AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 46/2017

Die Geldfrage Was tun, wenn meine Lebensversicherung verkauft wird?

Axa, Generali, Ergo: Versicherungskonzerne erwägen, ihre Lebensversicherungen an Finanzinvestoren oder Abwicklungsgesellschaften abzutreten. Wie sich Kunden verhalten sollten.

Zentrale der Ergo-Versicherung
DPA

Zentrale der Ergo-Versicherung


Inhaber von Lebensversicherungen brauchen derzeit starke Nerven. Immer mehr Versicherer denken darüber nach, ihre Lebensversicherungsbestände an Finanzinvestoren und spezialisierte Abwicklungsgesellschaften abzutreten: die Axa etwa, die Generali oder die Ergo-Versicherung.

Titelbild
Dieser Artikel ist aus dem SPIEGEL
Heft 46/2017
*AUFWACHEN! Warum China schon jetzt Weltmacht Nr. 1 ist - ein Weckruf für den Westen

Allein bei der Ergo wären rund sechs Millionen Policen betroffen. Das schreckt viele Kunden, wer wird schon gern abgewickelt? Aber wie dramatisch ist ein solcher Verkauf wirklich? Einige kleinere Unternehmen haben ihre Bestände bereits abgetreten - an Gesellschaften, hinter denen zum Teil Private-Equity-Firmen und Finanzinvestoren stecken.

Man sollte nicht allzu viel Menschenfreundlichkeit im Umgang mit den Kunden erwarten, es müssen ja keine neuen mehr geworben werden. Zu hoffen ist allerdings, dass die entsprechenden Firmen zumindest vorerst kein Interesse daran haben, die Öffentlichkeit zu verschrecken. Schließlich wollen sie weitere Bestände kaufen.

Prognosen der Ratingagentur Fitch zufolge dürfte bis 2022 ein Fünftel aller Lebensversicherungen in die Abwicklung gegangen sein. Es gibt also noch einiges zu erwerben, doch die Finanzaufsicht muss jeden Deal absegnen. Dazu haben die Abwicklungsgesellschaften Kostenvorteile, schon weil sie keinen Außendienst bezahlen. Das kommt auch den Kunden zugute. Nicht zuletzt haben viele Altverträge einen Garantiezins von bis zu vier Prozent. So viel Rendite bringt derzeit keine andere sichere Geldanlage.

Man sollte sich also erst einmal ansehen, wie der neue Hausherr sich benimmt, bevor man überstürzt seinen Vertrag kündigt. Das lohnt sich bei Lebensversicherungen fast nie.

Warum gibt es eine Hunde-, aber keine Katzensteuer? Liest die Bank meine Kontoauszüge? Sind Negativzinsen legal? Haben Sie auch Fragen zum Thema Geld, die viele interessieren? Dann schreiben Sie uns:
geldfrage@spiegel.de

Antworten gibt es im SPIEGEL (freitags ab 18 Uhr in der digitalen Ausgabe und ab Samstag am Kiosk) oder montags auf SPIEGEL ONLINE.



insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
stefangr 15.11.2017
1. Lebensversicherung ist doch eine Mogelpackung
Beim Abschluss wird das Blaue vom Himmel versprochen und am Ende kann man froh sein, sein Geld wieder zu sehen. Dann ist es eigentlich egal, wer den Kunden um seine Kröten bringt.
eifrigerleser 15.11.2017
2. Das war sie früher nicht!
Zitat von stefangrBeim Abschluss wird das Blaue vom Himmel versprochen und am Ende kann man froh sein, sein Geld wieder zu sehen. Dann ist es eigentlich egal, wer den Kunden um seine Kröten bringt.
In den heutigen Zeiten der Niedrigstzinsen sind solche Verträge Gold wert! Nicht nur, daß die Verzinsung recht hoch ist, sondern auch, weil es sich häufig um Altverträge handelt, die nicht dem Alterseinkünftegesetz unterliegen. Damit sind die lebenslangen Leibrenten steuerfrei.
urbanism 15.11.2017
3. das sollte verboten werden...
Nur wenn die Versicherungen erst einmal aus Europa raus sind, wer will da später Regress einklagen wenn die vertraglich Versprochenen Renditen und Auszahlungssummen nicht eingehalten werden und die entsprechenden Firmen, in deren Besitz diese Versicherungspapiere dann sind, nicht mehr ausfindig zu machen sind weil zig Briefkastenfirmen zwischen geschaltet wurden. Denn die Finanzaufsicht kann nur den ersten Verkauf überwachen wenn die Papiere weiterverkauft werden hat kein Mensch mehr die Kontrolle darüber. Solche Geschäfte müssen Verboten werden weil der Weiterverkauf bei Vertragsabschluss nicht bekannt und vereinbart wurden. Wo hier die Politik?
stefan.martens.75 15.11.2017
4. Das sowas überhaupt möglich ist.....
Ich selber bin Versicherungsfachman. Das Konzerne ihre Policen verkaufen können, hatte ich vorher noch nie gehört. Das ist schon alleine deshalb Betrug, in meinen Augen, weil die Kunden den Namen und die Stärke des Anbieters mit gekauft haben. Das ist eine Riesen Sauerei und hier ist dringender Handlungsbedarf seitens der Bafin und des Gesetzgebers. Weshalb soll irgendwer Verträge mit 4% Garantiezins kaufen in einer Nullzinsphase. Insbesondere Firmen die selbst unter 30% Renditedruck stehen? Die sollen ausgeplündert werden. Die Vermögenswerte werden verschoben und billig verkauft (an Dritte!!??) Und dann wird planmäßig Insolvenz angemeldet.
dieter_huber 15.11.2017
5. träumen Sie weiter
Zitat von eifrigerleserIn den heutigen Zeiten der Niedrigstzinsen sind solche Verträge Gold wert! Nicht nur, daß die Verzinsung recht hoch ist, sondern auch, weil es sich häufig um Altverträge handelt, die nicht dem Alterseinkünftegesetz unterliegen. Damit sind die lebenslangen Leibrenten steuerfrei.
Die Zusagen sind das Papier nicht wert, wenn die Lebensversicherer ihre Verpflichtungen nicht mehr einhalten können oder wollen. In den 90er Jahren gingen in Japan die Versicherer reihenweise pleite. Damit das einer Allianz oder Generali nicht passiert - man hat ja einen guten Ruf zu verlieren -, wird der Geschäftszweig kurzerhand an die bekannten Heuschrecken verhökert. Soll man auf die mit dem Finger zeigen, wenn die Beute ausgesaugt wurde. Das ist quasi heute Standardverfahren - jüngstes Beispiel: Siemens/Osram/Ledvance.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© DER SPIEGEL 46/2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.