Knapper Weizen Warum die Hitze in Russland deutsche Brötchen teurer macht

Es ist die schwerste Naturkatastrophe in Russland seit Jahrzehnten. Extreme Hitze facht verheerende Waldbrände an - und führt zu massiven Ernteausfällen im wichtigen Weizenexportland. Die Preise auf den Rohstoffmärkten schnellen in die Höhe.
Brände nahe Nischnij Nowgorod in Russland: Massive Ernteausfälle bei Weizen

Brände nahe Nischnij Nowgorod in Russland: Massive Ernteausfälle bei Weizen

Foto: MIKHAIL VOSKRESENSKY/ REUTERS

Hamburg - Die Trockenheit in Russland führt zu massiven Ausfällen bei der Weizenernte. Die Regierung senkte die Ernteprognosen drastisch, wie Vizelandwirtschaftsminister Alexander Beljajew am Dienstag bekanntgab. Das Land - einer der weltweit größten Weizenexporteure - erwartet einen Rückgang der Ernte um ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr. Demnach werden dieses Jahr voraussichtlich nur noch 70 bis 75 Millionen Tonnen des Getreides geerntet.

Russland

2009 hatte noch eine Rekordernte von 97 Millionen Tonnen Weizen eingefahren, für dieses Jahr waren bislang rund 85 Millionen Tonnen veranschlagt. Angesichts der Hitze und Trockenheit hat die russische Regierung jetzt in mehreren wichtigen Getreideregionen den Notstand ausgerufen.

Die sinkende Ernte in Russland lässt auch die Weizenpreise weltweit weiter steigen. Das Getreide verteuerte sich zuletzt ohnehin so stark wie kein anderer Rohstoff, wie der am Dienstag veröffentlichte Rohstoffpreisindex des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) ergab. Weizen kostete demnach im Juli um 16,1 Prozent mehr als im Juni.

Am Montag war der Weizenpreis sogar auf ein Zwei-Jahres-Hoch geklettert, weil befürchtet wurde, dass Russland den Export beschränken würde. Vizelandwirtschaftsminister Beljajew betonte jedoch, dass sein Land trotz der schweren Dürre derzeit keine derartigen Schritte plant. Daraufhin sank der Preis kurzfristig wieder leicht. Dennoch ist absehbar, dass die Naturkatastrophe in Russland das weltweite Weizenangebot verknappen wird. Demzufolge ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Brötchen hierzulande teurer werden.

fdi/AFP/Reuters