Fotostrecke

Kleve: Die Stadt des Rundens

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Ein- und Zwei-Cent-Münzen So schafft Kleve das Kleingeld ab

Die Kassen sollen leerer werden: Ab heute verbannen Einzelhändler im nordrhein-westfälischen Kleve Ein- und Zwei-Cent-Münzen aus ihren Geschäften. Die ersten Erfahrungen sind positiv.

Eigentlich kostet der Käse 5,12 Euro, doch Verkäuferin Marike van Es rundet ganz selbstverständlich ab. Die Kundin Emmi Berbers muss nur 5,10 Euro bezahlen. Wäre das Stück der Sorte "Franziskaner" nur einen Hauch größer gewesen, so hätte die Käseliebhaberin 5,15 Euro gezahlt. Auf- oder Abrunden - das tut in Kleve neuerdings nicht nur der Käsehändler. Auch die Metzgerei schräg gegenüber, die Apotheke ein paar Schritte weiter und viele andere Geschäfte in der niederrheinischen Stadt sind das Geklimper mit den Ein- und Zwei-Cent-Stücken leid.

Der Händlerzusammenschluss Klever City Netzwerk hat mehr als 800 Händler in der 50.000-Einwohner-Stadt angeschrieben und aufgefordert, ab dem 1. Februar auf die kleinen Kupfermünzen zu verzichten und stattdessen auf 5-Cent-Beträge auf- oder abzurunden. Vorbild sind die benachbarten Niederlande, wo das schon seit Jahren üblich ist. In Deutschland ist Kleve nach Angaben des Handelsverbands Deutschland (HDE) die erste Stadt, die so etwas macht.

Die Abwicklung der Zahlvorgänge mit Kleingeld sei einfach zu teuer geworden, begründet das Netzwerk den Vorstoß. Ein Grund dafür ist, dass die Sparkasse Kleve neuerdings Gebühren für die Beschaffung und Annahme von Münzrollen verlangt. Ein- oder Zwei-Cent-Rollen (jeweils 50 Stück) kosten laut Sparkassen-Vorstand Wilfried Röth seit Dezember 30 Cent. Wer die kleinen Münzen einzahlt, muss pro Rolle sogar 50 Cent auf den Tisch legen.

Rund 50 Händler sind dabei

Diese Kosten gäben die Händler teils an die Kunden weiter, sagt das City Netzwerk. Eine Abschaffung des Kleingelds habe aber auch für die Banken selbst Vorteile. Laut dem Händlerverbund schätzen niederländische Banken, dass sie dadurch pro Jahr mehr als 30 Millionen Euro sparen. Deshalb hofft etwa Sparkassen-Vorstand Röth, dass sich die Praxis auch hierzulande durchsetzt.

Die Teilnahme an der neuen Initiative ist für Händler und Konsumenten freiwillig. Rund 50 Händler seien vom ersten Tag an dabei, teilte das Netzwerk mit. Große Händler wie Kaufhof, Douglas oder Aldi machen allerdings nicht mit.

Wer als Kunde mit dem Runden nicht einverstanden ist, hat einen Anspruch darauf, sein Rückgeld auf den Cent genau herauszubekommen. Und auch bezahlen kann man weiterhin mit kleinen Münzen. Doch scheint dies - zumindest in Kleve - eher die Ausnahme zu sein.

Christof Dammers vom Sportgeschäft Intersport trieb in den vergangenen Wochen die Sorge um, die Aktion könne Kunden vergraulen. "Wir haben die Kunden darum schon im Vorfeld befragt", erzählt er. "Wir haben keinen gefunden, der dagegen war." Auch Käse-Käuferin Frau Berbers ist ein Fan des Angebots: "Ich finde das gut - egal ob auf- oder abgerundet wird." Das vereinfache den Einkauf.

fml/dpa/AFP
Mehr lesen über