Ratgeber zum Einsatz von Kryptowährungen Zocken mit (etwas) Sicherheit – zehn Schritte

Mit Bitcoins wird rasant gezockt, das schreckt viele ab. An welchen Börsen können Kunden solche Anlagen mit einiger Sicherheit abwickeln – und wie schützt man sich vor Betrügern?
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Foto: Marijan Murat / picture alliance / dpa

Die Zockerei mit Bitcoins hat mich immer abgeschreckt. Wie war noch mal der Name von Elon Musks Hund? Und wie hieß noch die Jux-Kryptowährung, die danach benannt wurde? Die Anfälligkeit solcher unverstandenen Systeme für neue Betrugsmaschen führt dazu, dass ich von Bitcoins bisher immer prinzipiell abgeraten habe . Bis jetzt.

Wenn Millionen Menschen an die Möglichkeit eines Werterhalts mit solchen Kryptowährungen glauben, muss man den Glauben nicht teilen, aber wenigstens ernst nehmen. Und vor allem dafür sorgen, dass diese Art von Geschäft so seriös wie möglich läuft, bei aller Zockerei.

Deshalb haben meine Kolleginnen und Kollegen bei »Finanztip« untersucht, an welchen Bitcoin-Börsen Kunden mit einiger Sicherheit solche Anlagen abwickeln können. Wo sie keine allzu hohen Gebühren zahlen. Und wo das Geschäft insgesamt vernünftig überwacht wird. 

Das Ergebnis: Es gibt inzwischen ein paar erstaunlich gute Angebote. Die empfohlenen Firmen Bison, eine Tochter der Stuttgarter Börse, Nuri, eine Neo-Bank aus Berlin, und Bitvavo, die Tochter einer niederländischen Stiftung, sorgen dafür, dass Sie beim Kauf oder Verkauf von Bitcoins tatsächlich den aktuellen Marktkurs bekommen. Sie kassieren für die Abwicklung auch nicht zu hohe Gebühren. Und sie bieten Anfängern den praktischen Kontoservice, den die erste Generation der Krypto-Anleger niemals gewollt hätte. Die hätten ihre Bitcoins immer im eigenen elektronischen Portemonnaie (Wallet), also auf einem Handy, einem Rechner oder einer Art USB-Stick gespeichert, statt sie einem Finanzinstitut zur Aufbewahrung zu übergeben.

Schrille Unterstützer der Bitcoin-Idee

Ändert die Seriosität dieser Aufbewahrungs- und Handelsfirmen etwas am spekulativen Charakter der Bitcoins? Zunächst gar nicht. Auch wer seine Bitcoins bei Bison in Aufbewahrung gegeben hat, hat im November 2021 einen Kurs von 58.000 Euro für einen Bitcoin bekommen, aktuell wären es knapp 38.000 Euro.

Auch die Bitcoins bei Nuri könnten weiter an Wert verlieren, wenn Elon Musk wieder einen Tweet absetzt  oder das Europaparlament ernsthaft über ein Verbot von Bitcoins nachdenkt . Egal, welchen Grund sie dafür anführen, ob Geldwäsche oder den absurden Energieverbrauch dieser Wertaufbewahrungsmaschine.

Und auch wenn Bitvavo, als Tochter einer Stiftung ein seriöses Unternehmen ist, ändert das nichts daran, welch schrille Unterstützer die Krypto-Währungsidee nach wie vor anzieht: etwa Trump-Unterstützer Peter Thiel, der Bitcoins Anfang April als eine potente Waffe gegen Umweltschutz, Sozialstandards, seriöse Firmenführung und anderen Sozialismus propagierte .

In dieser Gesellschaft ist es schwer, sich wohlzufühlen. Und doch: Spekulative Risiken darf jede Frau, jeder Mann eingehen. Für die Regulierung sind unsere Regierenden zuständig. Wichtig ist, dass man sich der Spekulation bewusst ist und wichtig ist, dass man dabei nicht von den Dienstleistern, die den Handel abwickeln, betrügerisch über den Tisch gezogen wird.

Verkürzt gesagt, es ist wie im Goldrausch. Wer das Grundstück gekauft hat, soll es tatsächlich auch besitzen, wenn er dort kein Gold findet, sein Pech. Wer die Spitzhacke gekauft hat, soll sie auch bekommen – und der Stiel sollte nicht sofort brechen.

Das sollten die Marktteilnehmer und die Regulierer sicherstellen.

Schön an diesen seriösen digitalen Grundstücksmaklern und Werkzeughändlern: Auch viele andere normale Geschäftspraktiken bei der Geldanlage werden im Kern möglich. Ich kann bei einem solchen Institut dann einen klassischen Sparplan auf Bitcoins eintüten, also jeden Monat 50 Euro in Bitcoin eintauschen und in meiner Wallet hinterlegen.

