Lokführer-Protest Bahnstreik richtet Verkehrschaos an

Die Lokführer legen den Bahnverkehr lahm: Bundesweit kommt es wegen des Arbeitskampfes zu Verspätungen und Zugausfällen, besonders die Großstädte sind betroffen. Die S-Bahnen fahren unregelmäßig, auch auf den Straßen kommt es zu Staus.
Lokführer-Protest: Bahnstreik richtet Verkehrschaos an

Lokführer-Protest: Bahnstreik richtet Verkehrschaos an

Foto: Tobias Hase/ dpa

Hamburg - Im deutschen Bahnverkehr geht seit dem frühen Donnerstagmorgen fast nichts mehr. Vor allem in den Großstädten fahren nur wenige Züge, mehrere Hundert fielen schon aus. Reisende müssen Verspätungen einplanen. Auch nach dem Ende des Streiks dürfte es Stunden dauern, bis sich der Bahnverkehr normalisiert. Da viele Fahrgäste auf das Auto umsteigen, ist es auch auf den Straßen voller als gewöhnlich.

Besonders betroffen von den Arbeitsniederlegungen sind laut Bahn Knotenpunkte im Fernverkehr - also Frankfurt, Köln, Berlin und München. Im Osten Deutschlands fahren demnach nur noch wenige Züge. Reisende können sich bei der Bahn unter der kostenlosen Servicenummer (08000 - 99 66 33) oder im Internet über die Folgen des Streiks  informieren.

Vom Streik besonders betroffen sind folgende Regionen:

- Die S-Bahnen in Hamburg fahren nur noch alle 20 Minuten. Etliche Züge auf den Strecken Lübeck nach Kiel und Flensburg, nach Neumünster und Neustadt fallen aus. Zwischen Hamburg und Kiel sowie Itzehoe kommt es zu erheblichen Verspätungen. Bei der Nord-Ostsee-Bahn fahren auf der Strecke von Hamburg nach Westerland alle Züge, auf den restliche Verbindungen fallen Züge aus, rund 50 Prozent fahren. Die Züge der Metronom Bahn werden zu fast hundert Prozent bestreikt.

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Bahnstreik: Bundesweit Zugausfälle und Verspätungen

Foto: Tobias Hase/ dpa

- In Bayern liegt ein Schwerpunkt auf dem Großraum Nürnberg. Auf den Strecken nach Münchberg, Forchheim und Günzburg wird ein Ersatzverkehr eingesetzt. In München fährt die S-Bahn nur stündlich: "Wir haben aber einen Ersatzfahrplan organisiert, der zuverlässig gefahren wird und der im Internet abrufbar ist", sagte ein Bahn-Sprecher. In Franken gibt es Ausfälle auf den Strecken Pleinfeld - Gunzenhausen, Steinach (b. Rothenburg) - Neustadt/Aisch, Nürnberg Hbf - Neumarkt (Opf) und Coburg - Bad Rodach. Im Allgäu gibt es auf der Außerfernbahn Kempten - Reutte und auf der Strecke Füssen - Kaufbeuren Probleme. Weitere Beeinträchtigungen gibt es in Rosenheim, Ingolstadt, Regensburg und Passau. Auf der Strecke Ulm/Donauwörth nach Augsburg und München fällt der Fugger-Express teilweise aus.

- In Nordrhein-Westfalen fallen im Großraum Köln etliche S-Bahnen aus. Bei den Regionalbahnen ist besonders die Strecke von Mönchen-Gladbach nach Koblenz betroffen, teilte ein Bahn-Sprecher mit. Außerdem ist der Regionalverkehr zwischen Köln, Düsseldorf und Dortmund stark beeinträchtigt.

- In Berlin und Brandenburg stehen 90 Prozent der Züge still, bei der S-Bahn in Berlin sieht es ähnlich aus, teilte ein GDL-Sprecher mit.

- In Niedersachsen haben Züge von Hannover nach Wolfsburg, Braunschweig, Hildesheim oder Bremen Verspätung, einige fallen ganz aus. Die S-Bahnen in Hannover fahren überwiegend nicht.

- In Hessen ist vor allem der Großraum Frankfurt betroffen. Etliche S- und Regionalbahnen fahren nur noch eingeschränkt. Auf den Bahnhöfen in Frankfurt, Fulda, Darmstadt, Biblis oder Gießen warten zahlreiche Pendler auf ihren Anschluss.

- In Baden-Württemberg kommt es bei der Stuttgarter S-Bahn zu Ausfällen. Die Teck-Bahn von Kirchheim nach Oberlenningen ist bis Streikende komplett eingestellt, es gibt keinen Ersatzverkehr.

- In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen kam es auf den meisten Pendlerstrecken zu Zugausfällen. Zwischen Halle, Leipzig, Chemnitz, Dresden oder Madgeburg fährt nur noch ein Busnotverkehr.

GDL-Chef droht mit Fortsetzung des Streiks

Der Streik begann um 4 Uhr und soll bis 10 Uhr dauern. Gewerkschaftschef Claus Weselsky sagte, viele Fahrgäste seien frustriert, es gebe aber auch Unterstützung für die Forderung nach einem einheitlichen Tarifvertrag und höheren Gehältern. Weselsky schließt weitere Streiks nicht aus: "Es ist alles offen."

Nach Weselkys Angaben waren am Morgen rund 800 Lokführer im Streik. "Wir sind uns über die Wirkung bewusst", sagte er. Die GDL wolle die Möglichkeiten "nicht bis zum Ende ausschöpfen". Nun sei aber die Arbeitgeberseite am Drücker und müsse ein "verhandlungsfähiges Angebot" auf den Tisch legen.

Die GDL will mit dem Streik einheitliche Tarifbedingungen durchsetzen - für etwa 20.000 Lokführer der Deutschen Bahn und weitere rund 6000 bei der DB-Konkurrenz. Die Bahn kritisierte die Aktionen scharf.

Schon seit Mittwochabend wird der Güterverkehr durch den Streik behindert. Laut GDL beteiligten sich 500 Lokführer, mehr als 600 Züge kämen gar nicht oder nur stark verspätet an ihr Ziel.

Für Bahn-Vorstand Ulrich Weber ist die GDL schuld an der verfahrenen Lage: "Das hat sich die GDL zuzuschreiben, dass über diesen Weg die Materie noch komplizierter wird", sagte Weber im ZDF-"Morgenmagazin". Demnach scheiterten die Verhandlungen mit den privaten Bahnunternehmen bisher am Verhalten der GDL. Weber verlangte von der Gewerkschaft, "dass sie sich auf Sache einlässt, dass sie an den Verhandlungstisch zurückkehrt".

Personalvorstand Weber kritisierte auch die Informationspolitik der GDL zu den Streiks. "Die Vorbereitungen leiden darunter, dass die GDL uns immer recht spät über ihre Absichten informiert."

cte/tat/dpa/AFP/dapd
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