Uno-Studie Ein Siebtel der Lebensmittel verdirbt zwischen Ernte und Handel

Mehr als 820 Millionen Menschen leiden weltweit Hunger - und gleichzeitig gehen riesige Mengen Lebensmittel bereits auf dem Weg zum Verbraucher verloren. Eine Studie zeigt nun das Ausmaß der Misere.

Großmarkt Hamburg: Eine Menge Lebensmittel gehen bereits verloren, bevor sie hier ankommen
Bodo Marks / DPA

Großmarkt Hamburg: Eine Menge Lebensmittel gehen bereits verloren, bevor sie hier ankommen


Weltweit geht eine große Menge an Lebensmitteln verloren, bevor sie überhaupt die Verbraucher erreichen - also zwischen der Ernte und dem Erreichen des Einzelhandels. Betroffen sind vor allem Obst und Gemüse. Das geht aus einem Bericht der Welternährungsorganisation FAO hervor.

Der Studie der Uno-Sonderorganisation zufolge verderben 14 Prozent aller Lebensmittel während der Produktion. Die FAO wertete Daten aus dem Jahr 2016 aus und stellt große regionale Unterschiede fest: In Zentral- und Südasien liegt die Verlustrate demnach mit mehr als 20 Prozent am höchsten. In Europa und Nordamerika sind die Verluste mit 16 Prozent ebenfalls über dem Durchschnitt. In Nordafrika und im westlichen Asien gehen etwa zwölf Prozent verloren, in Australien und Neuseeland sind es nur rund sechs Prozent.

Der Bericht nennt mehrere Gründe für die Verluste. Dazu gehören falsche Erntezeit und -techniken, klimatische Bedingungen, schlechte Lagerung und schlechter Transport.

Lebensmittelverluste zu vermeiden ist eines der Nachhaltigkeitsziele der Uno. Dieses soll dazu beitragen, die globale Lebensmittelversorgung zu sichern, Kosten zu senken und eine umweltverträglichere Produktionsweise zu erreichen.

Uno-Ziel gefährdet

Die Welternährungsorganisation unterscheidet zwischen "Verlusten" - wenn bei Produktion und Transport genießbare Lebensmittel verloren gehen - und "Verschwendung": Lebensmittel, die im Supermarkt oder von Verbrauchern weggeworfen werden.

Die hohe Verlustrate sei in mehrfacher Hinsicht ein großes Problem: "Das heißt, dass Land- und Wasserressourcen verschwendet wurden, dass Luftverschmutzung erzeugt wurde und Treibhausgase umsonst ausgestoßen wurden", sagte FAO-Direktor Qu Dongyu. Er frage sich, "wie wir es zulassen können, Lebensmittel wegzuwerfen, wenn mehr als 820 Millionen Menschen in der Welt jeden Tag Hunger leiden".

Das Uno-Nachhaltigkeitsziel sieht vor, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung in der Produktionskette zu verringern und bei Handel und Verbrauchern sogar zu halbieren. Angesichts der nun veröffentlichten Zahlen sieht die FAO dieses Ziel allerdings gefährdet.

Die Uno-Organisation stellt jedoch auch fest, dass der Kampf gegen Verluste und Verschwendung kompliziert sei. So könnte beides zum Beispiel durch bessere Kühllagerung und Verpackung reduziert werden - das aber könne wiederum zu höherem Energieverbrauch führen und mehr Plastikmüll produzieren.

rwi/fdi/dpa/AFP



insgesamt 3 Beiträge
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Mikrohirn 15.10.2019
1. Definiere "verdirbt"?
Die Empfindlichkeit in Frage "verdorbene Lebensmittel" ist zumindest in der 1. Welt enorm gestiegen. Was wir in den fünfziger/sechziger Jahren bedenkenlos und ohne negative gesundheitliche Konsequenzen verzehrt haben, verlässt heute nicht einmal den Acker, weil es der verwöhnte Kunde*in im Laden naserümpfend liegenlassen würde. Ich denke nicht, dass die 3. Welt mit dieser Sorte "verdorbener" Lebensmittel ein Problem hat. Am Transport liegt es also nicht, sondern daran dass die westlichen Augen mitessen und dass das Mindesthaltbarkeitsdatum mit dem Verfallsdatum verwechselt wird (siehe %Werte).
fatherted98 15.10.2019
2. unabwendbar....
...solche Dinge sind nicht steuerbar und bei der benötigten Massenproduktion unabwendbar. Der Hinweis auf hungernde Menschen ist natürlich rein polemisch....denn auch wenn die verdorbene Ware nicht verderben würde, hätte der Hungernde vor Ort keinen Bissen mehr im Mund. Vielmehr sollte die Frage gestellt werden, warum gerade aus Hungerstaaten dort erzeugte Lebensmittel exportiert werden und die eigene Bevölkerung trotz ausreichend vorhandener selbst produzierter Lebensmittel, hungern muss. Das hat rein gar nichts mit dem Verbraucher hier zu tun, sondern mit korrupten Machthabern vor Ort die ihre eigene Bevölkerung darben lassen um sich an den Gewinnen der Exporte zu bereichern.
Hans-Dampf 15.10.2019
3.
Wenn's um Nahrungsmittel geht, hört man einen Aufschrei, wenn ca. 15% zwischen Ernte und Handel unbrauchbar werden. Wenn jedweder Transport so erfolgreich ablaufen würde, würden viele Händler die Hände klatschen. Frei nach dem Motto: Schwund ist immer.
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