Ich kann einen Kurs festlegen, zu der ich solche Bitcoins maximal kaufen würde und wenn der Kurs zu hoch liegt, wird meine Kauforder eben auftragsgemäß nicht ausgeführt.

Vielleicht kann ich mit Bitcoin künftig auch noch hier und da bezahlen, so wie heute mit Gold. PayPal, einst von Peter Thiel mitgegründet, hat das in den USA inzwischen möglich gemacht, in dem es das digitale Guthaben bei einer Transaktion sofort in herkömmliches Geld umtauscht, hier in Dollar (»Check-out with Crypto«).

Was bedeutet das nun praktisch für Sie als Spekulantin, als an Kryptowährungen interessierte Anleger ? Hier mein Rat:

  • Legen Sie nur Geld in Krypto an, dessen Verlust Sie jederzeit verschmerzen können. Also Geld, dass sie sonst zur Lottobude, auf die Rennbahn oder in ein teures Restaurant tragen würden.

  • Kaufen Sie damit nur reale Bitcoins oder wahrscheinlicher Bruchstücke davon. Aber keinesfalls irgendwelche Derivate.

  • Für den Bitcoin-Kauf auf einer der seriösen Plattformen müssen Sie sich legitimieren. Das läuft genauso wie bei einer klassischen Kontoeröffnung – zum Beispiel mit Videoident.

  • Auf der Plattform richten Sie normalerweise ein Verrechnungskonto ein oder zahlen auf ein Sammelkonto der Plattform. Manchmal können Sie auch mit PayPal oder Ihrer Kreditkarte einzahlen, das kostet oft mehr Gebühren als die klassische Überweisung.

  • Beim Kauf selbst sollten Sie darauf achten, welchen Zahlen Sie eintippen. Ein ganzer Bitcoin kostet aktuell rund 38.000 Euro. Wenn Sie die 38 Euro vom Lotto einsetzen wollen, entspricht das 0,001 Bitcoin. Bitte nicht beim Komma verrutschen.

  • Vor dem Kauf bekommen Sie zum Beispiel bei Nuri eine ordentliche Abrechnung, bitte unbedingt kontrollieren.

  • Weit nach dem Kauf: Wenn sich ein Erfolg ihrer Spekulation abzeichnen sollte, das heißt, wenn Sie tatsächlich Kursgewinne damit machen, beachten Sie die Steuerregeln. Innerhalb des ersten Jahres müssen Sie Gewinne als Spekulationsgewinne versteuern, nach einem Jahr nicht mehr . Gute Handelsplattformen bieten Ihnen dafür sogar eine Steuerübersicht an.

  • Wenn Sie ein Konto bei einer der Institutionen haben, passen Sie auf, dass Sie Ihre Zugänge für dieses Konto nicht aus der Hand geben.

  • Bei den drei Institutionen, die meine Kollegen bei »Finanztip« empfehlen, können Sie Ihre Bitcoins später auch jederzeit auf Ihre eigene Wallet, Ihre eigene elektronische Brieftasche, übertragen. Das geht nicht bei allen Brokern. Als persönliche elektronische Brieftasche (Wallet) infrage kommen Ihr eigener Rechner, das Smartphone oder ein externes Speichermedium, das aussieht wie ein USB-Stick. Sie können auch einen speziellen Account im Internet eröffnen – und diesen als Wallet nutzen. Mit einer Internetverbindung können Sie dann von überall darauf zugreifen. Wenn jemand allerdings Ihr Konto knackt… 

  • Falls Sie Ihre Bitcoins in einer eigenen Wallet aufbewahren, müssen Sie darauf achten, dass sie Ihren Code nicht verlieren. Die Zugangsdaten zu Ihrer Wallet können Sie memorieren oder in einem Password-Manager auf Ihrem Rechner oder Smartphone aufheben. Natürlich auch in einem Safe oder Bankschließfach. Wäre ja schade um die Bitcoins, wenn Sie Ihr Password vergessen haben. Es gibt immer wieder Berichte über Bitcoin-Millionäre, die den Zugang zu Ihrer Wallet nicht mehr finden .

Alles Gute bei der Spekulation. Und sollten Sie beim Spekulieren gerade große Gewinne gemacht haben, können Sie überlegen, ob Sie einen Teil davon der Ukrainehilfe spenden wollen. Hier entlang: https://donate.thedigital.gov.ua/ 

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung haben wir vom Anbieter Bitwala geschrieben. Dieser hat sich in Nuri umbenannt. Wir haben das entsprechend angepasst.