Warteschleife Wenn die Telekom mein iPhone erdrosselt

"Sie surfen jetzt mit reduzierter Geschwindigkeit": Diese SMS fürchtet jeder Smartphone-Nutzer, wenn sein Datenvolumen aufgebraucht ist. Aber welchen Sinn hat es, zahlende Kunden absichtlich auf Akustikkoppler-Niveau zurückzuwerfen?
Mobilfunkantennen: Reduzierte Geschwindigkeit trennt Internetverbindung ganz

Mobilfunkantennen: Reduzierte Geschwindigkeit trennt Internetverbindung ganz

Foto: Carsten Rehder/ dpa

Mein erstes Onlineerlebnis datiert von 1987. Am Hörer unseres lindgrünen Post-Telefons hatte ich einen Akustikkoppler befestigt. Damit versuchte ich, mich in eine Chat-Mailbox einzuwählen. Bis man drin war, konnte eine Stunde vergehen. Danach wurde es nicht viel besser: Unfassbar langsam träufelten die Daten durch die Leitung.

Nun, fast 30 Jahre später, ist das Akustikkoppler-Feeling plötzlich wieder da. Eigentlich ist mein iPhone dank der Mobilfunktechnologie LTE rasend schnell, aber meist nur bis Mitte des Monats. Dann schickt mir die Deutsche Telekom regelmäßig eine SMS: "Sie surfen jetzt .. mit reduzierter Geschwindigkeit." Drosselung nennt man das. Die Downloadrate sinkt dann für den Rest des Monats von 21.600 Kilobit pro Sekunde (Kbps) um brutale 97 Prozent auf 64 Kbps (bei Uploads sind es nur 16 Kbps).

64 Kbps, das entspricht etwa einem alten Telefonmodem. Es sollte aber zumindest für die kleinen digitalen Verrichtungen ausreichen: SPIEGEL ONLINE, Tweets verschicken, Evernote-Notizen hochladen. Man darf schließlich nicht vergessen, dass diese mickrige Übertragungsrate beim ersten iPhone von 2007 noch Branchenstandard war.

iPhone spielt toter Mann

Stattdessen geht überhaupt nichts mehr. Sobald die Drossel-SMS kommt, hat es sich bei mir ausgesurft. Ich habe das zigmal getestet - in verschiedenen Monaten, an verschiedenen Orten, von Hamburg bis München. Das Ergebnis war stets dasselbe: Mein Smartphone spielt toter Mann. Kolumnistenkollege Sascha Lobo hat dieselbe Erfahrung gemacht: Gedrosselt sei man "faktisch offline ."

Bei der Telekom kann man sich das nicht erklären. "Nach unseren Tests funktionieren textlastige Anwendungen wie Messenger, Social Networks oder E-Mail auch bei dieser reduzierten Bandbreite." Möglicherweise seien auf meinem Telefon Apps installiert, die im Hintergrund zuviel hin- und hersynchronisierten.

Ich habe aber fast alle Datenfresser abgeklemmt. Auch ist mir klar, dass beispielsweise das Nachladen der Twitter-Timeline schnell ein paar Hundert Kilobytes fressen kann. Doch selbst, wenn die Bits nur tröpfeln, müsste das Zeug ja irgendwann geladen werden. Stattdessen passiert minutenlang nichts.

Kaum verändertes Inklusivvolumen

Natürlich kann ich für fünf Euro 500 Megabyte Datenvolumen nachkaufen, was ich in der Regel auch zähneknirschend tue. Könnte es sein, dass mein Anbieter die Drosselung zu einer Art Erdrosselung gemacht hat, um mehr Geld aus mir herauszuholen? Die Telekom sagt, die Reduzierung sei Bestandteil der Produktkalkulation, außerdem lasse man den Kunden ausdrücklich die Wahl, nachzukaufen oder nicht.

Mag sein. Auf jeden Fall wirkt die Drosselung in diesem Umfang unzeitgemäß, ja antiquiert. Die Übertragungsraten im Handynetz haben sich in den vergangenen zehn Jahren vertausendfacht. Das Inklusivvolumen der meisten Tarife hat sich nicht einmal verdoppelt. Einer neuen Studie  zufolge liegt Deutschland bei den Inklusivvolumina in Europa auf dem vorletzten Platz. Und die Drosselung liegt immer noch bei jenen 64 Kbps, die bereits 2007 Usus waren.

Das ist ein bisschen mickrig. Der Slogan des Marktführers Telekom lautet schließlich "Erleben, was verbindet." Mangels Verbindung erlebe ich auf meinem Smartphone leider immer häufiger überhaupt nichts.

Hatten auch Sie ein besonderes Serviceerlebnis? Dann schreiben Sie an warteschleife@spiegel.de .

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