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25. September 2009, 18:52 Uhr

Lebensmittel

Einkaufsweg für Klimaschutz wichtiger als Herkunft der Produkte

Gar nicht so einfach: Wer mit dem Auto zum Einkaufen fährt, kann seine Klimabilanz auch durch den Kauf regionaler Produkte kaum noch aufbessern. Das zeigt eine Studie. Auch bei anderen Lebensmitteln gilt: Nicht alles, was umweltfreundlich wirkt, ist es auch.

Heidelberg - Beim Einkaufen ist der Weg zum Supermarkt für den Klimaschutz entscheidender als die Herkunft der Lebensmittel: Fahren Verbraucher auch für kleinere Einkäufe oft mit dem Auto, spielt die Herkunft aus der Region "nur noch eine untergeordnete Rolle", teilte das Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) am Freitag in Heidelberg mit. Dennoch sei die Klimabilanz regionaler Produkte meist vorteilhafter.

Bei der Klimabilanz von Lebensmitteln sei der Verbraucher mit seinem täglichen Einkaufsverhalten die "wichtigste Einflussgröße", schrieb das Institut in einer Studie. Damit die Umweltvorteile regionaler Lebensmittel tatsächlich zum Tragen kämen, sollten Verbraucher deswegen verstärkt auf Großeinkäufe setzen, anstatt mit dem Auto häufiger für kleinere Besorgungen loszufahren.

Auch sei es von Vorteil, die Einkäufe auf Strecken einzuplanen, die ohnehin häufig zurückgelegt würden, oder die Einkäufe mit dem Fahrrad sowie zu Fuß zu erledigen, erklärte das IFEU.

Grundsätzlich schnitten regionale Lebensmittel mit ihrer Klimabilanz in aller Regel aber besser ab als überregionale Produkte oder gar Waren aus dem Ausland. Jedoch müssten Verbraucher neben der Frage, ob sie mit dem Auto zum Einkaufen fahren, weitere Faktoren beachten, damit die Klimavorteile regionaler Waren zum Tragen kämen.

Brot aus Backfabriken klimafreundlicher

So sei etwa bei Kopfsalat die Jahreszeit, in der er angebaut werde, der ausschlaggebende Klimafaktor. Regionaler Salat liege dann in der Klimabilanz vorn, wenn er im Frühjahr oder Sommer angebaut werde. Bei Äpfeln schneide regional vermarktetes Obst von Streuobstwiesen grundsätzlich besser ab als Früchte von überregionalen Plantagen. Insgesamt jedoch seien deutsche Äpfel - auch solche von der Plantage - für den Klimaschutz in jedem Fall besser als etwa Ware aus Neuseeland.

Auch Brot aus großen Backfabriken sei von seiner Klimabilanz her deutlich besser als Ware aus kleinen Bäckereien, weil die Industriebetriebe in aller Regel "deutlich energieeffizienter" arbeiteten. Jedoch erklärte das IFEU, dass für verantwortliche Kaufentscheidungen neben der reinen Energiebilanz "auch weitere Motive eine Rolle spielen wie zum Beispiel die bewusste Unterstützung eines regionalen Betriebs".

Das IFEU untersuchte im Auftrag der Universität Rostock insgesamt sechs Produkte auf ihre Klimaverträglichkeit. Neben Kopfsalat waren dies Äpfel, Brot, Rindfleisch, Bier und Milch. Dabei handelte es sich ausschließlich um Waren aus konventioneller Landwirtschaft, nicht aus Bio-Anbau.

böl/AFP

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