Für Klimaschutz Ver.di fordert Mindestpreis für Flugtickets

Fliegen soll nachhaltiger und Tickets deshalb teuer werden: Die Gewerkschaft Ver.di bringt eine Untergrenze von 40 Euro ins Spiel und fordert weniger Kurzstreckenflüge.
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Billigflieger von Ryanair und Easyjet: »Für 9,99 Euro am Wochenende nach Barcelona«?

Foto: DENIS CHARLET/ AFP

Das Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle setzt sich für eine Untergrenze von 40 Euro je Flugticket ein. Fliegen müsse nachhaltiger werden, sagte Behle der Nachrichtenagentur dpa zur Begründung. »Für 9,99 Euro am Wochenende nach Barcelona zu fliegen, um dort Party zu machen, das muss ein Ende haben. Das ist ein wahnsinniger Tourismus zulasten des Klimas.« Behle verwies auf entsprechende Pläne in Österreich und auf die Ertragslage der Fluggesellschaften: »Wir erwarten nach der Coronapandemie, dass der Wettbewerb noch ruinöser wird.«

Weniger Kurzstrecke gefordert

Die Idee, das Angebot der Billigflieger durch höhere Flugpreise zu kontrollieren, ist nicht neu. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hatte Mitte Mai im Sender Pro Sieben gesagt: »Kein Flug darf billiger sein als die Flughafengebühren und alle anderen Gebühren, die dafür anfallen« – und damals einen Mindestpreis von 50 oder gar 60 Euro ins Spiel gebracht. Die Lufthansa sprach kurz darauf von legitimen Plänen, allerdings steht sie selbst in Konkurrenz zu den Billigfliegern.

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2019 bereits hatte die CSU eine Kampfpreis-Steuer ins Spiel gebracht, die auf Tickets fällig werden sollte, die weniger als 50 Euro kosten. Damals gab es jedoch umfassende Kritik an den Plänen, Verbraucherinnen und Verbraucher über den Preis einzuschränken. Der Luftfahrtbeauftragte der Bundesregierung, der CDU-Abgeordnete Thomas Jarzombek, hatte gewarnt: »Man muss auch genau prüfen, ob eine solche Regelung nicht dazu führt, dass Flieger einfach leerer fliegen und Menschen mit kleinem Einkommen Mobilität verlieren, ohne dass CO₂ eingespart wird.«

Außer bei den Preisen fordert Ver.di-Bundesvorständin Behle auch Veränderungen beim Angebot. Die Zahl von Kurzstreckenflügen solle da, wo möglich, für mehr Nachhaltigkeit verringert werden. Oft aber seien Flughäfen noch nicht gut ans Bahnnetz angebunden, gab Behle zu bedenken. Die Gewerkschafterin ist auch Mitglied im Aufsichtsrat der Lufthansa. Die Fluggesellschaft hatte vor Kurzem angekündigt, ihre umstrittenen Ultrakurzflüge zwischen Nürnberg und dem Drehkreuz München nicht mehr aufzunehmen. In der Coronakrise war die nur knapp 150 Kilometer lange innerbayerische Strecke eingestellt worden.

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Die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hatte zuletzt ebenfalls gefordert, das Fliegen zu verteuern – und will Kurzstreckenflüge perspektivisch sogar ganz abschaffen. Kurzstreckenflüge stehen unter anderem wegen ihrer hohen Umweltbelastung in der Kritik. Sie machen mehr als die Hälfte aller Flugbewegungen von großen Flughäfen aus. Die Luftverkehrswirtschaft argumentiert, dass man sie an manchen Standorten als Zubringerflüge weiter benötige, um Umsteiger nicht an ausländische Fluggesellschaften und Flughäfen zu verlieren. Die Kooperation mit der Bahn soll ausgebaut werden.

apr/dpa