Hermann-Josef Tenhagen

Mehrere Hundert Euro sparen Wann Sie Ihre Krankenkasse wechseln sollten

Hermann-Josef Tenhagen
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Manche Kassen erhöhen zum Jahreswechsel ihre Beitragssätze. Selbst wenn Ihre nicht dabei ist, lohnt sich ein Check.
Mobilitätstraining in einer Physiopraxis (Symbolbild)

Mobilitätstraining in einer Physiopraxis (Symbolbild)

Foto: Ute Grabowsky / Photothek / Getty Images

Kennen Sie das? Sie bekommen zum Jahresende einen Brief von Ihrer Krankenkasse. Darin finden sich vielleicht gute Weihnachtswünsche, vielleicht aber auch der Hinweis auf eine Beitragserhöhung. Und die kann ganz schön ins Geld gehen.

In diesem Dezember werden aber die meisten Versicherten verschont bleiben. Nach aktuellem Stand erhöht kaum eine der großen Krankenkassen zum Jahreswechsel ihren Beitrag: Die größte, die TK, fällt den Beschluss offiziell zwar erst am Dienstag, signalisiert aber schon Stabilität. Auch Barmer und DAK wollen beim bisherigen Beitrag bleiben: also die 14,6 Prozent, die allgemein fällig sind, plus der Zusatzbeitrag von 1,5 Prozent. Macht zusammen 16,1 Prozent. Die Zustimmung von Verwaltungsrat und Bundesamt für soziale Sicherung liegt aber noch nicht vor.

Andere Kassen wie etwa die IKK Classic, die Siemens Betriebskrankenkasse (SBK), die HEK und die Betriebskrankenkasse VBU wollen den Beitrag nicht erhöhen. Nur die bundesweit preiswerteste, die HKK, will den Satz von 14,99 auf 15,29 Prozent anheben.

Weitgehende Preisstabilität trotz Corona? Oder sogar wegen Corona. Verantwortlich für die ruhige Lage bei den Beiträgen sind einerseits die Versicherten, die sich nicht operieren lassen konnten und die vielen Vorsorgeuntersuchungen auch nicht so regelmäßig wahrgenommen haben. Die AOK Bayern beispielsweise beklagt diese Woche ein Minus von 18 Prozent beim Hautkrebsscreening, minus zehn Prozent beim Mammografiescreening und minus acht Prozent bei der Prostatakrebs-Früherkennung.

Andererseits ist da die Bundesregierung, die die zusätzlichen Lasten durch Corona mit höheren Zuschüssen zum Krankenkassensystem kompensiert : für 2022 noch einmal mit sieben Milliarden Euro extra. So müssten tatsächlich die Beiträge nicht groß steigen.

Großer Unterschied im Portemonnaie

Was aber, wenn Ihnen Ihr persönlicher Beitrag trotzdem zu hoch ist? Na, dann können Sie wechseln. Es gibt unter den bundesweiten Krankenkassen etwa die sehr günstige HKK, die 2022 wohl insgesamt 15,29 Prozent verlangen wird (auf deren Homepage steht noch 14,99 Prozent, die Erhöhung vom Donnerstag sei von der Aufsicht noch nicht genehmigt, heißt es bei der HKK). Es gibt aber auch Kassen wie die BKK24, die 17,1 Prozent Beitrag bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern abbucht, 1,8 Prozent mehr. Zugegeben ein Ausreißer, aber für einen Durchschnittsverdiener mit 3400 Euro brutto  sind das 360 Euro Unterschied im Jahr – genauso viel spart noch mal der Arbeitgeber, der die Hälfte der Krankenkassenkosten übernimmt.

Wenn Sie sich ausrechnen wollen, wie viel Krankenkassenbeitrag Sie sparen könnten, wenn Sie zur günstigsten bundesweit geöffneten Kasse gingen, hier ist der Rechner . Geben Sie einfach Ihr monatliches Bruttogehalt und Ihre Kasse ein.

Aber sollte man eigentlich bei der Krankenkasse sparen? Darauf gibt es zwei Antworten. Erstens: Natürlich kann man das. Und es ist auch völlig in Ordnung. Denn etwa 95 Prozent der Krankenkassenleistungen sind im Schnitt gleich. Und wenn der eigene Bedarf an Gesundheitsleistungen mit den 95 Prozent gut abgedeckt ist, dann lohnt es sich beim Vergleich, vor allem auf den Preis zu schauen . Tatsächlich zeigen Umfragen unter Patienten, dass Sparen eines der großen Motive ist, die Krankenkasse zu wechseln.

Und zweitens: Man kann auch einfach mal genauer auf die fünf Prozent der Leistungen schauen. Und ob sich da nicht auch was sparen lässt.

Die zusätzlichen Leistungen

Das andere große Motiv ist nämlich der Ärger über mangelnde Leistungen. Und da gibt es im Kern zwei Varianten:

  • Eine Leistung, die Kunden erwarten, die aber nicht erbracht wurde. Der Ärger ist dabei zunächst mal völlig unabhängig von der Frage, ob die Kasse die Leistung zu Recht verweigert oder nicht.

