Lebensmittel Verbraucherschützer warnen vor der "Umfrucht"-Falle

Auf dem Label locken exotische Früchte, drinnen steckt aber vor allem gewöhnlicher Apfelsaft: Verbraucherschützer bemängeln die irreführende Verpackung vieler Lebensmittel. Vor allem bei Müsli und Getränken stießen die Tester reihenweise auf "Umfruchtungen".


Hamburg - Apfelmus statt Erdbeerstückchen, Cranberries statt Kirschen: Die Verbraucherzentrale Hamburg hat Konsumenten vor "Täuschungsmanövern" der Hersteller beim Auszeichnen von Lebensmitteln gewarnt. Bei Molkegetränken oder Müsliprodukten seien auf dem Etikett teilweise Früchte angezeigt, die sich nur in kleinen Mengen oder in anderer Form im Produkt befänden, teilte die Verbraucherzentrale am Donnerstag mit. In anderen Fällen seien günstige Früchte durch die Zugabe von Aromastoffen als teurere Früchte ausgewiesen worden.

Nach zahlreichen Beschwerden von Konsumenten testeten die Verbraucherschützer bei einer Stichprobe zwölf Produkte. Bei allen Untersuchungen seien Mängel festgestellt worden, sagte Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale. So wurde bei einem als Sanddornsaft ausgewiesenen Getränk 48 Prozent Apfelsaft und lediglich zwölf Prozent Sanddornsaft gemessen.

In einem anderen Produkt, das mit "100 % Frucht Erdbeere" ausgewiesen war, wurden die vermeintlichen Erdbeerstücke den Angaben zufolge aus Apfelsaft, Apfelmus und Erdbeermus zusammengesetzt.

In einem als "Schoko Kirsch" ausgezeichneten Müsli befanden sich der Untersuchung zufolge mehr getrocknete Cranberriers als Kirschen. Diese Form des "Umfruchtens" sei für den Hersteller lukrativ, weil Cranberries im Vergleich zu Kirschen deutlich kostengünstiger im Einkauf seien, schreiben die Verbraucherschützer.

Ein als "Mango-Maracuja-Saft" bezeichnetes Getränk enthielt der Untersuchung nach einen Mango- und Maracujasaftanteil von nur 8,3 Prozent. Zu 26 Prozent bestand das Produkt aus Apfelsaftkonzentrat.

"Die große Illusion darf nicht zum Motto für das Essen der Zukunft werden", sagte Schwartau. Oft lasse sich nur durch das Lesen des Kleingedruckten herausfinden, was tatsächlich in einem Produkt enthalten sei. Der Gesetzgeber müsse dafür sorgen, dass auf der Schauseite des Produkts die wahre Zusammensetzung genannt und abgebildet werde, forderte Schwartau.

jok/dapd



insgesamt 36 Beiträge
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Europa! 03.03.2011
1. Eine vernünftige Initiative
Hier ist wohl wirklich der Gesetzgeber gefordert, denn das Kleingedruckte ist oft so trickreich formuliert, dass man beim Lesen gleich zum zweiten Mal reingelegt wird.Nicht nur die bunten Bilchen führen in die Irre. Lebensmittelfälscher gehören ins Gefängnis - auch wenn die Produkte nicht giftig, sondern bloß minderwertig sind. Bis dahin kauft man am besten bloß frisches Obst und mischt sich sein Müsli selbst.
Robert Hut, 03.03.2011
2. Strafbar
"In einem anderen Produkt, das mit "100 % Erdbeere" ausgewiesen war, wurden die vermeintlichen Erdbeerstücke den Angaben zufolge aus Apfelsaft, Apfelmus und Erdbeermus zusammengesetzt." Das ist doch reiner Betrug - also ein Fall für den Staatsanwalt, oder irre ich da? Und was soll das für ein Wort sein: "umfruchten"? Das ist doch sogar vorsätzlicher Betrug. Denn Betrug ist es, wenn man sich einen geldwerten Vorteil verschafft..
tamgarun 03.03.2011
3. Wer ist wichtig
Was soll das? Warum werden die Namen nicht genannt? So ist diese Information völlig nutzlos. Gerade die Nennung der Namen wäre von Nutzen, so dass man diese Produkte viel gezielter vermeiden kann und nicht nur die, sondern grundsätzlich Produkte von Herstellern, die solche Schwindelprodukte verkaufen. Aber genau daran hapert es bei unseren ganzen Systemen. Der gesamte Artikel sagt: Sie werden betrogen. Von wem sagen wir aber nicht, *ätschibätsch*
Achim 03.03.2011
4. Hmmm
Für die Angabe der Hersteller und der Produkte samt Fotostrecke haben Platz und Redaktionskapazität wohl nicht mehr gereicht?
günter1934 03.03.2011
5. *
Zitat von Robert Hut"In einem anderen Produkt, das mit "100 % Erdbeere" ausgewiesen war, wurden die vermeintlichen Erdbeerstücke den Angaben zufolge aus Apfelsaft, Apfelmus und Erdbeermus zusammengesetzt." Das ist doch reiner Betrug - also ein Fall für den Staatsanwalt, oder irre ich da? Und was soll das für ein Wort sein: "umfruchten"? Das ist doch sogar vorsätzlicher Betrug. Denn Betrug ist es, wenn man sich einen geldwerten Vorteil verschafft..
Ich esse manchmal ein Naturjoghurt. Ich käme aber nie auf die Idee, ein "Fruchtjoghurt" zu kaufen. Die sowieso selbstgekochte Marmelade untergerührt, da weiss man, was man hat.
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