Lebensversicherungen Allianz streicht Zinsen zusammen

Kunden deutscher Lebensversicherer müssen sich erneut auf geringere Renditen einstellen. Die Allianz senkte die Überschussbeteiligung bei klassischen Verträgen auf 3,1 Prozent - der Rest der Branche dürfte folgen.

Senioren auf einer Parkbank: Lebensversicherer kürzen die Rendite
DPA

Senioren auf einer Parkbank: Lebensversicherer kürzen die Rendite


Schärfere Eigenkapitalregeln, niedriger Leitzins, schwache Gewinne: Die Lage der Versicherungsbranche ist alles andere als rosig und das bekommen auch die Kunden zu spüren - mit sinkenden Renditen. Europas größter Versicherungskonzern Allianz streicht die Überschussbeteiligung in der deutschen Lebens- und Rentenversicherung zusammen.

Bei den klassischen Verträgen mit lebenslangen Garantien sinke die laufende Verzinsung aus Garantiezins und Überschüssen im kommenden Jahr von 3,4 auf 3,1 Prozent, teilte die Allianz Deutschland am Mittwoch in Stuttgart mit. "In einem Umfeld historisch niedriger Zinsen und volatiler Kapitalmärkte ist eine Anpassung der Überschussbeteiligung unumgänglich", begründete die Stuttgarter Allianz-Tochter den unerwartet großen Schritt. Viele Versicherer warten vor der Festlegung ihrer Verzinsung auf den Marktführer.

Für 2015 bekommen die Kunden auf den Sparanteil ihrer Beiträge noch 3,4 Prozent gutgeschrieben. Wer einen alten Vertrag mit einem höheren Garantiezins hat, kann mit der dort genannten Verzinsung rechnen.

Wessen Vertrag 2016 ausläuft, bekommt bei der Allianz eine Gesamtverzinsung von 3,7 Prozent - ebenfalls 0,3 Prozentpunkte weniger als in diesem Jahr. Darin sind zusätzlich zur laufenden Verzinsung ein Schlussüberschuss und eine Beteiligung an den Bewertungsreserven enthalten.

Mit der Kürzung der Überschussbeteiligung reagiert die Allianz auf die anhaltenden Niedrigzinsen an den Kapitalmärkten. Auch Konkurrent Axa kappt die laufende Verzinsung von 3,4 auf 3,1 Prozent. Mit der Überschussbeteiligung werden die Kunden an Gewinnen beteiligt, die ein Lebensversicherer durch die Anlage der Beiträge erwirtschaftet.

Der Abwärtstrend bei den Renditen dürfte auch an den neuen Eigenkapitalregeln für die Branche liegen, die in der EU im Januar in Kraft treten. Sie machen langfristige Garantien noch teurer. Dabei schaffen viele Versicherer es schon jetzt nur mit Mühe, den Garantiezins von 1,25 Prozent abzusichern, da die Renditen auf sichere Staatsanleihen darunter liegen.

Eine etwas höhere Rendite werfen die neuartigen "Perspektive"-Verträge der Allianz ab, bei denen es keinen herkömmlichen Garantiezins mehr gibt. Allerdings sinkt die laufende Verzinsung auch dort um 0,3 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent. Die Gesamtverzinsung geht im gleichen Maß auf 4,0 Prozent.

nck/dpa/Reuters

insgesamt 3 Beiträge
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duke_van_hudde 09.12.2015
1. Hmm
Das heisst das Kunden die einen Zins von 3,1 % jetzt bekommen Kunden mit einen Garantiezins von 4% subventionieren. Wer jetzt so eine Versicherung abschliesst schenkt damit Leuten Geld die in dne 90er so einen Vertrag mit 4 % abgeshclossen haben. Das Risiko der hohen Garantie übernimmt damit nicht die Versicherung sondern alle Kunden die so eine Garantie nicht haben.
matthias1207 09.12.2015
2. Nein...
Ohne den Bestandsvertrag läge die Gesamtverzinsung vermutlich nicht bei 3,1 % sondern eher bei dem Zins für Neuanlagen von deutlich unter 2%.
Andreas1979 10.12.2015
3. Wie gut, das ich schon Geld verdient habe,
bevor man die Zinsen ins Bodenlose gesenkt hat. Damit profitiere ich von meinen Garantiezinsen aus den Jahren vor 2005 und das auch Steuerfrei. Für mich ist bis heute nicht verständlich, wie sorglos manche Bürger mit ihrem Geld umgegangen sind. Wer aus meiner Generation keine Lebens oder Kapitalrentenversichung abgeschlossen hat, ist selber Schuld. Mittlerweile verdiene ich ganz gut, doch damals beim Abschluss habe ich nach meiner Lehre auch nicht mehr als 1650 Brutto verdient. Die heutige Generation tut mir wirklich Leid, denn die können nichts dagegen machen.
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