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Nach Schäden durch »Volker« und »Wolfgang« Baerbock schlägt staatliche Entschädigungen für Wetterkatastrophen vor

Die schweren Unwetterschäden in den vergangenen Tagen werden die Versicherer Schätzungen zufolge mehr als 2,5 Milliarden Euro kosten. Grünenchefin Baerbock regt deshalb einen »Klima-Anpassungsfonds auf Bundesebene« an.
Feuerwehrleute am Dienstag in Niedersachsen: Kommunen sollen Kanalisation umbauen können

Feuerwehrleute am Dienstag in Niedersachsen: Kommunen sollen Kanalisation umbauen können

Foto: dpa

Hunderte Keller liefen voll, Bäume stürzten um, Hagel zerstörte Autos: Schwere Unwetter in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben in den vergangenen zehn Tagen zu großen Schäden geführt. Diese werden die Versicherer Schätzungen von Experten zufolge mehr als 2,5 Milliarden Euro kosten. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2020 mussten die Versicherer in Deutschland nach Daten des Branchenverbandes GDV mit 1,95 Milliarden Euro für die Folgen von Naturgefahren wie Sturm, Hagel und Überschwemmungen aufkommen.

Allein die Sturm- und Hagelschäden, die die Tiefdruckgebiete »Volker« und »Wolfgang« jüngst mit sich brachten, hätten im deutschsprachigen Raum mehr als zwei Milliarden Euro versicherte Schäden angerichtet, sagte Versicherungsmathematiker Onnen Siems, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss (MSK).

Nach den Unwettern hat Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock nun umfassende staatliche Entschädigungen für die Opfer von Wetterkatastrophen gefordert. In einem Interview mit der Funke Mediengruppe forderte sie einen »großen Klima-Anpassungsfonds auf Bundesebene«, »über den diejenigen, die durch wetterbedingte Katastrophen ihr Hab und Gut verloren haben, entschädigt werden«. Viele Menschen seien dagegen nicht versichert.

Drittwärmster Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen

»Wir erleben jetzt gerade in Deutschland Extremwetter-Ereignisse, aktuell die Überschwemmungen, letztes Jahr massive Waldbrände, in den Dürrejahren Ernteausfälle bei Landwirten«, sagte Baerbock. Sie schlug zudem einen »Klima-Vorsorgefonds« für die Kommunen vor – etwa zum Umbau der Kanalisation. »Man sieht ja gerade, dass die Kanalisation an vielen Orten solchen Niederschlagsmengen nicht gewachsen ist.«

Laut MSK-Chef Siems entstanden »mehr als die Hälfte« der jüngsten Schäden in Deutschland – vor allem in der Sparte Auto-Kasko. Das Tief »Xero« richtete vor allem in der Schweiz Hagelschäden an, während es in Süddeutschland zu Überschwemmungen kam.

Siems bringt die Häufung von Unwettern in Zusammenhang mit dem Klimawandel. Der Juni sei – nach 2003 und 2019 – der drittwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 gewesen. Im Schnitt sei es 2,6 Grad wärmer als im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre. Die feuchtwarme Luft entlud sich in Gewittern mit Blitz, Starkregen, Sturm und Hagel. »Ein Zusammenhang von Versicherungsschäden und dem Klimawandel drängt sich auf.«

Nicht nur gegen Unwetter, sondern auch beim Kampf gegen die Folgen der Sommerhitze regt Grünenpolitikerin Baerbock Verbesserungen an. Sie schlug eine bundesweite Hitze-Hotline vor. Gerade ältere Menschen litten gesundheitlich stark unter den Folgen großer Hitze.

apr/Reuters/AFP