  • Eine Leistung, die die Kasse nicht bezahlt, aber andere Kassen schon. Zum Beispiel die Übernahme der regelmäßigen Kosten für die Zahnreinigung beim Zahnarzt. Tatsächlich zahlen etliche Kassen die Reinigung oder einen Zuschuss.

Solche Leistungen werden normalerweise in der Satzung der Krankenkasse festgeschrieben, und die wird bei vielen Kassen dieser Tage festgezurrt. Sie sollten das Ergebnis mal im neuen Jahr neu vergleichen. Meine Kolleginnen und Kollegen bei Finanztip werden das wieder untersuchen.

Die doppelte Abwägung

Beide Fragen haben also unmittelbar miteinander zu tun. Wenn ich die regelmäßige Zahnreinigung  zweimal im Jahr in Anspruch nehme und sagen wir jeweils 80 Euro zahle, dann wären das 160 Euro Mehrkosten für mich, wenn die Kasse das nicht zahlt.

Wenn nun die günstigste Kasse im Land bei meinem Einkommen 150 Euro preiswerter im Jahr wäre, die Zahnreinigung aber nicht übernimmt, dann lohnt sich der Wechsel schon nicht mehr. (Das lohnt sich dann nur für meinen Arbeitgeber, denn der spart die 150 Euro ganz real.)

Die Steuer

Eigentlich ist die Situation sogar noch komplizierter. Wenn ich die 150 Euro im Jahr spare, erhöht das quasi mein Gehalt und das Finanzamt möchte auch noch ein paar Euro Steuern mehr von mir. Ich spare also bei der Kasse mit dem niedrigen Zusatzbeitrag am Ende vielleicht nur um die hundert Euro, zahle aber die 160 Euro drauf. In diesem Fall kein guter Deal.

Wenn Sie also sehr nüchtern mit Ihrer Krankenkasse umgehen, lohnt es sich, genau diesen Vergleich zu machen. Wie viel verdienen Sie brutto im Jahr, wie viel könnten Sie an Beitrag sparen, und verlieren Sie womöglich eine aktuell noch kostenlose Zusatzleistung?

Die Entscheidung kann je nach Gehalt ganz unterschiedlich ausfallen. Damit Sie da keinen Fehler machen, können Sie den Rechner von Finanztip nutzen . Zwei Beispiele: Bei 2000 Euro brutto Monatslohn bleiben beim Wechsel von der teuersten in die preiswerteste Kasse 216 Euro im Jahr vor Steuern. Bei 5000 Euro brutto hingegen bleiben 522 Euro im Jahr. Von einer durchschnittlichen Kasse mit 16,1 Prozent Beitrag wie der Barmer oder der DAK bis zur preiswerten HKK sparen Sie knapp die Hälfte, für den Gutverdiener im Beispiel konkret 232 Euro.

Die Kassenkommunikation

So weit, so gut. Kommen wir nun zu einer Frage, die schwieriger auszurechnen ist. Die Frage nämlich, wie offen und klar Ihre Kasse mit Ihnen umgeht. Nehmen wir mal Folgendes an: Sie haben eine Rehamaßnahme beantragt. Die Kasse wollte aber nicht zahlen. Das ist schon ärgerlich genug. Schlimmer wird es, wenn die Kasse über ihre Entscheidung nicht richtig Rechenschaft ablegt. Sie sollte Ihnen erklären, warum es eine Ablehnung gab. Und auch, wie Sie gegen diese Entscheidung Widerspruch einlegen können. Das geht nämlich ganz einfach, doch viele Patienten wissen das gar nicht. Eine schlechte Aufklärung ist allein schon ein stichhaltiger Grund zu wechseln , selbst wenn die Kasse im Recht war.

Ein anderes Beispiel: Nehmen wir an, Ihr Mann schnarcht. Wussten Sie, dass ab 2022 die Kasse für die Spange zahlen darf , die sein Schnarchen unterbindet und Ihnen mehr Schlaf schenkt. Wenn eine Kasse auf so etwas aufmerksam macht, ist das ein guter Service. Die Spange kostet nämlich eine Menge Geld.

Mein kurzes und knackiges Fazit vor Weihnachten: Wenn Sie Ihre Krankenkasse zuletzt nicht besonders gefordert haben und das auch nicht abzusehen ist, können Sie richtig viel Geld sparen.

Wenn Ihnen Ihre Kasse aber mit den besonderen Leistungen zum wichtigen Bestandteil des Alltags geworden ist, schauen Sie auf diese Leistungen – und erst dann auf den Preis.

Eigentlich ganz banal. Und dennoch tun es viele nicht. Was man schon daran sieht, dass viele ihre Kasse nicht wechseln, obwohl sie unzufrieden sind.

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