Lebensmittelkennzeichnung Und welches Nährwertlogo hätten SIE gern?

Auf einen Blick sehen, wie gesund ein Lebensmittel ist - das wollen viele Verbraucher. Nun startet das Agrarministerium eine Befragung zu vier verschiedenen Modellen. Welches ist Ihr Favorit?

Nährwertlogos in der engeren Auswahl
Christophe Gateau/DPA/ MRI / BLL

Nährwertlogos in der engeren Auswahl


Seit Jahren wird sie von Verbraucherverbänden gefordert, bislang vergeblich - eine einheitliche und klare Kennzeichnung des Nährwertgehalts von Lebensmitteln. Doch nun nähert sich die Entscheidung über einen Standard: Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hat eine Verbraucherbefragung gestartet, bei der vier verschiedene Nährwertlogos zur Wahl stehen.

Im Juli und August sollen die Modelle erst in Gruppenbefragungen und dann in einer großen Umfrage mit mindestens tausend Teilnehmern auf Verständlichkeit und Akzeptanz getestet werden. Das Ergebnis wird für September erwartet - und soll laut Klöckner auch maßgeblich dafür sein, welches Modell die Bundesregierung zur freiwilligen Nutzung auf Packungen empfiehlt.

Freiwillig deshalb, weil in der EU den einzelnen Mitgliedstaaten eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht auf nationaler Ebene verboten ist. Wichtig ist eine Entscheidung der Bundesregierung dennoch, denn Klöckner kann bei der EU-Kommission eine Erlaubnis für eine bestimmte Kennzeichnung einholen - ansonsten droht das zu passieren, was der Hersteller Iglo gerade erfahren hat, als er das Nutri-Score-Logo nutzen wollte: Er kassierte eine einstweilige Verfügung, die ihm die Nutzung untersagte, weil das Logo angeblich gegen die EU-"Health Claims Verordnung" verstoße.

Bei allen vier Modellen ist das Ziel klar: Es geht um gesündere Ernährung und weniger Übergewicht nicht nur bei Kindern. Bisher sind auf dem europäischen Markt für Lebensmittel schon Nährwerttabellen mit Angaben auch zur Kalorienzahl Pflicht. Sie stehen aber meist klein gedruckt auf der Rückseite oder noch versteckteren Stellen der Packung. Eine Kennzeichnung, mit der man Produkte auf einen Blick vergleichen kann, sei daher ein Muss, argumentiert der Präsident des bundeseigenen Max-Rubner-Instituts für Ernährungsforschung (MRI), Pablo Steinberg.

Diese vier Logos sind nun im Rennen:


Christophe Gateau/DPA

Nutri-Score


Für das in Frankreich eingeführte System plädieren Verbraucherschützer und die SPD. Es bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine in eine Bewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an - in einer fünfstufigen Skala von "A" auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes "C" bis zu einem roten "E" für die ungünstigste. Das zutreffende Feld wird hervorgehoben.

Das Besondere bei Nutri-Score: Das Label ist in Frankreich schon weit verbreitet und auch Belgien, Spanien, Portugal und Luxemburg werden es einführen. Erste Produkte damit sind auch schon in deutschen Supermärkten zu kaufen. Denn Danone, Iglo, Bofrost und einige kleinere Produzenten haben beschlossen, ihre Verpackungen im laufenden Jahr in Deutschland damit zu kennzeichnen. Iglo ist es inzwischen allerdings gerichtlich untersagt worden.


Keyhole


In Skandinavien genutzt wird ein Logo, das die schwedische Lebensmittelbehörde vor 30 Jahren entwickelte. Es zeigt ein weißes Schlüsselloch auf grünem oder schwarzem Grund und ist eine reine Positivkennzeichnung - ausgewiesen werden also nur Produkte mit günstiger Bewertung. Desserts oder Süßigkeiten kommen daher gar nicht in Frage, wie das MRI in einer Untersuchung erläuterte.


BLL/BLL - Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V./obs

Modell der
Lebensmittelindustrie



Nur im Computer existiert ein Modell, das der Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft BLL vorlegte. Es hat fünf Kreise, in denen die Kalorien sowie der Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz pro 100 Gramm stehen. Ähnlich wie bei einer Tortengrafik zeigt eine hervorgehobene Fläche in jedem Kreis an, wie viel Prozent der täglichen Zufuhr der Verzehr von 100 Gramm bedeutet - je mehr, desto größer die Fläche. Basis ist eine EU-weit festgelegte Referenzmenge von insgesamt 2000 Kalorien pro Tag für einen durchschnittlichen Erwachsenen. Diese farbige Fläche soll im Kreis zur Kalorienzahl hellblau sein, in den anderen Kreisen lila.


MRI

Modell der
Ernährungsforscher



Auf Bitten des Ministeriums hat auch das MRI ein System entwickelt. Es zeigt Salz, Zucker und Fett pro 100 Gramm in separaten Waben an, die bei niedrigem Gehalt jeweils blaugrün gefärbt sind. Das soll Menschen etwa mit Diabetes oder Bluthochdruck auch eine speziellere Orientierung geben. Daneben zeigt eine große Wabe eine Gesamtbewertung. Je günstiger sie ausfällt, desto mehr der fünf Flächen bekommen einen schwarzen Stern und werden blaugrün ausgefüllt.

fdi/dpa

insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
P. Spring 05.07.2019
1. Abstimmungsmöglichkeit fehlt
Wenn die Überschrift schon lautet "Und welches Nährwert-Logo hätten SIE gern?", dann würde ich auch gern abstimmen können. Ich wage zu prophezeien, dass der Nutri-Score am besten abschneidet und hoffe, dass Frau Klöckner ihre Position überdenkt.
Michi_S. 05.07.2019
2. Das Modell...
... der Ernährungsforscher sagt mir tatsächlich am meisten zu, da es nicht zu runtergebrochen wirkt, sondern schön differenziert die einzelnen Werte, mit zugehöriger Bewertung angibt.
cassandra.randra 05.07.2019
3. Wo ist der Link?
"Auf einen Blick sehen, wie gesund ein Lebensmittel ist - das wollen viele Verbraucher. Nun startet das Agrarministerium eine Befragung zu vier verschiedenen Modellen. Welcher ist Ihr Favorit?" Und wo ist der Link auf die Befragung des Agrarministeriums?
ewigwunderer 05.07.2019
4. Aufgeklärte Käufer braucht das Land
Lebensmittel-Ampeln sind eine schöne Sache aber schon jetzt kann der Käufer wissen für was er sich entscheidet. Man muß nur genauer hinsehen. Die Lebensmittel-Branche hat nicht das Ziel den Bürger gesund zu ernähren sondern möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Und raffinierte Zuckerstoffe sind eine billige Zutat. Die Folgen einer Fehlernährung zahlen alle Bürger über höhere Krankenkassenbeiträge.
hannibalanteportas 05.07.2019
5. Kombination
Ich fände die Kombination der farblichen Unterscheidungen des Nutri-Scores mit den Waben-Angaben des letzten Modells sinnvoll. Ich möchte die Entscheidung einer bestimmten Kategorisierung auch nachvollziehen können, was mir bei einer reinen "Ampel" etwas fehlt. Gleichzeitig ist diese farbliche Kodierung intuitiv eingängig. Beim Wabenmodell ist das Plus an Info sehr wichtig, da sich daraus schneller und exakter die Entscheidung der Kategorisierung nachvollziehen lässt. Aber bei den Einzelwerten nur in "wenig vs. viel" zu unterscheiden finde ich zu ungenau. Also bunte Waben mit einer abschließenden Ampel-Bewertung bitte...
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