Kinderlebensmittel Aldi siegt im Puddingstreit gegen Dr. Oetker

Die magere "Flecki" gewinnt gegen die coole "Paula": Aldi hat im Streit über Kinderpudding Recht bekommen. Der Lebensmittelkonzern Dr. Oetker hatte dem Discounter vorgeworfen, bei einer Kuh-Werbefigur abgekupfert zu haben. Die Juristen analysierten die beiden Maskottchen genau.

Aldi-Pudding "Flecki": Gericht weist Vorwürfe von Dr. Oetker zurück
dapd

Aldi-Pudding "Flecki": Gericht weist Vorwürfe von Dr. Oetker zurück


Düsseldorf - Eine lustige Kuh auf dem Deckel und Schlabbercreme mit Fleckenmuster - mit diesem Design will der Lebensmittelkonzern Dr. Oetker Kindern seinen Pudding "Paula" schmackhaft machen. Weil der Discounter Aldi Süd kürzlich ein ähnliches Produkt mit einem Kuh-Maskottchen namens "Flecki" auf den Markt brachte, zog Dr. Oetker vor Gericht. Die Firma wollte mit einem Eilantrag ein europaweites Verkaufsverbot des Aldi-Puddings erwirken. Das Düsseldorfer Landgericht lehnte den Antrag jedoch am Donnerstag ab. Aldi Süd darf seinen Schoko-Vanille-Pudding weiter verkaufen.

Das Gericht sieht bei den beiden Produkten keine Verwechslungsgefahr. Beim Design auf eine Kuh zurückzugreifen, sei bei einem Milchprodukt naheliegend, sagte Richterin Johanna Brückner-Hofmann. Während die Flecken bei "Paula" klar voneinander abgegrenzt seien, seien sie bei Aldi-Maskottchen "Flecki" eher verwaschen und miteinander verbunden. Die Kammer habe Zweifel, ob überhaupt von einer Nachahmung die Rede sein könne.

"Flecki" weise in seiner Gestaltung ausreichende Unterschiede zu "Paula" auf, so dass die von Dr. Oetker bereits 2005 eingetragenen Designrechte für seine Kuh nicht verletzt würden, sagte die Richterin. Auch von einem Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht könne keine Rede sein.

Das Aldi-Produkt halte in seiner gesamten Gestaltung deutliche Distanz zum Rivalen, erklärte die Richterin. So werde die Oetker-Verpackung von "Paula" dominiert, einer Sonnenbrille tragenden Kuh, die "Coolness" ausstrahle. "Flecki" dagegen sei eine weiße, eher magere Kuh, die vor der Kulisse eines Bauernhofes vom Rand her ins Bild schaue und nicht annähernd so im Mittelpunkt stehe wie "Paula".

Dr. Oetker hat seinen Schoko-Vanille-Pudding "Paula" bereits vor sieben Jahren auf den Markt gebracht und sich das an ein Kuhfell erinnernde charakteristische braun-weiße Muster der Creme designrechtlich schützen lassen. Diese Rechte sah das Bielefelder Unternehmen durch "Flecki" verletzt. Aldi hat den Pudding erst Ende vergangenen Jahres auf den Markt gebracht.

