Fleischkennzeichnung bei Lidl Billig schlägt Bio

Für mehr Tierwohl würden viele Verbraucher angeblich auch höhere Preise für Fleisch zahlen: Doch die Realität sieht oft anders aus, wie der Discounter Lidl nun berichtet.
Fleischprodukt mit Kennzeichnung bei Lidl

Fleischprodukt mit Kennzeichnung bei Lidl

Foto: LIDL

Seit Anfang April kennzeichnet Lidl seine Fleischprodukte mit einem eigenen Stufensystem. So sollen Kunden des Discounters auf den ersten Blick erkennen, wie tierfreundlich ein Produkt entstanden ist. Die einzelnen Stufen entsprechen dabei bestehenden Tierschutzstandards - von den gesetzlichen Mindestanforderungen an die konventionelle Tierhaltung auf der untersten Stufe, über das eher schwache Label der Initiative Tierwohl bis hin zu Biostandard auf der höchsten Stufe.

Allerdings zeigen die vergangenen zwei Monate seit Einführung der Kennzeichnung laut Lidl: Je tierfreundlicher und somit teurer ein Produkt, desto weniger wird es nachgefragt. Das sagte Jan Bock, Einkaufschef von Lidl Deutschland, der "Süddeutschen Zeitung ". Dieser Trend widerspreche Umfragewerten, wonach 90 Prozent der Verbraucher sich bereit erklärten, mehr Geld für Fleisch aus tierfreundlicherer Produktion auszugeben. "Die Moral endet oft am Geldbeutel, das ist nach unserer Erfahrung so", sagte Bock.

Das eigene Stufensystem für mehr Transparenz sieht Lidl-Manager Bock dennoch als Schritt in die richtige Richtung. Ziel müsse sein, die Standards der Tierhaltung nachhaltig anzuheben. Beispiele - etwa aus den Niederlanden - hätten gezeigt, dass Umstellungen des Konsumverhaltens und der Branchenstandards mehrere Jahre dauerten.

Bock lobte zudem die Tierwohl-Initiative des Bundesagrarministeriums. Es soll Produkte auszeichnen, deren Tierschutz-Standard zwischen denen konventioneller und biologischer Herstellung liegt, ist aber umstritten. Lidl-Manager Bock kritisierte, dass die Teilnahme an der Initiative freiwillig ist. Für eine bessere Tierhaltung müsse nicht nur der Handel, sondern auch die verarbeitende Industrie und die Gastronomie dazu verpflichtet werden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieser Meldung war fälschlicherweise von einem staatlichen Tierwohl-Label die Rede. Gemeint war stattdessen die Initiative Tierwohl.

ire
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