»Das Fleischproblem ist außer Kontrolle geraten« Argentinien verbietet Rindfleisch-Exporte

In Argentinien kündigt sich ein Konflikt an, dessen Folgen auch in Deutschland zu spüren sein könnten: Argentiniens Regierung stoppt alle Fleischexporte ins Ausland, die wütenden Firmen kontern mit dem Stopp aller Verkäufe im Inland.
Metzger in Buenos Aires (Archiv)

Metzger in Buenos Aires (Archiv)

Foto: JUAN MABROMATA / AFP

Das Fleisch argentinischer Rinder steht fast überall hoch im Kurs – sowohl im Land selbst, als auch in Übersee. Das allerdings könnte nun zu einem Problem werden. Die Regierung des südamerikanischen Landes will verhindern, dass die hohe Nachfrage aus dem Ausland die Fleischpreise auch im Inland immer weiter in die Höhe treibt – und hat deshalb ein Exportverbot für sein berühmtes Rindfleisch verhängt, befristet auf 30 Tage.

Der Schuss könnte allerdings gewaltig nach hinten losgehen. Denn praktisch zeitgleich ließ die Fleischindustrie des Landes wissen, sie denke gar nicht daran, die Fleischmenge für den inländischen Markt zu erhöhen. Im Gegenteil: Sie kündigte an, sie werde aus Protest eine Woche lang kein Rind- und Kalbsfleisch mehr verkaufen. Dieser Streik beginne um Mitternacht.

Die Regierung hatte den Exportstopp am Montag verhängt, um »spekulative Geschäfte und Zollvermeidung zu verhindern«. Präsident Alberto Fernández sagte am Dienstag im Sender Radio 10, die Regierung könne den Preisanstieg für Rindfleisch nicht hinnehmen – das Land leide bereits unter drei Jahren Rezession und den Folgen der Corona-Einschränkungen.

Schwere Wirtschaftskrise in Argentinien

»Das Fleischproblem ist außer Kontrolle geraten«, sagte Fernández. Der Preis steige jeden Monat, und das seiner Meinung nach »ohne Grund«. »Wir müssen das unter Kontrolle bringen.«

Argentinien hat aktuell eine der höchsten Inflationsraten der Welt, die Preise stiegen im April im Vorjahresvergleich um 46,3 Prozent. Der Preis für Rindfleisch stieg laut dem Institut für die Förderung von Rindfleisch sogar um 65,3 Prozent im Vergleich zum April 2020.

Die Argentinier sind Rindfleischliebhaber: Ihr Konsum lag 2019 laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bei 38 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Damit lagen sie an erster Stelle weltweit, weit vor den US-Bürgern mit 26 Kilogramm pro Kopf auf Platz zwei.

Gleichzeitig ist das Land einer der größten Exporteure von Rindfleisch weltweit. Im vergangenen Jahr führte Argentinien Rindfleisch und Rindsleder im Wert von umgerechnet 2,8 Milliarden Euro aus, vor allem nach China, Deutschland und Israel.

beb/afp
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