mmq/dpa

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Seite 1
Sandygirl 01.03.2012
1. Copyright
Gewonnen haben bei diesem Strei nur die Rechtsanwälte. Aber schon die Diskussion zeigt die Aberwitzigkeit des deutschen Copyright-Systems, welches mit weiteren Gesetzesvorlagen (wie ACTA) zementiert werden soll. Nutzer des Copyrights sind nicht mehr die Künstler und Erfinder, sonder die sog. Rechteverwerter - millionenschwere Unternehmen. Pudding für alle!
Acerb 01.03.2012
2. Olga gebrannt ins kindliche Unterbewusstsein
Zitat von sysopdapdDie magere "Flecki" siegt über die coole "Paula": Aldi hat im Streit über Kinderpudding bekommen. Der Lebensmittelkonzern Dr. Oetker hatte dem Discounter vorgeworfen, bei einer Kuh-Werbefigur abgekupfert zu haben. Die Juristen analysierten die beiden Maskottchen genau. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,818674,00.html
Also bitte. Das ist ganz klar ein schmarotzendes Anhängen an den (riesigen) Werbe-Aufwand der Oetkers Paula. Außerdem ist sogar der Flecken-Stil geschützt - ja ist das nix, oder was? Mal ein Kind fragen, an was es beim Anblick der Packung denkt... Wann wär's denn illegal? Wenn Aldi die Kuh 11,25% dicker gemacht und Olga genannt hätte? Mal die Kontobewegungen der Richterin prüfen?
Acerb 01.03.2012
3. und mir das meiste
Zitat von SandygirlGewonnen haben bei diesem Strei nur die Rechtsanwälte. Aber schon die Diskussion zeigt die Aberwitzigkeit des deutschen Copyright-Systems, welches mit weiteren Gesetzesvorlagen (wie ACTA) zementiert werden soll. Nutzer des Copyrights sind nicht mehr die Künstler und Erfinder, sonder die sog. Rechteverwerter - millionenschwere Unternehmen. Pudding für alle!
Wer immer nur nimmt und nie gibt hat natürlich kein Interesse an Urheberrechten. Ist wie mit dem Geld: erst wenn man's selbst verdienen muss, wird es wertvoll.
max-mustermann 01.03.2012
4. Ich frage mich
viel mehr wie mann seinen Kindern ständig diese Fett- und Zuckerbomben, die uns von der Werbung dreist lügend als gesunde Milchmahlzeit verkauft werden, geben kann. Ich habe ja nichts gegen Süßigkeiten aber bei diesen "Kinderprodukten" wird immer so getan als sei das was ganz doll gesundes, was definitiv nicht der Fall ist.
phboerker 01.03.2012
5. ...
Zitat von AcerbAlso bitte. Das ist ganz klar ein schmarotzendes Anhängen an den (riesigen) Werbe-Aufwand der Oetkers Paula. Außerdem ist sogar der Flecken-Stil geschützt - ja ist das nix, oder was? Mal ein Kind fragen, an was es beim Anblick der Packung denkt... Wann wär's denn illegal? Wenn Aldi die Kuh 11,25% dicker gemacht und Olga genannt hätte? Mal die Kontobewegungen der Richterin prüfen?
Bevor Sie Richtern Rechtsbeugung unterstellen, sollten Sie vielleicht selbst mal an Ihrem Rechtsbewusstsein arbeiten. Weil Dr. Oetker eine Kuh auf ein Milchprodukt druckt, soll es einem Konkurrenten nicht erlaubt sein, dasselbe zu tun? Haben Sie die beiden Kühe mal nebeneinander betrachtet? Ich kann nicht den Ansatz einer Ähnlichkeit erkennen, die über die Tatsache hinaus ginge, dass beide male eine Kuh zeichnerisch dargestellt ist. Dass Dr. Oetker sich das Crememuster hat designrechtlich schützen lassen, schützt genau ein exaktes Crememuster. Sofern Aldi die beiden unterschiedlich gefärbten Cremes etwas anders mischt, ist der Musterschutz ausgehebelt. Es steht zu mutmaßen, dass Dr. Oetker auch versucht hat, ein Patent auf das Mischen der beiden Cremes zu erlangen. Ein solcher Antrag wäre aber wohl schon angesichts des altbekannten Marmorkuchens zurückzuweisen. Im übrigen ist es ausdrücklich erwünscht, dass Konkurrenten Produkte anbieten, die Erfolgsprodukten ähneln. Das ist nämlich ein Grundprinzip der freien Marktwirtschaft, in der möglichst kostengünstig Marktbedürfnisse befriedigt werden sollen. Diesem Grundprinzip wird nur in Ausnahmen Grenzen gesetzt. Eine solche liegt hier aber nach der sehr zutreffenden (und überaus vorhersehbaren) Rechtsprechung zu dem Fall nicht vor.
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