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18. Juni 2019, 09:14 Uhr

Urlaubspläne

Nur zwölf Prozent der Deutschen verzichten fürs Klima auf Flugreise

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Der Klimaschutz beschäftigt Politiker und Bürger. Doch eine Umfrage für SPIEGEL ONLINE zeigt: Bei der eigenen Urlaubsplanung spielt die aktuelle Debatte für die große Mehrheit der Deutschen keine Rolle.

Die Grünen sind im Höhenflug, Greta Thunberg trifft die Mächtigen der Welt, die "Fridays for Future"-Bewegung hat großen Zulauf und Sympathien in der Bevölkerung. Das Thema Klimawandel - so scheint es - ist im Bewusstsein der Gesellschaft angekommen. Doch welche Auswirkungen hat die Debatte bei konkreten Entscheidungen der Menschen - etwa wenn es um die Urlaubsreise geht?

In einer repräsentativen Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey wollte SPIEGEL ONLINE wissen: "Hat die aktuelle Klimadebatte Auswirkungen auf Ihre Urlaubspläne dieses Jahr?" Die überwiegende Mehrheit - nämlich 71,1 Prozent - antwortete mit Nein.

Nur etwa jeder Neunte (11,8 Prozent) gab an, angesichts der Klimadebatte auf eine Flugreise zu verzichten. Gut drei Prozent der Befragten sagten, sie seien vom Plan einer Kreuzfahrtreise abgerückt. 11,8 Prozent gaben an, die Diskussion über den Klimawandel habe ihre Urlaubspläne auf anderweitige Weise beeinflusst.

Interessant ist auch der Blick auf die Parteipräferenzen der Befragten: Unter den Grünen-Anhängern gaben fast 46 Prozent an, ihre Urlaubspläne zu ändern. Bei den AfD-Sympathisanten waren es nur gut sieben Prozent.

Neben dem Thema Klimaschutz und Erderwärmung spielt auch das Thema Plastikmüll derzeit in der Öffentlichkeit eine große Rolle. Discounter und Supermärkte überbieten sich regelrecht mit ihren Ankündigungen, auf bestimmte Plastiktüten zu verzichten oder anderweitig Verpackungen zu reduzieren. Hier zeigt die SPIEGEL-ONLINE-Umfrage, dass die Handelsketten damit offenbar den Nerv der Verbraucher treffen.

Denn bei der Frage "Was würden Sie persönlich als Ihren wichtigsten Beitrag zum Thema 'Nachhaltiger Konsum' bezeichnen?" gaben 29 Prozent an, sie würden Verpackungsmüll vermeiden. 20 Prozent sagten, dass sie energiesparend leben. Flugreisen und Autofahrten vermeiden demnach 17 Prozent.

Das Thema Lebensmittel und Ernährung folgt erst dahinter. Nur gut zwölf Prozent sehen den Kauf von Bioprodukten als ihren Beitrag zu Nachhaltigkeit. Den Verzicht auf Fleisch oder sogar gänzlich tierische Produkte gaben nur gut sieben Prozent der Befragten an.

Diejenigen, die Fleisch essen, wurden gefragt, worauf sie beim Kauf besonders achten. Die Mehrheit, nämlich fast 41 Prozent, will hohe Qualität. Gut ein Viertel der Befragten (27 Prozent) achtet demnach darauf, unter welchen Bedingungen Tiere gehalten werden. Jedem Zehnten (10,4 Prozent) geht es vor allem darum, dass die Tierhalter angemessen entlohnt werden. Dahinter kommt der Fokus auf einen möglichst geringen Medikamenteneinsatz bei den Tieren (8,8 Prozent) und auf einen möglichst günstigen Preis (8,2 Prozent).

Große Unterschiede gibt es beim Thema Fleisch vor allem zwischen den Geschlechtern: Während unter den Frauen 35 Prozent der Befragten das Tierwohl als wichtigstes Kriterium beim Fleischkauf nannten, waren es bei den Männern nur 18,5 Prozent.

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert."

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