Schmidt stellt Grünbuch vor Agrarminister plant Siegel für glückliche Tiere

Auf der Weide grasende Kühe, freilaufende Hühner, im Matsch wühlende Schweine - solche Bilderbuchidylle ist kaum noch zu finden. Agrarminister Schmidt will das nun mit einem Tierwohl-Label ändern. Wie, verrät er aber nicht.

Bundesagrarminister Schmidt (mit Grünbuch)
DPA

Bundesagrarminister Schmidt (mit Grünbuch)


Das "Grünbuch Ernährung, Landwirtschaft, Ländliche Räume" ist so etwas wie ein Wunschzettel; Agrarminister Christian Schmidt nannte es bei der Vorstellung in Berlin einen Fahrplan für die kommenden Jahre. Auf 52 Seiten listet das Grünbuch auf, wie Ernährung und Landwirtschaft in Deutschland nach Schmidts Meinung sein sollten: Gesund, sicher, leistungsstark, nachhaltig sind die wichtigsten Schlagworte.

Der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft hat zwar jüngst noch einmal seine Liebe zum Fleischessen kundgetan und angekündigt, verwirrende Kennzeichnungen vegetarischer Produkte ("vegane Currywurst") zum Schutz der Verbraucher zu verbieten. Der anhaltenden Kritik an den Zuständen in der Massentierhaltung kann aber auch Schmidt sich nicht entziehen und plant jetzt ein staatliches Tier-Wohl-Label für Lebensmittel.

Das Label solle die Qualität anstelle des Preises in den Mittelpunkt rücken, sagte der CSU-Politiker am Freitag. Der Wettbewerb für Nahrungsmittel in Deutschland sei relativ schwierig, er hoffe auf eine "Abkehr vom reinen Preiswettbewerb hin zu einem Qualitätswettbewerb". In dem Grünbuch heißt es, das staatliche Label solle "eine verständliche und einfache Kaufentscheidungshilfe" bieten. Es wird demnach mehrere Stufen haben und soll einen "signifikanten Marktanteil" erreichen.

Allerdings ist bisher noch nicht bekannt, welche Kriterien Tierhalter und Schlachthöfe erfüllen müssen, um das Siegel zu bekommen. Einzelheiten will Schmidt offenbar im Januar auf der Grünen Woche in Berlin präsentieren. Davor werde er noch "intensive Gespräche" mit den Beteiligten führen, sagte Schmidt. Die bereits bestehende Brancheninitiative Tierwohl sehe er aber nur als "Baustein", nicht als eine Alternative.

Im Konflikt zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft forderte der Minister, eine Diskussionskultur "für besseres Verständnis und mehr Akzeptanz" zu entwickeln - vor allem offenbar für die konventionellen Bauern. Die Landwirtschaft dürfe nicht "Opfer politisch-ökologischer Glaubenskriege" werden, sagte Schmidt.

Bauern sollen vor Großinvestoren geschützt werden

Konkreter wird das Grünbuch in der Frage, wie Bauern angesichts rasant steigender Ackerpreise vor Großinvestoren geschützt werden können. "Dazu gehört eine bevorzugte Berücksichtigung von praktizierenden Landwirten beim Flächentransfer", heißt es in der Publikation. Er wolle dem Verlust regional verankerter, familiengeführter bäuerlicher Betriebe entgegenwirken, sagte Schmidt.

Er kündigte an, mit den Bundesländern darüber zu sprechen, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen so gestaltet würden, dass die Umwandlung selbstständiger Höfe in Filialbetriebe oder die Übernahme durch überregionale Investoren verhindert werde.

Hintergrund sind die gestiegenen Preise für Ackerland, die in den vergangenen Jahren noch stärker kletterten als die für Eigenheime. In einigen Bundesländern hat der Preis sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht. Treiber sind auch Investoren ohne landwirtschaftlichen Hintergrund, die aufgrund der Niedrigzinsphase nach Anlagemöglichkeiten mit sicherer Rendite suchen.

So machte jüngst ein Geschäft des Versicherungskonzerns Münchener Rück Schlagzeilen. Er hatte der inzwischen insolventen KTG Agrar eine Gesellschaft abgekauft, in der landwirtschaftliche Flächen gebündelt waren.

nck/dpa/Reuters

insgesamt 22 Beiträge
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mattoregiert 30.12.2016
1. Im Schweinstall
sollte er mal mit Gleichgesinnten eine Nacht verbringen ,dann wüßte er wie glücklich er und seine Schweine sein können ! Der Fleischwirtschaft wird es wie der Automobibilindustrie ,dem Stahl ,der Kohle ,....alles vergänglich ! Um den Prozeß zu beschleunigen empfehle ich die Einführung einer Güllesteuer !
Knackeule 30.12.2016
2. Noch'n Label
Noch ein Lebensmittel-Label mehr zu den Dutzenden, die wir heute schon haben und bei deren Vielzahl wohl nur die wenigsten noch durchblicken. Aber die einfachen und für jeden verständlichen Ampel-Etiketten zur Kennzeichnung von gesunden und weniger gesunden Lebensmitteln wurde von der Lebensmittel-Lobby verhindert. Danke Herr Minister. Lange nichts von Ihnen gehört. Brauchen wir eigentlich einen eigenen Bundes-Agrarminister, oder könnte den Job auch der Bauern-Präsident mit erledigen ? Stichwort: Kosteneinsparung !
joking_hazard 30.12.2016
3. Natürlich alles zum Wohle des Konsumenten
Wer schützt uns eigentlich vor Desinformation, Fake-Facts und gezieltem Statistikmissbrauch durch Wirtschaftsverbände und Industriekonzerne?
cd2 30.12.2016
4. Gute Nachricht, falsches Bild.
Ein Label dieser Art war lange fällig. Noch besser wäre es, die Artikel zu markieren, die Bestandteile aus den Tierfabriken enthalten. Eine "enthornte" Kuh als Bild für ein glückliches Tier zu verwenden zeugt von Unkenntnis. Jede Kuh hat von Natur aus Hörner. Um die Tiere aber besser in die Halsgitter zu klemmen und mehr auf die Viehtransporte zu laden, werden die Hornansätze den Tieren im Babyalter elektrisch ausgebrannt. Ohne Betäubung. Die Empfindlichkeit entspricht den Fingernägeln.
secret77 30.12.2016
5.
Man kann als Verbraucher seine ´Konsumgewohnheiten ändern, man kann auch selbst einem Bundesminister eine email schreiben: christian.schmidt.wk@bundestag.de DieTel Nr gibt es auch auf seiner Kontakt Seite. Gute Manieren und Sachlichkeit erhöhen den Wirksamkeitsfaktor exorbitant;)
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