühl ich liege bei diesem Service richtig. Das nur als Hinweis. Danke nochmal für Ihren vorbildlichen Einsatz für uns Kunden.
egoneiermann 08.10.2016
3.
Die Portale sind gut um einen Überblick zu bekommen. Aber danach lohnt es immer noch weiter zu suchen, auch wenn es wirklich schwerfällig ist, weil man so viele Daten eingeben muss. Keine Ahnung, ob es wirklich noch Versicheunrgen gibt, wo Berufsgruppen wichtig sind oder Immobilienbesitz. Im Grunde erschweren sich die Versicherr mit solchen unnötigen Fragen nur die Nutzung und damit auch mögliche Kunde. Etwas mehr Transparenz, was wirklich wichtig ist, wäre gut. Ich habe mir gerade vor einigen Monaten für mein neues Auto ein Angebot von meiner alten Versicherung machen lassen und das was besser als alles was ich in den Datenbanken gefinden habe. Kein Ahnung, ob ich da Kundenrabatt bekommen habe, auf deren Seite stand nichts darüber.
felisconcolor 08.10.2016
4. Die
Portale sind gut aber nicht vollkommen... Tja die meisten Portale scheitern schon an einem Zweitwagen und Motorräder gibt es anscheinend in deren Welt überhaupt nicht. Direktversicherer heben die Hände wenn man ein Motorrad versichern will. Und bei Wechselkennzeichen drucksen die Versicherungen auch rum. Komisch nur das die selben Versicherungen in der Schweiz oder Östereich sowas ohne Probleme können. Aber das Thema ist in D ja eh vorbei. Vieles ist bei Vergleichportalen nur heisse Luft und wie der Autor schon bemerkt hat, bei den meisten keine vollständige Übersicht. Und im Frühjahr werden eh wieder Typ und Regionalklassen geändert und dann kann ein günstigerTarif aus dem Vorjahr ein Blender gewesen sein.
futtereimer 08.10.2016
5.
gerade die "Vergleichsportale" werden doch geschmiert, dass sie "oben" stehen. Uuuund: Wer selber vergleicht, kommt GÜNSTIGER davon ! Hab ich bei der Autoversicherung gemerkt....war um die 100 Euro günstiger als im "Vergleichscheck"... Oder einfach mal bei der Firma nachfragen...unsere Firma hat sich zb mit ner großen Versicsherungsagentur zusammen geschlossen, wir bekommen Nachlässe ohne ende...
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