Viehzucht Tierwohl-Initiative hat schon zum Start Geldprobleme

Viehzüchter investieren in artgerechtere Haltung, der Handel beteiligt sie dafür am Umsatz - so soll die Initiative Tierwohl funktionieren. Allerdings ist das Bündnis laut einem Zeitungsbericht unterfinanziert und zerstritten.
Schweine in Mastbetrieb (in NRW): Nur für die Hälfte ist Geld da

Schweine in Mastbetrieb (in NRW): Nur für die Hälfte ist Geld da

Foto: Friso Gentsch/ dpa

Die private Tierwohl-Initiative von Einzelhandel und Landwirtschaft steckt offenbar schon zum Start in Schwierigkeiten. Für die erste Phase stehen statt der benötigten 120 Millionen Euro Förderung lediglich rund 60 Millionen Euro zur Verfügung, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") unter Berufung auf Insider und interne Protokolle. Fleischwirtschaft und Handel sind sich demnach uneins, wer die Geldlücke schließen soll.

Bei den Landwirten kommt das Konzept anscheinend gut an, dem Bericht zufolge haben sich bereits 4730 Betriebe registriert. In der ersten Phase der Initiative sollten Schweinezüchter gefördert werden. Viele dieser Betriebe seien bereits in Vorleistung gegangen, nun drohten sie auf ihren Kosten sitzen zu bleiben, sagte der Generalsekretär des Bauernverbands, Bernhard Krüsken, der "SZ".

Bei der Tierwohl-Initiative sollen die Lebensmittelhändler einen Teil des Umsatzes, den sie mit Fleisch erzielen, an Viehzüchter weitergeben. Die wiederum verpflichten sich, in Maßnahmen zu investieren, die das Tierwohl verbessern - zum Beispiel garantiertes Tageslicht in jedem Abteil oder mehr Platz im Stall. Start der Initiative war zu Beginn des Jahres, seitdem zahlen die Händler bereits in einen Tierwohlfonds ein.

Allerdings war die Tierwohl-Initiative im Vergleich zum ursprünglichen Konzept drastisch beschnitten worden. Statt geplanter 20 Cent pro verkauftem Kilo Fleisch gibt der Einzelhandel nun nur noch vier Cent pro Kilo an die Landwirte weiter, insgesamt 255 Millionen Euro in drei Jahren. Seitens des Handels sind alle großen Ketten vertreten: Außer Vollsortimentern wie Edeka, Rewe, Kaufland oder Real auch die Discounter Aldi, Lidl, Penny und Netto.

Dem Bericht zufolge hat sich bislang nur Lidl bereit erklärt, mehr Geld als vereinbart zu zahlen - unter der Bedingung, dass auch die Konkurrenz mitzieht, die sich jedoch ziert. Zwischen den Händlern und den Landwirten soll seit Wochen Streit darüber toben, welche Seite für den Fehlbetrag aufkommen soll. Es soll auch Vorschläge geben, die Kriterien für die tiergerechtere Haltung aufzuweichen. Die Initiative selbst bestritt auf Anfrage der Zeitung ein Zerwürfnis und sprach von einem "zielorientierten Verhandlungsprozess".

fdi
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