Ökologische Landwirtschaft EU-Agrarminister einigen sich auf Bioquote von 25 Prozent

Jeder vierte Quadratmeter Ackerfläche soll künftig für Biolandwirtschaft genutzt werden. Für Millionen Tiere könnte das weniger Leid bedeuten. Doch viele Länder haben Aufholbedarf – auch Deutschland.
Ein Schwein auf einem Bio-Hof: Mehr Fläche, weniger Leid?

Ein Schwein auf einem Bio-Hof: Mehr Fläche, weniger Leid?

Foto: Mohssen Assanimoghaddam/ dpa

Die EU-Länder wollen einen deutlichen Ausbau der Biolandwirtschaft vorantreiben. Die zuständigen Ministerien der EU-Länder einigten sich auf Schlussfolgerungen, die unter anderem vorsehen, dass bis 2030 ein Viertel der Agrarfläche in der EU für Biolandwirtschaft genutzt werden soll.

Einen entsprechenden Aktionsplan mit diesem Ziel hatte die EU-Kommission bereits im Frühjahr vorgeschlagen, die EU-Länder haben diesen nun offiziell begrüßt. Am Abend wollten sich die Staaten zudem über gleich drei Initiativen für mehr Tierwohl austauschen. Dabei ging es um Käfighaltung, Putenmast und das sogenannte Kükenschreddern.

Die Beschlüsse zur Biolandwirtschaft könnten für die Bundesrepublik bedeuten, dass bei den nationalen Zielen noch einmal nachgebessert werden muss. Erklärtes Ziel der Bundesregierung war es zuletzt, dass bis 2030 20 Prozent der Agrarfläche nach Bio-Standards bewirtschaftet werden. Ganz so deutlich wurde dies am Montag jedoch nicht gesagt, es hieß nur, dass sich »zusätzliche Impulse« für den nationalen Aktionsplan ergäben. Dabei wurde auch angesprochen, wie der Ausbau gelingen könnte.

Sie sehe etwa großes Potenzial in Bereichen wie Kitas, Schulen Krankenhäusern, sagte Staatssekretärin Beate Kasch, die Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) bei dem Ministertreffen vertrat. Dort könnten mehr Bio-Produkte verwendet werden.

Aktuellen Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums zufolge lag der Anteil der Biolandwirtschaft – gemessen an der Fläche – im vergangenen Jahr bei 10,3 Prozent, Ende 2019 bei 9,7. Derzeit bestehen in den EU-Ländern große Unterschiede, was den Anteil der Biolandwirtschaftsfläche betrifft.

Österreich übererfüllt nach Angaben von Ministerin Elisabeth Köstinger bereits das vorgegebene Ziel mit einem Anteil von 26 Prozent. Schlusslichter sind Daten der Statistikbehörde Eurostat von 2019 zufolge Malta (0,5 Prozent) gefolgt von Irland (1,6) und Bulgarien (2,3). Deutschland lag damals mit 7,7 Prozent im unteren Mittelfeld.

EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski zeigte sich angesichts der Teilnahme von US-Agrarminister Tom Vilsack zudem erfreut darüber, dass die USA nun mit Blick auf die Biolandwirtschaft ähnliche Ansätze wie Europa verfolgten.

Am Abend sollte zudem über eine gemeinsame Initiative von Frankreich und Deutschland gesprochen werden, die ein EU-weites Verbot des Tötens männlicher Küken vorsieht. Beide Länder fordern die EU-Kommission dazu auf, dieses einzuleiten.

Durch das sogenannte Kükenschreddern werden jährlich mehr als 40 Millionen männliche Küken getötet, nachdem sie geschlüpft sind. Grund: Die als Legehennen gezüchteten Rassen setzen kaum Fleisch an und sind für die Mast ungeeignet. Für deutsche Betriebe dürfte sich durch die Initiative wenig ändern: Das millionenfache Töten männlicher Küken wird in Deutschland ab Anfang kommenden Jahres verboten.

Zudem unterstützt die Bundesrepublik einen Vorstoß der Kommission, 2023 einen Vorschlag zum Verbot von Käfighaltung vorzulegen. Die Vorschriften könnten dann bis 2027 in Kraft treten. Die Kommission war nach einer erfolgreichen Bürgerinitiative tätig geworden. Dieser zufolge leben in Deutschland noch mehr als 8,2 Millionen Tiere in Käfigen, was einem Anteil von 14 Prozent der Nutztiere entspreche. Und auch in der Putenmast soll es Verbesserungen geben. Bislang fehle es in diesem Bereich an spezifischen Mindestanforderungen.

mic/dpa
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