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07. März 2013, 09:48 Uhr

Versicherungen für Kinder

Mein Sohn, mein Investment

Von Christian Kirchner

Die "Biene-Maja-Kindervorsorge" oder doch lieber die "Tip Top Tabaluga-Versicherung"? Geldanlagen und Policen für den Nachwuchs sind ein Milliardenmarkt mit vielen Fallen. Doch wer es richtig macht, kann für seine Kleinen ein Vermögen aufbauen. Ein paar persönliche Tipps.

Ich bin Vater geworden. Und stehe nun wie Millionen anderer Eltern vor der Frage: Wie sorge ich optimal vor? Und was ich mich auch frage, weil nicht nur die Windel meines Sohnes, sondern auch mein Oberstübchen selten ganz sauber ist: Wie hoch ist wohl die "Procter-Schiet-Ratio"? Genauer: Wie viele Aktien des Pampers-Herstellers Procter & Gamble müsste ich kaufen, damit die Dividendenausschüttungen die jährlichen Kosten der Windeln decken?

Ist der Nachwuchs da, kommen jedenfalls einige Dinge jenseits von großem Glück: Ich bin, wie die meisten Eltern, in einer emotionalen Ausnahmesituation, will für den Nachwuchs nur das Beste und bin bereit, auch mal Fünfe gerade sein zu lassen. Das wissen natürlich auch die Versicherer: Pro Jahr investieren Eltern und ihre Verwandten einen einstelligen Milliardenbetrag in die Versicherung und Vorsorge ihres Nachwuchses.

Dabei kommt allerdings oft Unsinn heraus. Was auch an der Tatsache liegt, dass zwei Drittel der Eltern sich vor allem im Internet über Angebote informieren - wo sie regelrecht erschlagen werden von Paketleistungen, die viele Einzelversicherungen umfassen, wie der "Enkelpolice" (Allianz), der "Biene-Maja-Kindervorsorge" (Nürnberger), der "Tip Top Tabaluga-Versicherung" (Universa) oder der "Max-Schlaubär-Kinderpolice" (BBV).

Die Liste ist endlos, wobei ich über die besondere Leistung der Tip-Top-Tabaluga-Versicherung - ein Koma-Tagegeld von 15 Euro pro Tag - doch lachen musste: Wird das Komatagegeld wohl auch gezahlt, wenn sich mein Kleiner in 14 Jahren hinter der Schulturnhalle das erste Mal ins Koma säuft?

Dass Eltern in diesem Markt schnell den Überblick verlieren, wundert nicht. Schlimmer noch: Sie unterliegen - eine Parallele zum Kapitalmarkt - einer falschen Einschätzung der tatsächlichen Risiken. Kaum eine Versicherungsgattung illustriert das so deutlich wie die Kinder-Unfallversicherung. Jedes dritte Kind hat eine: Nach dem Tod des Kindes ist ein Unfall schließlich die größte Sorge von Eltern.

Klare Trennung zwischen Versicherung und Vorsorge

Überflüssig ist die Unfall-Police dennoch in den meisten Fällen, nicht nur, weil natürlich erst einmal die Krankenversicherung für medizinische Leistungen einspringt. Ein Blick in Gesundheitsberichte des Statistischen Bundesamts zeigt, dass die Gefahr verschwindend gering ist, durch einen Unfall in jungen Jahren zum Schwerbehinderten zu werden, der auf eine Invalidenrente angewiesen ist. Ganze 300 Fälle gibt es bei allen unter 16-Jährigen - bei knapp 11 Millionen Kindern. Die weitaus häufigeren Ursachen sind angeborene Leiden (ein Drittel der Fälle) und Krankheiten (zwei Drittel der Fälle). Wer glaubt, dass er sein Kind vor der Invalidität durch Krankheit schützen muss, greift daher naheliegenderweise besser zu einer Invaliditätsversicherung, die unabhängig von der Ursache zahlt. Doch diese Police hat nur jeder zehnte - und leider gewähren sie Versicherer erst frühestens nach einigen Lebensmonaten und mit Wartezeiten.

Nun erhebe ich für mich keineswegs den Anspruch, eine Musterlösung für die optimale Kindervorsorge zu kennen. Vielleicht ist dem einen oder anderen Leser aber dennoch eine Anregung, wie ich die Dinge handhabe: Neben der obligatorischen Haftpflichtversicherung über die Familie und je einer Risikolebensversicherung für beide Elternteile habe ich für meinen Sohn zwei Versicherungen abgeschlossen:

Von den Paketlösungen großer Versicherer lasse ich die Finger: Bei ihnen zahle ich für zu viel unnütze und unerwünschte Leistungen.

Wie decke ich die Windelkosten?

Mein Sohn hat, bis er 18 ist, etwas, was kaum noch ein Anleger hat: Zeit. Deshalb lege ich für ihn einmalig 5000 Euro in einen Dax-Indexfonds und bespare diesen mit weiteren 100 Euro im Monat, auch wenn die Aktienangsthasen noch so laut schreien.

Denn: Über keinen 18-Jahres-Zeitraum hat der Dax rückberechnet seit dem Zweiten Weltkrieg jemals Verluste eingefahren. Schlimmstenfalls waren es 1,5 Prozent Rendite pro Jahr, im Durchschnitt aber satte 9 Prozent. Selbst wenn es also im Dax so läuft wie in der schlechtesten 18-Jahres-Periode, wäre der Ertrag höher als mit einem Sparbuch, und mein Sohn hätte mit 18 ein kleines Vermögen von 31.300 Euro (vor Steuern und Inflation). Läuft es so, wie im Schnitt der letzten Jahrzehnte, werden es gar 75.000 Euro sein.

Ein paar Aktien des Pampers-Herstellers Procter & Gamble packe ich ihm an schwachen Börsentagen vermutlich auch noch dazu - auch wenn die von mir errechnete "Procter-Schiet-Ratio" doch eher etwas für Neureiche ist, die ein - Verzeihung für das Wortspiel - Klumpenrisiko nicht scheuen: Unterstellt man den Verbrauch von acht Windeln am Tag im ersten, von sechs Windeln im zweiten und von zwei Windeln im dritten Lebensjahr, beträgt die "Procter-Schiet-Ratio" derzeit 252 zu 1: Man braucht 252 Procter-Aktien im Wert von aktuell je 58,50 Euro (in der Summe also 14.700 Euro) - und hat mit den voraussichtlichen Dividendenerlösen alle Windelkosten gedeckt.

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