Nachhaltigkeit Verbraucher kaufen deutlich mehr Biolebensmittel

Ein Plus von fast zwölf Prozent: Beim Einkaufen im Supermarkt greifen Menschen in Deutschland immer öfter zu Lebensmitteln in Bioqualität. Davon profitieren vor allem bekannte Marken.
Bioäpfel im Reformhaus: Inzwischen bieten auch Discounter Biomarkenprodukte an

Bioäpfel im Reformhaus: Inzwischen bieten auch Discounter Biomarkenprodukte an

Foto: Inga Kjer/ picture alliance / Inga Kjer/dpa

Noch vor wenigen Jahren waren Biomarken wie Demeter oder Bioland vor allem Menschen bekannt, die regelmäßig im Reformhaus oder im Fachmarkt einkaufen. Inzwischen bieten auch große Supermarktketten Biolebensmittel an - denn das Interesse der Verbraucher wird immer größer. Nach Angaben des Bundes für Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) stieg der Umsatz des Lebensmittelhandels mit Biolebensmitteln und Getränken im vergangenen Jahr um 11,4 Prozent auf mehr als sieben Milliarden Euro. 

Besonders traditionelle Biomarken profitieren von dem Boom: "Die Umsätze mit Markenprodukten wuchsen 2019 um 17 Prozent", sagte Nahrungsmittelexpertin Christina Walz vom Marktforschungsunternehmen Nielsen. "Die Eigenmarken legten dagegen nur um sechs Prozent zu." Die Folge: Markenprodukte erhöhten Nielsen zufolge ihre Marktanteile im vergangenen Jahr deutlich.

Discounter weiten Bioangebot aus

Bio ist damit einer der wenigen Bereiche, in dem Lebensmittelhändler noch echtes Wachstum erzielen können. Sonst kämpft die Branche seit geraumer Zeit mit stagnierenden Absatzzahlen. Gerade die Discounter weiten deshalb ihr Bioangebot aus. Sie haben laut Nielsen den Umsatz mit Biomarkenartikeln in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdreifacht - und setzen verstärkt auf Markenartikel.

Bei Aldi Süd machen Biolebensmittel nach Unternehmensangaben mittlerweile 7,7 Prozent des Umsatzes mit Lebensmittel-Eigenmarken aus. Bei Aldi Nord sind es 5,7 Prozent. Im vergangenen Jahr nahm der Discounter zudem zahlreiche Produkte der Traditionsmarke Schneekoppe in sein Angebot auf.

Lidl setzt auf Bioland, Kaufland auf Demeter

Der Erzrivale Lidl startete vor gut einem Jahr eine Zusammenarbeit mit dem angesehenen Bioland-Verband - viele kritisierten Bioland  dafür (Lesen Sie hier, wie der Bioland-Chef die Entscheidung im Interview begründete). Seitdem findet sich bei Lidl eine wachsende Zahl von Produkten mit dem Bioland-Siegel, das bescheinigt, dass der Hersteller Richtlinien einhält, die über EU-Vorgaben hinausgehen.

Der Schritt scheint sich für Lidl gelohnt zu haben. "Unser Bio-Umsatz wächst im höheren zweistelligen Bereich, und Umfragen zufolge konnten wir Kunden von konventionellen Produkten zu Bio bewegen", sagte kürzlich Lidl-Manager Jan Bock und kündigte an, dass der Discounter künftig noch mehr Bioland-Produkte anbieten werde.

Der Großflächen-Discounter Kaufland setzt dagegen auf Demeter-Qualität und hat neben dem Eigenmarkensortiment inzwischen mehr als 220 Produkte im Angebot, die die Standards des ältesten deutschen Bio-Verbandes erfüllen. Erst in diesem Monat ergänzte Kaufland sein Bioangebot mit Demeter-Babynahrung der Marke Holle.

Edeka eröffnet Bio-Fachmärkte

Bei Edeka, Rewe und Co. spielen die bekannten Biomarken schon lange eine deutlich größere Rolle als bei den Discountern und gewinnen Nielsen zufolge ebenfalls weiter Marktanteile - allerdings nicht so stark wie bei den Discountern. Bei Rewe tragen außerdem inzwischen die Hälfte der eigenen Bioprodukte das Naturland-Siegel. Auch bei Naturland sind die Regelungen strenger als die EU-Bio-Richtlinien.

Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka verhandelt der "Lebensmittel Zeitung"  zufolge intensiv mit Demeter über Markennutzungsrechte. Außerdem startete Edeka Ende vergangenen Jahres in Hamburg und im fränkischen Dinkelsbühl die ersten Läden seiner geplanten Bio-Fachmarktkette Naturkind. Vor einigen Jahren war Rewe mit einem ähnlichen Konzept unter dem Namen Temma allerdings noch gescheitert.

kko/dpa
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